40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Rhein-Hunsrück-Zeitung
  • » Vor über 20 Jahren: Dorfladen war der erste im ganzen Land
  • Aus unserem Archiv
    Sargenroth

    Vor über 20 Jahren: Dorfladen war der erste im ganzen Land

    Die Versorgung mit Lebensmitteln und den Dingen des täglichen Bedarfs in die eigene Hand nehmen - dazu entschloss man sich in Sargenroth Anfang der 90er-Jahre.

    Von unserem Redakteur Markus Lorenz

    Der Schritt folgte mehr oder weniger gezwungenermaßen, hatte doch kurz zuvor der letzte Lebensmittelladen im 440-Seelen-Dorf seine Türen für immer geschlossen. "Völlig ohne Geschäft dazustehen, das konnten wir uns nicht vorstellen", erinnert sich der damalige Bürgermeister Reinhard Klauer, "gerade auch mit Blick auf die ältere Bevölkerung." Also nahm man in Sargenroth das Schicksal in die eigenen Hände. "Ich hatte damals von einem Projekt in Niedersachsen gehört, wo ein Dorf seinen eigenen Laden gegründet hatte", erzählt Klauer, "also sind wir dahin gefahren und haben uns vor Ort informiert."

    Reinhard Klauer (Mitte) brachte den Sargenrother Dorfladen 1992 gemeinsam mit vielen engagierten Bürgern an den Start. Sein Nachfolger Gerd Martin hebt die Bedeutung des kleinen Geschäfts für den Ort hervor. Verkäuferin Karin Schmitt hat für jeden Kunden ein nettes Wort übrig. Foto:  Markus Lorenz
    Reinhard Klauer (Mitte) brachte den Sargenrother Dorfladen 1992 gemeinsam mit vielen engagierten Bürgern an den Start. Sein Nachfolger Gerd Martin hebt die Bedeutung des kleinen Geschäfts für den Ort hervor. Verkäuferin Karin Schmitt hat für jeden Kunden ein nettes Wort übrig.
    Foto: Markus Lorenz

    Aus Genossenschaft wurde Verein

    Mit ihrer Idee waren die Sargenrother tatsächlich die ersten in Rheinland-Pfalz. "Wir hatten damals das Ziel, dass sich mindestens die Hälfte aller Haushalte an dem Projekt beteiligt und haben entsprechend die Werbetrommel gerührt." Das Vorhaben gelang, 60 Haushalte wollten bei der Genossenschaft dabei sein und zahlten 200 D-Mark ein. Finanzielle Unterstützung gab es dazu von Land und Bund. Und so öffnete 1992 erstmals "Unser Laden" - treffender hätte man das kleine Einzelhandelsgeschäft nicht nennen können - seine Türen. Dass es ihn auch heute noch gibt, ist mehr als bemerkenswert. Denn landesweit scheiterten im Laufe der Zeit zahlreiche ähnliche Modelle.

    "So etwas funktioniert nur, wenn die Gemeinde damit eng verzahnt ist", erläutert Gerd Martin, der jetzige Ortsbürgermeister. So werden dem Laden die Räumlichkeiten neben dem Gemeindehaus kostenlos zur Verfügung gestellt. Nur die Nebenkosten muss der Verein, der aus der Genossenschaft hervorgegangen ist, tragen. Dennoch muss auch "Unser Laden" hart ums Überleben kämpfen. Denn längst nicht jeder aus Sargenroth oder den Nachbarorten kauft dort ein. "Anfangs hatten wir 100 Kunden am Tag, die im Schnitt für 13 D-Mark eingekauft haben", erinnert sich Reinhard Klauer an eine alte Statistik.

    "Von solchen Zahlen sind wir heute leider weit entfernt", bedauert sein Nachfolger. Trotz Mieterlass und drei Mitarbeiterinnen auf 400-Euro-Basis kann das kleine Geschäft mit den Angeboten der Supermärkte und Discountläden im nahen Simmern natürlich nicht mithalten.

    Feste und Märkte zum Überleben

    <a href="http://www.rhein-zeitung.de/dossiers/dossier-kauf-lokal.html">Mehr zur RZ-Serie "Kauf lokal"...</a>

    Dass dennoch die berühmte "schwarze Null" geschrieben wird, liegt vor allem an Aktionen wie dem Weihnachts- und Ostermarkt oder dem Kartoffelfest, das im Herbst veranstaltet wird. Auch bei Familienfeiern oder Beerdigungen organisiert das Laden-Team die Bewirtung im Gemeindehaus. "Nur vom Laden könnten wir nicht existieren", betont Martin, "die Gemeinde kann es sich nicht leisten, den laufenden Betrieb zu subventionieren." Das große Engagement der Vereinsmitglieder um deren Vorsitzende Hedi Hornberger hebt der Ortschef ausdrücklich hervor.

    "Das Angebot wird im Dorf schon recht gut akzeptiert", erläutert Gerd Martin, "natürlich würde ich mir noch ein paar Käufer mehr wünschen. Viele Sargenrother sind sich der Bedeutung des Ladens nicht richtig bewusst - ob als Treffpunkt für einen netten Plausch zur Grundversorgung der älteren Generation und der Leute, die nicht mobil sind. Deshalb wäre es schon toll, wenn wir noch mehr Kunden hätten - auch mit Blick auf die demografische Entwicklung."

    Zu bieten hat "Unser Laden" wirklich allerhand. Rund 300 Artikel des täglichen Bedarfs sind ständig im Angebot. Neben dem üblichen Haushalts- und Lebensmittelsortiment hält das kleine Geschäft eine ganze Menge regionaler Produkte bereit - Honig vom Imker, Wurst und Fleisch vom Metzger aus dem Nachbarort, frisches Mehl direkt aus der Mühle, Eier vom Bauern und Weine vom Winzer. Hinzu kommen regionale Wildspezialitäten und Produkte aus der SooNahe-Palette. Frische Brötchen und Brot, Zeitschriften und selbst gemachte Gestecke runden das Angebot ab.

    "Der Laden existiert jetzt dank großem ehrenamtlichen Einsatz schon 21 Jahre", ziehen Klauer und Martin Bilanz, "darauf sind wir schon etwas stolz. Für einen kleinen Ort wie unseren ist das eine tolle Leistung. Wir möchten diesen Service unseren Bürgern auch in Zukunft anbieten."

    Geöffnet hat "Unser Laden" in der Schulstraße in Sargenroth (neben dem Gemeindehaus) montags bis freitags von 9 bis 11.30 und von 16.30 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 7.30 bis 12 Uhr.

    Boppard Simmern
    Meistgelesene Artikel
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Samstag

    7°C - 15°C
    Sonntag

    6°C - 9°C
    Montag

    7°C - 10°C
    Dienstag

    8°C - 11°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Jahresrückblick 2016 der RHZ
    Anzeige