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Urbar

Ärger über Schwarzkittel: Wildschweine hinterlassen Garten als Acker

Wenn die Tage jetzt wieder länger werden und die Sonne mehr und mehr zum Vorschein kommt, dann zieht es viele Menschen in der Region in den heimischen Garten. Sie genießen das heimische Grün und die wärmenden Sonnenstrahlen. Ganz und gar nicht zum Genießen zumute ist Peter Hofmeister aus Urbar. Die Anlage rund um sein Haus gleicht derzeit eher einem Schlachtfeld als einem idyllischen Garten. Schuld daran sind die Wildschweine – oder doch der Jagdpächter?

Beim Anblick seines Gartens ist Peter Hofmeister aus Urbar nicht zum Lachen zumute. Wildschweine haben in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder rund um sein Haus gewütet. Foto: Andreas Egenolf
Beim Anblick seines Gartens ist Peter Hofmeister aus Urbar nicht zum Lachen zumute. Wildschweine haben in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder rund um sein Haus gewütet.
Foto: Andreas Egenolf

Dass er auf Wildtiere in seinem rund 2000 Quadratmeter großen Garten trifft, ist für den gebürtigen Bayer nichts Neues. Seit 1993 wohnt er mit seiner Familie an den Hängen des Rheins in Urbar. Immer wieder haben in dieser Zeit Füchse, Rehe oder ab und zu auch ein Wildschwein in seinem Garten gestanden. Wenn es zu Schäden kam, dann waren diese eher gering. Die frühere Jagdgenossenschaft habe auch immer geholfen, die Schäden zu beseitigen. „Dann war das in Ordnung“, findet Hofmeister.

In diesem Jahr ist allerdings alles anders. „Das war der extremste Winter überhaupt“, klagt der Urbarer. Schon im vergangenen Oktober ging es los. Eines Morgens stellte die Familie fest, dass Teile des Grundstücks an der Hauptstraße über Nacht von Wildschweinen umgewühlt wurden. Dabei sollte es nicht bleiben, die Schwarzkittel kamen immer wieder.

Peter Hofmeister war irgendwann mit seiner Geduld am Ende. Bei der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz erwirkte er im November eine befristete Genehmigung, die Wildschweine auch innerhalb des Hanggrundstücks jagen und notfalls erlegen zu dürfen, was normalerweise verboten ist. Aus privaten Gründen konnte Hofmeister sich allerdings keinen Jäger innerhalb des von der Kreisverwaltung gesetzten Genehmigungszeitraums engagieren. Vielmehr unternahm die geschädigte Urbarer Familie andere Schritte „Wir haben das Grundstück im November nach den ersten Schäden teilweise wieder hergerichtet“, sagt Hofmeister. Im Dezember wurde dann der bestehende Maschendrahtzaun mit Baustahlmatten verstärkt, die nun zehn Zentimeter ins Erdreich hineinragen. Danach war erst einmal für mehrere Wochen Ruhe und es kamen keine neuen Schäden durch Wildschweine im Garten dazu. Doch dann gab es ein Déjà-vu: Das Schwarzwild hatte sich wieder im Garten breitgemacht, dieses Mal sogar auf der in Richtung Rhein liegenden Grundstücksseite. Der Zaun hatte zwar gehalten, doch Peter Hofmeister vermutet, dass Wildschweine dieses Mal aus Richtung Hauptstraße auf sein Grundstück gekommen sind. Die beschädigten Stellen will er nun wieder herrichten, auf den Kosten für Zaun und Rasen bleibt er allerdings sitzen. Das rheinland-pfälzische Landesjagdgesetz sieht nämlich keine Entschädigungen für Privatgrundstücke vor – zum Ärger des Urbarers. „Das ist schon ein fast antikes Gesetz.“

Noch mehr als über die Rechtslage ärgert sich Peter Hofmeister allerdings über den zuständigen Jagdpächter. In seinen Augen werden die Tiere auf den Urbarer Rheinhöhen nicht genug bejagt, wo durch es auch auf den Nachbargrundstücken zu Wildschäden gekommen ist. „Wenn ich ein Hobby habe, dann muss ich das auch richtig betreiben.“

Karl-Matthias Neis, der die Jagd in Urbar gepachtet hat, widerspricht diesem Vorwurf allerdings. Zwischen Hauptstraße und Rheinhöhe gäbe es zwar Schwarzwild, der Bereich sei aber schwer bejagbar. „In Urbar haben wir grundsätzlich nur Hänge und Hecken und keinen Hochwald. Dann sieht man die Wildschweine nur, wenn sie tatsächlich rauskommen“, erklärt Neis. Hinzu käme, dass die Schweine in der Nähe der Grünschnitt-Kompostieranlage der Stadt Koblenz, die unmittelbar an Urbar angrenzt, im Dickicht optimale Ruhemöglichkeiten finden. Den Unmut der Anwohner könne er nachvollziehen, aber „man kann nicht Tag und Nacht vor Ort sein. Wir probieren schon alles.“ Auf den Privatgeländen selbst dürfe er nicht ohne Weiteres jagen.

Peter Hofmeister hilft das unterdessen nur wenig. Er will als nächsten Schritt nun Pellets ausprobieren, die laut Hersteller „einen unangenehmen Nachgeschmack im ultrasauren bitteren Geschmack“ bewirken und somit die Wildschweine verjagen. Sollte das nicht helfen, will der Urbarer nach dem letzten Strohhalm greifen: der Bejagung der Tiere auf seinem Grundstück.

Von unserem Reporter Andreas Egenolf

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