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    Am Florinsmarkt sind die Bagger angerollt

    Dass die Bauarbeiten am Florinsmarkt in vollem Gang sind, können mittlerweile auch die Passanten sehen: Am Bürresheimer Hof und am Alten Kaufhaus wird nun auch von außen sichtbar gebaut. Das Verbindungsstück zwischen den beiden historischen Gebäuden im Herzen der Altstadt ist im April bereits verschwunden, zukünftig wird hier ein moderner Glastreppenturm die Bauten verbinden und erschließen. Und auch im Inneren schreitet die Umwandlung der alten Kinder- und Jugendbibliothek und des früheren Mittelrhein-Museums in das ISSO-Institut für soziales und nachhaltiges Wirtschaften voran.

    Da, wo Bürresheimer Hof (im Bild zu sehen) und das Alte Kaufhaus aufeinandertreffen, findet sich seit einigen Wochen eine Baustelle. Zwischen beiden Gebäuden entsteht ein gläserner Verbindungsbau, und wo hier der Bagger steht, wird eine Restaurantterrasse mit Moselblick eingerichtet.
    Da, wo Bürresheimer Hof (im Bild zu sehen) und das Alte Kaufhaus aufeinandertreffen, findet sich seit einigen Wochen eine Baustelle. Zwischen beiden Gebäuden entsteht ein gläserner Verbindungsbau, und wo hier der Bagger steht, wird eine Restaurantterrasse mit Moselblick eingerichtet.
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

    Die Planung ist abgeschlossen, und es ist klar: Die Sanierung und Umgestaltung historischer Gebäude ist nicht immer ganz einfach. "Es ist ein komplexes Ensemble", sagt Martin Görlitz, der das Alte Kaufhaus samt Schöffenstübchen, den Bürresheimer Hof und das Dreikönigenhaus - die frühere Stadtbibliothek - im Herbst 2013 gekauft hat. Damals begannen aufwendige Planungen und Vorbereitungen, allein die Bestandspläne zu erstellen, hat Monate gedauert.

    Als größter Knackpunkt hat sich der Brandschutz herausgestellt. "Der Brandschutz schlägt sogar den Denkmalschutz", sagt Görlitz. Heißt: Wenn die Denkmalschützer etwas erhalten wollen, der Brandschutz dem aber entgegensteht, kann es eben nicht bleiben. Das gilt etwa für die Treppen im früheren Mittelrhein-Museum. Bislang sind diese offen, heute gilt aber, dass diese eingehaust sein müssen und es einen geschützten Ausgang nach draußen geben muss. "Bei einer Nutzungsänderung erlischt alles, es gibt keinerlei Bestandsschutz", sagt Görlitz. Was im früheren Museum noch genehmigt war, gilt für den neuen Nutzer nicht mehr, sondern das Baurecht von heute. Deshalb muss nicht nur das Treppenhaus vom Erdgeschoss in den ersten Stock weichen, sondern auch eine Wendeltreppe aus massivem Eichenholz, die vom ersten in das zweite Obergeschoss führt.

    "Im Detail war das so nicht klar", sagt Görlitz, auch archäologische Funde haben immer wieder für Überraschungen gesorgt, zuletzt alte Mauerreste, die bei den Arbeiten am Dreikönigenhaus aufgetaucht sind. "Das muss man halt sportlich sehen", findet der Investor. Aber auch deshalb ist der Eröffnungstermin von Bürresheimer Hof und Altem Kaufhaus noch offen, vielleicht ist es im Frühjahr 2017 so weit - mit einem großen Fragezeichen.

    Am Florinsmarkt liegt der Fokus jetzt vor allem auf dem Bürresheimer Hof und dem Verbindungsbau. Dieser Glasbau ist nach außen wohl die auffälligste Veränderung: Er enthält Treppenhaus und Fahrstuhl für beide Gebäude, "es ist eine moderne Skulptur, die sich klar von den historischen Gebäuden absetzt", so Görlitz. Gleichzeitig habe man sich für die zurückhaltendste Art der Erschließung entschieden: "Das Alte soll erhalten bleiben." Der Bürresheimer Hof wird im ersten Schritt komplett entkernt, das Treppenhaus wird verlegt. "Die ganze Aufteilung wird anders als bisher", sagt ISSO-Geschäftsführer Alexander Schabel: Etwa 30 Gästezimmer entstehen, die von Tagungs- und Hotelgästen genutzt werden können. Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant mit Terrasse zur Mosel hin. Die Tagungsräume entstehen im Alten Kaufhaus nebenan. Im Erdgeschoss wird die Hauptveranstaltungsfläche eingerichtet mit Bühne, Bar und Übergang zu den Zimmern und dem Restaurant im Bürresheimer Hof. Oben werden Seminarräume und ein großer hörsaalartiger Raum geplant. Insgesamt fließen in das Projekt - inklusive Kauf der Immobilien - 12 bis 15 Millionen Euro.

     Noch kann man sich kaum vorstellen, dass das Dreikönigenhaus als Sitz des neuen ISSO-Instituts schon in diesem Sommer eröffnen soll. Es sieht aus wie eine Baustelle - von außen und vor allem von innen. Und doch soll es als das erste der drei historischen Gebäude in der Altstadt fertig werden, die derzeit saniert werden und in denen Martin Görlitz sein gemeinnütziges Institut für soziales und nachhaltiges Wirtschaften einrichten wird: dem Bürresheimer Hof und dem Alten Kaufhaus am Florinsmarkt und eben auch dem Dreikönigenhaus.

    Vor der Tür der früheren Stadtbibliothek an der Kornpfortstraße stehen in diesen Tagen Container, Bauzäune, ein Dixi-Klo, und vielleicht sieht man auch einen Handwerker, der sich gerade aus einem der zahlreichen Fenster lehnt, um es auszutauschen. Im Inneren des Barockbaus schaut es nicht besser aus: Wände und Böden sind nackt, Baustaub liegt in der Luft, Werkzeug und Baumaterial aller Art auf dem Boden, neue Leitungen hängen lose von den Decken. Und doch: „Das Dreikönigenhaus ist von den drei Gebäuden am besten im Schuss, und der Umbau ist im vollen Gange“, sagt ISSO-Geschäftsführer Alexander Schabel.

    In erster Linie werden kleinere Büros in die großen Bibliotheksräume eingebaut: Nicht nur die Mitarbeiter des ISSO-Instituts selbst sollen hier die Arbeit aufnehmen, sondern auch Existenzgründer und junge Firmen. Diese können Büros oder auch einzelne Arbeitsplätze im sogenannten Coworking-Bereich mieten, der ebenfalls im Dreikönigenhaus eingerichtet wird. „Gerade junge Firmen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Ökologie und Soziales sollen sich hier ansiedeln und die Synergien nutzen, die entstehen“, so Schabel. Für 15 bis 20 Unternehmen und Organisationen soll es Platz geben.
    Fest steht bereits, dass das Koblenzer Umweltbüro Kuba einziehen wird, und auch mit einigen Firmen wurden bereits Verträge unterzeichnet, berichtet Schabel. Darüber hinaus sind er und seine Kollegen viel unterwegs, knüpfen Kontakte und versuchen, junge Leute zu einer Gründung zu motivieren. Auch mit den Hochschulen arbeitet ISSO zusammen.

    Nicht nur Räume können die Jungunternehmer in der Koblenzer Altstadt mieten: Das „ISSO lab“, ein Gründerzentrum, wird ebenfalls im Dreikönigenhaus eingerichtet und will Gründer mit Beratungsangeboten unterstützen. Auch Kooperationen sind möglich, bei denen ISSO in Teams investiert. „Diese Investitionen sollen sich am Ende natürlich rechnen, es geht auch um Wirtschaftlichkeit - aber das ist nicht das einzige Motiv“, betont Alexander Schabel. Die Geschäftsideen sollten zwar wirtschaftlich sein, aber auch einen sozialen Mehrwert bieten.

    In einem Bistro im Erdgeschoss sollen die Gründer zusammenkommen und sich austauschen können, nach Willen der ISSO-Macher soll es aber auch ein Treffpunkt für Studenten und andere Besucher sein. Wie auch die anderen Räume in der alten Stadtbibliothek wird das Bistro in den nächsten Wochen eingerichtet: Im ganzen Haus werden neue Fenster installiert, neue Sanitäranlagen und Böden eingebaut, es werden Wände eingezogen, und unter neuen Decken verschwinden die Leitungen. Im Sommer, wenn alles fertig sein soll, ziehen das ISSO-Institut und die Görlitz-Stiftung ein - und das Institut nimmt rund zwei Jahre nach dem Kauf der historischen Gebäude seine Arbeit in der Altstadt auf.

     

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