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    Ausnahmezustand in Neuendorf: Deshalb kreiste nachts der Hubschrauber

    Parallelwelt im Koblenzer Stadtteil Neuendorf: Der Hubschrauber, der mehrere Nächte hintereinander seine Runden über der Stadt drehte, war zur Unterstützung von Einsätzen gegen kriminelle Jugendlichen in der Luft. Unter anderem ist ein Molotow-Cocktail gegen ein Polizeiauto geflogen.

    Als Großsiedlung Neuendorf gilt das Gebiet mit den Straßen Im Kreutzchen, Herberichstraße, Fritz-Michel-Straße, Fritz-Zimmer-Straße, Hans-Bellinghausen-Straße, Josef-Cornelius-Str., Max-Bär-Str., Pfarrer-Friesenhahn-Platz, Werner-von-Siemens-Straße und Teilen des Wallersheimerwegs.
    Als Großsiedlung Neuendorf gilt das Gebiet mit den Straßen Im Kreutzchen, Herberichstraße, Fritz-Michel-Straße, Fritz-Zimmer-Straße, Hans-Bellinghausen-Straße, Josef-Cornelius-Str., Max-Bär-Str., Pfarrer-Friesenhahn-Platz, Werner-von-Siemens-Straße und Teilen des Wallersheimerwegs.

    Die Polizei geht jetzt konsequent gegen Entwicklungen in der Koblenzer Großsiedlung Neuendorf  vor, nachdem sich die Lage dort in der jüngsten Zeit aus Sicht der Polizei weiter zugespitzt hat. Um Polizisten am Boden zu unterstützen, flog deshalb in den vergangenen Nächten immer wieder ein Hubschrauber über dem Gebiet. Ausgestattet mit Wärmebildkamera gab er Informationen nach unten - wer sich wo versteckt, wer wohin flüchtet. Suchscheinwerfer braucht der Polizeihubschrauber  dafür nicht. 

    Jugendliche und junge Leute treiben es dort nach den Erkenntnissen der Polizei immer krimineller: Bei Einsätzen der Feuerwehr zum Löschen angesteckter Müllcontainer wurden Feuerwehrkräfte beleidigt und bedroht, die Löscharbeiten gestört. Am Donnerstag hatten in den frühen Abendstunden über die Großsiedlung verteilt insgesamt fünf Müllcontainer gebrannt. Die Polizei reagierte umgehend und suchte nach den Tätern. Dabei kam dann auch der Polizeihubschrauber zum Einsatz, den die Anwohner am Himmel kreisen hören konnten. 

    In der Vergangenheit waren auch Steine auf Einsatzkräfte oder Einsatzfahrzeuge geworfen. In einem Fall wurde ein Streifenfahrzeug der Polizei sogar mit einem selbst gebauten, brennenden Molotov-Cocktail beworfen. Bisher blieb es bei Sachschäden, Beamte wurden nicht nennenswert verletzt.

    Der Leiter der zuständigen Polizeidirektion Koblenz, Thomas Fischbach: "Das sind keine Kavaliersdelikte mehr." Es sei Glück, dass Brände nicht auf Wohnhäuser übergegriffen haben mit möglichen schlimmen Folgen für die Bewohner. Fischbach: "Unser Ziel ist es, die Ruhe und Sicherheit für die Menschen in der Großsiedlung wieder herzustellen und die Täter vor Gericht zu bringen." Im Juni hatte es bereits im Stadtteil Lützel einen Einsatz mit rund 200 Beamten gegeben, weil die Polizei dort ebenfalls verhindern wollte, dass sich dort kriminelle Strukturen weiter ausbilden.

    In Neuendorf beklagte bereits 2011 der Vorsitzende des Vereins Großsiedlungen Neuendorf e.V., Gert Hoffmann, zunehmende Zerstörungswut. Er erklärte das mit der aus seiner Sicht zu laxen Bestrafung. „Die kriegen dann ein paar Sozialstunden und kommen die Hälfte der Zeit nicht. Das bringt gar nichts.“

    In der Großsiedlung gibt es schmucke Einfamilienhäuser ebenso wie Hochhäuser, in denen viele Wohnunge leer stehen, die Angsträume sind für andere Menschen. Archivfoto: Denise Remmele
    In der Großsiedlung gibt es schmucke Einfamilienhäuser ebenso wie Hochhäuser, in denen viele Wohnunge leer stehen, die Angsträume sind für andere Menschen. Archiv
    Foto: Denise Remmele

    Neuendorf ist von der Bevölkerungsstruktur der jüngste Stadtteil in Koblenz. Im Jahr 2013 lebten dort 1100 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 11 und 25 Jahren, 18,2 Prozent der Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,9  Prozent.* Der Ausländeranteil ist mit rund 20 Prozent auch so hoch wie in keinem anderen Stadtteil, weitere 30 Prozent der Bevölkerung sind Deutsche mit Migrationshintergrund, wie aus dem Statistischen Jahresbericht der Stadt hervorgeht. In der Großsiedlung alleine liegt der Anteil noch deutlich höher. Nicole Weier, die in der Großsiedlung als Jugend-Sozialarbeiterin tätig ist, fasst es so zusammen: „Die Jugendlichen, die hier leben, haben keine Perspektive - und sie wissen das.“ Die Bewohner leben am Rand der Gesellschaft und fühlen sich auch so. „Und dann halten alle zusammen, da verrät keiner den anderen.“

    Die Polizei weiß, dass der Hubschrauber mitten in der Nacht viele Koblenzer nervt und ihnen den Schlaf raubt, bedauert das auch. Er könne aber auch in den kommenden Nächten wieder in der Luft sein, wenn es die Lage erfordert. Wenn wieder Tonnen brennen. (law/csa)

    Die Polizei sucht nun nach Zeugen. Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Koblenz-Metternich unter der Telefonnummer 0261/103-2911 entgegen.

    *Anm. d. Redaktion: An dieser Stelle hatten wir von einer Arbeitslosenanteilen von 14,7 Prozent geschrieben. Diese Zahl bezieht sich aber auf den Anteil Arbeitsloser unter Ausländern.

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