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Koblenz

Ärger, Lärm und Müll: Wie geht es am Koblenzer Bahnhof weiter?

Doris Schneider

Tag für Tag das gleiche Bild: Im Lauf des Mittags trudeln immer mehr Menschen am Bahnhofvorplatz ein, scharen sich um die Pflanzinsel vor der Sparkasse, um die Bänke am Busbahnhof oder vor dem Getränkemarkt. Oft sind sie laut, oft gibt es Krach, fast immer auch Hinterlassenschaften in Form von Müll und Glasscherben und an den umliegenden Hauswänden auch Urin- und Kotflecken.

Der Bahnhofvorplatz ist täglicher Treffpunkt vieler Menschen, die hier ihre Zeit verbringen. Anwohner und Passanten stören sich oft daran, dass hier Palaver herrscht, vor allem aber daran, dass hier Müll rumliegt und dass viele Menschen auch ihre Notdurft hier verrichten. Nach einer Expertenanhörung stimmt die Verwaltung gerade ihr weiteres Vorgehen ab.
Der Bahnhofvorplatz ist täglicher Treffpunkt vieler Menschen, die hier ihre Zeit verbringen. Anwohner und Passanten stören sich oft daran, dass hier Palaver herrscht, vor allem aber daran, dass hier Müll rumliegt und dass viele Menschen auch ihre Notdurft hier verrichten. Nach einer Expertenanhörung stimmt die Verwaltung gerade ihr weiteres Vorgehen ab.
Foto: Doris Schneider

Auch die SB-Filiale der Sparkasse ist vor einigen Monaten wegen andauernder Verschmutzungen geschlossen worden, eine Neuregelung beispielsweise mit einem von außen benutzbaren Geldautomaten ist nach wie vor nicht in Sicht, so Sparkassen-Pressesprecher Jörg Karbach auf Anfrage der Rhein-Zeitung.

Wie es am Platz insgesamt weitergeht, ist derzeit noch offen. Bei einer Expertenanhörung ist das Thema vor gut zwei Wochen von allen möglichen Seiten beleuchtet worden. Diese Aussagen werden nun von der Verwaltung ausgewertet, um dann in ein Gesamtkonzept der zuständigen Ämter einzufließen, so Heiko Breitbarth von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage der RZ. Dies wiederum wird dem Haupt- und Finanzausschuss in seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 17. September, 15 Uhr, vorgestellt.

Eine Passantin, die jeden Tag den Platz quert, schildert ihre Eindrücke: „Es ist oft ziemlicher Trubel hier, aber nicht beängstigend.“ Verschiedene Gruppen halten sich hier auf, beobachtet sie. Neben den vielen meist jüngeren Leuten, die sich oft an der Pflanzinsel treffen, gibt es auch ein paar einzelne ältere Männer, die oft schon morgens völlig betrunken sind. Und es gibt eine andere kleine Szene, oft sehr hibbelige, dünne Menschen: „Da habe ich vor einiger Zeit beim Bäcker auch ein ganz offenes Gespräch mitgehört, wo einer sagte: ,Wo ist denn der XY, ich brauche dringend was'“, berichtet die Koblenzerin. Entsprechende Drogengeschäfte werden dann in der Tiefgarage gemacht, ist ihre Beobachtung.

„Unseren Erkenntnissen nach handelt es sich in diesem Bereich um eine sogenannte Drogenkontaktszene; nicht wie häufiger angenommen, etwa um eine offene Drogenszene“, so Manuel Wehrmann, Leiter der Polizeiinspektion Koblenz 1, auf Nachfrage der RZ. Da Mitarbeiter des Ordnungsamts, der Bundespolizei und der Polizeiinspektion I Koblenz 1 häufig am Platz präsent sind, spielt sich die Rauschgiftkriminalität im Verbogenen ab. „Konkrete Hinweise auf Dealer sind hier nicht bekannt. Menschen, die etwas Verdächtiges wahrnehmen, wenden sich bitte direkt an die PI Koblenz 1. Wir gehen jedem Hinweis nach“, so Wehrmann.

Was dagegen viel offensichtlicher ist, ist das – bekannte – Problem, dass an allen möglichen und unmöglichen Stellen Menschen ihre Notdurft verrichten. „Das ist aber keine Frage der Gesellschaftsschicht“, sagt Sabine Lieser, die im ehemaligen Lotto-Gebäude bei der Firma Active Logistics arbeitet und die Szene jeden Tag vor Augen hat. Vor allem an der Mauer, die zwischen Hotel und Lotto-Haus Richtung Hohenzollernstraße ein Stück zurückgesetzt steht, stehen immer Männer und pinkeln. „Mit und ohne Krawatte, das ist ganz egal.“ Ansonsten fühlt sie sich von den Leuten aber nicht gestört, sagt sie.

Das sieht ein Straßenkehrer, der hier täglich seinen Dienst tut, völlig anders. Es ist ein dreckiges Geschäft, das er hier zu verrichten hat, und die Leute machen es ihm nicht leicht, erzählt er sichtlich genervt. Morgens kommt der Reinigungswagen und macht das Gröbste und Unappetitlichste weg, aber immer wieder kommen dann auch Handkehrer zum Einsatz. „Glasscherben, Erbrochenes, Kot“, all das findet der Reinigungsmann immer wieder vor.

Und Leute, die ihm keinen Platz machen wollen, wenn sie schlecht drauf sind. „Notfalls rufe ich dann die Polizei“, sagt er. Die ist immer wieder da, manchmal auch mit mehreren Streifen gleichzeitig, bestätigt Manuel Wehrmann. „Aus meiner Sicht ist dies im Alltagsgeschäft einer Polizeiinspektion in einem Oberzentrum die Regel“, so Wehrmann.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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