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Koblenz

Aus Liebe zur Freundin: Koblenzer Betrüger "kauft" vier Fernseher

Hartmut Wagner

Es war die große Liebe – und wurde eine riesige Enttäuschung: Ein Ganove (24) zog wegen seiner Freundin aus dem Sauerland nach Koblenz. Er haute seine Kumpels übers Ohr, kaufte auf deren Namen zwei Couchtische, vier Fernseher und – verscherbelte alles. Aber seine Liebe scheiterte. Er schlief im Vorraum einer Koblenzer Sparkasse und landete bald im Gefängnis.

symbolfoto: dpa
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Foto: dpa

Jetzt stand er wegen 16-fachen Internetbetrugs vor dem Schöffengericht Koblenz und quengelte: „Ich wollte meiner Freundin was bieten – und bekam 'ne Pfanne vor den Kopf!“ Er schilderte sein Ganovenleben und wollte noch einmal Bewährung. Aber: Richterin Anke van den Bosch und ihre beiden Schöffen blieben hart. Ihr Urteil: zwei Jahre Haft, ohne Bewährung.

Das Geschäftsmodell des Kleinganoven war meist dasselbe: Er kaufte Handys, die er nicht bezahlte. Oder verkaufte Handys, die er gar nicht hatte. Manchmal ging es auch um Fernseher, Couchtische, Lacoste-Uhren, Nike-Turnschuhe oder Kapuzenpullover. Zwischen Oktober und Dezember 2016 richtete er gut 4000 Euro Schaden an.

Als er nach Koblenz kam, zog er in der Innenstadt in eine Wohngemeinschaft. Es wäre schnell aufgefallen, wenn er immer auf seinen Namen Ware bestellt, aber nie bezahlt hätte. Also bestellte er auf den Namen seiner Mitbewohner – bei Internetversandhändlern wie Otto, Runnerspoint oder About you.

Manchmal nutzte er auch Ebay für seine krummen Geschäfte. Im Oktober 2016 verkaufte er zweimal ein Samsung Galaxy S 7, mal für 300, mal für 360 Euro. Er kassierte das Geld, verschickte das Handy aber nie – er hatte auch gar keins.

Bereits 2015 verkaufte er in Koblenz Handys von Apple oder Sony, traf sich mit Interessenten am Löhr-Center, kassierte ab, lieferte aber keine Ware. Das Amtsgericht Koblenz verurteilte ihn darum 2016 zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Das Urteil sollte eine letzte Warnung sein. Aber der Betrüger machte immer weiter. Darum entschied Richterin van den Bosch jetzt: Er muss ins Gefängnis, erhält nicht erneut Bewährung. Der mehrfach vorbestrafte Mann saß schon oft hinter Gittern, hat daran schlimme Erinnerungen: „Dort fühlt man sich wie ein Tier!“

Kuriosität am Rande: Die Staatsanwältin warf dem Mann auch vor, 2016 in Koblenz in der Eifeler Backstube, Löhrstraße 117, einen 40 Euro teuren Stuhl gestohlen zu haben. Doch das bestritt er: „Ich räume alles ein! Aber einen Stuhl? Hab ich nicht gestohlen!“ Das Gericht stellte das Verfahren in diesem Punkt ein.

Von unserem Chefreporter Hartmut Wagner

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