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Emmelshausen

Wilder Müll am Straßenrand sorgt für Ärger

Autoreifen, Getränkedosen in Hülle und Fülle, randvolle Müllsäcke, Kanister und Behälter mit fragwürdigen Inhalten. Daneben kaputte Batterien, Berge von Obstkisten, Elektroschrott und Massen an Sperrmüll – das ist nur eine gekürzte Liste an Dingen, die an der A 61 und den anderen Autobahnen illegal entsorgt werden. Für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Emmelshausen bedeutet das vor allem eins: Arbeit. Doch auf den Parkplätzen, an den Rändern und im Böschungsbereich der Autobahn finden sich zum Beispiel auch Waffen, Munition und Drogen, wie Birgit Küppers vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) zu berichten weiß. Woher kommt der Müll? Wie viel Arbeit macht er? Und vor allem: Wer trägt die Kosten? Unsere Zeitung beantwortet zehn Fragen rund um das Aufregerthema.

1 Was sind die Ursachen für die illegale Müllentsorgung am Straßenrand? „In Rheinland-Pfalz gibt es grundsätzlich ein stetig steigendes Müllproblem“, sagt LBM-Sprecherin Küppers. Unterstützt werde der Anstieg mitunter auch durch neue Müllsatzungen von Städten und Kreisen. „Je nach Satzungsgestaltung verlagert sich das Müllaufkommen teilweise auf die Autobahnparkplätze“, ist sich Küppers sicher. Wilde Müllablagerungen entlang der Autobahnen sind ein Dauerproblem: „Insbesondere in den vergangenen beiden Jahren haben wir ein erhöhtes Aufkommen von illegaler Müllentsorgung festgestellt.“

2 Kann der LBM das Problem in Zahlen fassen? Allein bei der jährlichen Abfallentsorgung entlang der Strecken der A 61, A 571, A 573 werden allein nach dem Winter rund 123 Kubikmeter wilden Unrats entsorgt. Für die Beseitigung müssen die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Emmelshausen bisweilen sogar Großgeräte einsetzen. „In der Regel erfolgt die Entsorgung, wenn nicht händisch, mithilfe eines Lkw-Kranwagens“, lässt die LBM-Sprecherin wissen. Im Bereich der Autobahnmeisterei Emmelshausen fallen auf den 66 Kilometern zwischen dem Autobahnkreuz Koblenz-Metternich und der Anschlussstelle Bingen-Mitte .etwa 75 bis 100 Kubikmeter illegal entsorgter Müll an, sagt Dienststellenleiter Michael Bersch auf Anfrage unserer Zeitung.

3 Wie sieht es auf den Autobahn-Parkplätzen aus? „Auf den Parkplätzen entsorgen wir jährlich circa 250 Tonnen Müll aus den Abfallbehältern und bei der manuellen Reinigung vor Ort“, weiß Küppers und bezieht sich hierbei aufs gesamte Land. Neben dem „normalen“ Müll – etwa weggeworfene Verpackungen – finden sich ganze Wohnungseinrichtungen, Kühlschränke, Bauschutt, Gartenabfälle, Sperrmüll und auch Hausmüll auf den Parkplätzen. „Hin und wieder werden auch Fahrzeuge und Wohnwagen illegal abgestellt“, berichtete die LBM-Mitarbeiterin.

4 Wohin geht’s dann mit dem eingesammelten Müll von der Autobahn? Der Betriebsdienst lagert den gesammelten Müll gebündelt im Gehöft der Autobahnmeisterei ab. Da der Zuständigkeitsbereich der Autobahnmeisterei Emmelshausen mehrere Kreise umfasst, schaltet die Behörde die jeweils zuständigen Abfallbetriebe zwecks Entsorgung ein.

5 Wie viel kostet der wilde Müll den Steuerzahler? Die Kosten für die Abfallentsorgung beziffert Bersch für den Autobahnmeistereibereich Emmelshausen auf mehr als 200.000 Euro. Auch die Kommunen sitzen mit im Boot der Zahler: „Zusätzlich zu unseren Kosten entstehen Entsorgungskosten beim jeweiligen Kreis, der den eingesammelten illegalen Müll kostenfrei entsorgen muss“, erklärte LBM-Sprecherin Küppers.

6 Und was ist mit den Verursachern? Zuständig für den Unrat an der Autobahn ist eigentlich jeder Müllsünder. Da dieser in den meisten Fällen nicht ermittelbar ist, wird der Abfall vom Betriebsdienstpersonal unter anderem auch auf Adressen und Dokumente durchsucht. „Wenn infrage kommende Verdächtige ausfindig gemacht werden können, wird Anzeige bei der Polizei erstattet.“ Vereinzelt würde man auch von Autofahrern informiert, die auf Rastanlagen illegale Müllentsorgungen beobachten. Ganz selten wird jemand „auf frischer Tat ertappt“, so der LBM. Anfang 2018 dann aber doch: „Er wollte nach Betanken seines Fahrzeuges seinen Kanister mit Dieselresten auf dem Parkplatz ablegen. Auf sein Tun angesprochen, zeigte er keine Einsicht. Daraufhin wurde die Polizei alarmiert, die sich der Sache angenommen hat“, so Birgit Küppers.

7 An welchen Stellen wird besonders viel Müll abgeladen? Ganz vorn stehen laut LBM Unterführungen, Parkplätze bei Dunkelheit und Wirtschaftswege. „Hier herrscht nachts ein geringeres Verkehrsaufkommen. Dies erschwert die Ermittlung der Verursacher.“

8 Wie hoch ist der Zeitaufwand für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei, die Abfälle zu entsorgen? Bei einem illegal abgestellten Wohnwagen dauerte es bis zu zwölf Wochen, wobei eine nicht unerhebliche Zeit mit der Zuständigkeitsregelung, Baulastträger, Landkreis und Polizei, einhergeht. Liegen keine Hinweise auf den Täter vor, wird der Abfall direkt aufgenommen und entsorgt. In der Regel dauert das ein bis zwei Tage.

9 Stellt der Landesbetrieb Mobilität eine Zunahme von illegal abgelagerten Abfällen fest? Die illegale Müllentsorgung auf Parkplätzen oder im Straßenseitenraum bewegt sich seit Jahren auf konstant hohem Niveau. Eine Verschärfung der Situation kann man nicht direkt feststellen, es ist vielmehr von jahreszeitlichen Spitzen auszugehen. Insbesondere im Frühjahr, wenn Haus und Hof aufgeräumt oder wenn bei der Gartenarbeit Abfälle anfallen, findet sich ein großer Teil dieser Abfälle im Straßenseitenraum oder auf den Parkplätzen wieder. Auch die illegale Entsorgung von Bauschutt, Sperrmüll oder Hausmüll ist an der Tagesordnung. Allein von den Straßenrändern im Land sammeln die Straßenwärter des LBM pro Jahr rund 5500 Tonnen Müll – das entspricht etwa 550 Müllwagenladungen. In den vergangenen Jahren kamen für diese Arbeiten Kosten von rund 1,8 Millionen Euro zusammen. Nur etwa halb so viel Müll, nämlich 2750 Tonnen, werden dagegen jährlich in die vorgesehenen Abfallbehälter an den Straßen geworfen.

10 Gibt‘s einen Lösungsansatz für den Mülltourismus? „Die Erziehung der Mitmenschen ist nicht Aufgabe der Straßenbaubehörde“, findet Küppers. Die Straßenmeistereien kontrollieren die Parkplätze im Rahmen der täglichen Streckenkontrollen. Zudem werden die Anlagen regelmäßig gereinigt. Die Abfallbehälter im Zuständigkeitsbereich der Autobahnmeisterei Emmelshausen werden zweimal pro Woche, während der Reisesaison dreimal wöchentlich geleert. Die Parkplätze selbst werden einmal pro Woche gesäubert, sagt Bersch und verweist auf das Sprichwort „Müll zieht Müll an“. Durch das Reinigen wird versucht, die Hemmschwelle für das verbotene Abladen von Müll anzuheben. Außerdem wurden in den vergangenen Jahren viele Parkplatzanlagen von Bewuchs befreit, damit diese besser einzusehen sind und eine „soziale“ Kontrolle greifen kann. Jeder, der seinen Müll illegal entsorgt und ermittelt werden kann, wird angezeigt. hb/vos/ww

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