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Auszeichnung für Lebensretter: Zwei Koblenzer hatten Frau und Hund aus eisiger Mosel gezogen

Gezögert haben Natascha Filipovic und Rainer Killian keine Sekunde, als sie im Januar 2017 erkannten, dass eine Frau in der eiskalten Mosel treibt, die offenbar ihren Hund retten wollte. Beherzt machten sich die beiden gemeinsam ans Werk und retteten der Verunglückten das Leben. Für ihren couragierten Einsatz sind Natascha Filipovic und Rainer Kilian jetzt mit der Rettungsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden.

Die Mosel wurde hier im Januar beinah zur tödlichen Falle für eine Spaziergängerin, die buchstäblich in letzter Minute samt ihrem Hund von den beherzt eingreifenden Passanten Natascha Filipovic und Rainer Killian gerettet wurde.
Die Mosel wurde hier im Januar beinah zur tödlichen Falle für eine Spaziergängerin, die buchstäblich in letzter Minute samt ihrem Hund von den beherzt eingreifenden Passanten Natascha Filipovic und Rainer Killian gerettet wurde.
Foto: Katharina Demleitner

Auslöser des Vorfalls, der seinem Frauchen beinah das Leben gekostet hätte, war wohl Hund Sherlock, der am 29. Januar einen Ausflug auf die nur dünne Eisschicht der Mosel wagte. An diesem kalten Sonntag Morgen sind noch kaum Leute unterwegs, als Natascha Filipovic gegen 8.15 Uhr ihr Auto an der Peter-Klöckner-Straße in Moselweiß abstellt, um am Moselufer spazieren zu gehen. Dort trifft die 45-Jährige auf Rosemarie Göbel, der die Verunglückte zuvor am Ufer mit ihrem Windhund begegnet war. Die Layerin setzte nach einem freundlichen Gruß ihren Spaziergang bis zur Staustufe fort, kehrte dann zurück – und hörte plötzlich Hilferufe. „Mir war klar, das musste die junge Frau mit dem Hund sein“, berichtet sie. Weil die 81-Jährige ihr Handy nicht dabei hat, bittet sie aufgeregt Natascha Filipovic, Hilfe zu holen. Sofort reagiert die gelernte Krankenschwester und ausgebildete Ersthelferin und informiert die Feuerwehr, noch bevor sie sich selbst ein Bild von der Lage machen kann.

Gleichzeitig beginnt Rainer Killian mit seiner Frau eine morgendliche Joggingrunde. An einem kleinen Schotterweg, der zum eigentlichen Ufer führt, begegnen sich die Lebensretter. Die Oberfläche der Mosel ist zugefroren, aber „das Eis war höchstens zwei Zentimeter dick und nicht tragfähig“, erinnert sich Killian. Zunächst entdecken sie den Hund, der sich an einer Eisscholle festkrallt, sehen dann aber ein Gesicht im Wasser und dass die Person Paddelbewegungen ausführt. Gerufen hat die Verunglückte nicht, „wahrscheinlich war sie schon zu lang im Wasser und hatte keine Kraft mehr“, vermutet Filipovic. In einem Boot, das wohl für die Wartung der Staustufe eingesetzt wird, finden sie einen Rettungsring, den sie der Frau zuwerfen. Doch die Leinen sind zu kurz, die offenbar schon sehr erschöpfte Verunglückte kann den Ring nicht erreichen. „Alles, was sonst noch an Leinenresten im Boot war, haben wir zusammengebunden und es noch mal probiert“, schildert Killian die dramatischen Augenblicke.

Unter Einsatz des eigenen Lebens haben Natascha Filipovic und Rainer Killian erfolgreich eine Frau und ihren Hund aus der Mosel gerettet und bekamen dafür als staatliche Anerkennung die Rettungsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.
Unter Einsatz des eigenen Lebens haben Natascha Filipovic und Rainer Killian erfolgreich eine Frau und ihren Hund aus der Mosel gerettet und bekamen dafür als staatliche Anerkennung die Rettungsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.
Foto: Katharina Demleitner

Der Elektrotechniker, der damals gerade den Bootsführerschein macht, weiß, dass ein Mann über Bord am besten vom Boot oder Land aus gerettet werden sollte. „Mein Gedanke war, hoffentlich muss ich nicht selber ins Wasser, dann wird es sehr schwer, an Land zu schwimmen“, erklärt der 52-Jährige. Doch beim zweiten Versuch bleibt der Rettungsring in Reichweite der Frau liegen. „Wir haben sie angeschrien, sie solle ihren Hund loslassen, erst wollte sie nicht, aber dann hat sie es doch gemacht“, beschreibt Filipovic ihre energischen Bemühungen. Die rechte Hand konnte die Frau anscheinend nicht mehr bewegen, doch mit der linken greift sie den Ring und die beiden können sie in das Boot ziehen. Wegen der dicken Winterkleidung war sie sehr schwer, „erstaunlich, dass sie nicht untergegangen ist“, meint Killian, der ein zweites Mal den Rettungsring wirft und erreicht, dass Sherlock hinter diesem her schwimmt und das rettende Boot erreicht.

Inzwischen sind Rettungsdienst und Feuerwehr eingetroffen, kümmern sich um die unterkühlte und unter Schock stehende Frau. „Der Notarzt meinte, eine Minute später wäre es wohl zu spät gewesen“, sagt Filipovic. Rosemarie Göbel verfolgt beunruhigt die Rettungsaktion. Erst, als sie sicher ist, dass die Frau lebt, macht sie sich auf den Heimweg.

Während sein Frauchen im Krankenhaus aufgenommen und bald wieder entlassen wird, erholt sich Sherlock im Tierheim, bevor der Besitzer ihn dort abholt. Erleichtert und froh, dass Frau und Hund überlebt haben, wechseln auch die Retter ihre nasse Kleidung – und haken den Vorfall ab. Zu einem Kontakt mit der Verunglückten kommt es nicht.

Das Schreiben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, in dem die Auszeichnung mit der Rettungsmedaille angekündigt wird, überrascht beide völlig. Stolz und froh nehmen die Koblenzer die Auszeichnung in Mainz entgegen. „Wichtig ist, nicht wegzuschauen, sondern anzurufen“, appelliert Filipovic, den Notruf zu wählen. Rainer Killian, der als Ersthelfer öfter bei Autounfällen hilft, ermuntert ebenfalls, die Initiative zu ergreifen: „Das kann Leben retten.“

Von unserer Mitarbeiterin Katharina Demleitner

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