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Kirchberg

Theater in Kirchberg: Dumnissus wagt sich ins Kloster

Die Theatergruppe Dumnissus spielte am Wochenende unter der Regie von Helma Hammen in der Aula des Ausonius-Schulzentrums Kirchberg das Lustspiel in drei Akten von Sabine Hofschweiger-Zihr „Imaculata – oder: Eine Nonne zu viel“. Wenn Dumnissus Theater spielt, darf man als Zuschauer gespannt sein, denn die Laienspieler lassen sich immer etwas Neues einfallen, um ihr Publikum adäquat zu unterhalten. Premiere wurde am Freitagabend gefeiert – und wieder war die Aufführung eine ganz Besondere. In diesem Jahr erhielten die Zuschauer tiefe Einblicke hinter dicke Klostermauern.

Die Kirchberger Theatergruppe Dumnissus wagte sich mit ihrem neuen Stück hinter Klostermauern und erntet dafür viel Applaus.​
Die Kirchberger Theatergruppe Dumnissus wagte sich mit ihrem neuen Stück hinter Klostermauern und erntet dafür viel Applaus.​
Foto: Gisela Wagner

Schon nach kurzer Zeit wird jedem klar, dass hier bestimmt nicht der Himmel auf Erden ist, und dass es im Kloster zugeht wie im richtigen Leben. Es wird gezankt und gestritten, es kommt zu Eifersuchtsdramen, es gibt Gewalt, Hass und Diskriminierung. Dumnissus scheut sich nicht davor zurück, heftig Gesellschaftskritik zu üben. Lügen werden entlarvt, der Deckmantel von Nächstenliebe und Brüderlichkeit wird jäh zerstört und viele Illusionen werden zunichte gemacht. Dabei lässt der Stoff den Spielern viel Raum sich in ihren Rollen zu entfalten.

Da ist die strenge Mutter Oberin, die von Gerlinde Klockner mit der nötigen Härte dargestellt wird. Sie lebt den Charakter voll aus und zeigt sich als streitbare, verbitterte Frau, die es zugegebenermaßen nicht leicht hat.

Sie ist darauf bedacht, ihr Kloster in Würde zu führen, doch nicht Geduld und Liebe, wie man das in einer kirchlichen Einrichtung erwartet hätte, wird hier praktiziert, sondern Unerbittlichkeit und Härte. Sie duldet keinerlei Ungehorsam. Um ihre Autorität durchzusetzen, greift sie, wenn es sein muss, auch zu drastischen Mitteln und lässt sich neben verbalen Entgleisungen sogar zu körperlichen Übergriffen hinreißen. Die Zuschauer nehmen das leise kommentierend zur Kenntnis.

Alles beginnt mit einem Chorkonzert der Nonnen. Da Imaculata, die von Heike Härter mit einem sonnigen Humor gespielt wird, stumm ist, man sie aber nicht ausschließen möchte, spielt sie die Trommel und gerät dermaßen in Ekstase, dass sie nicht mehr zu bremsen ist und vor lauter Überschwang eine Mitschwester zu Boden schlägt. Tollpatschig stellt Imaculata die Geduld der Mutter Oberin immer wieder auf die Probe. Alles was sie anpackt, geht in Scherben zu Bruch, sie ist an Ungeschicklichkeit nicht zu überbieten, jede Kritik prallt an ihr ab, und gerade wegen ihrer unbeholfenen Art wird sie vom Publikum geliebt.

Der Mutter Oberin ist sie allerdings ein Dorn im Auge. Der Abt Primus, der von Heribert Dämgen als graue Eminenz mit viel Geduld und Besonnenheit in Szene gesetzt wird, bemüht sich zu schlichten. Er ist den schönen Dingen des Lebens zugetan, schätzt die Backkünste der Mutter Oberin, hat ein mildes Herz und viel Lebenserfahrung. Doch irgendwann kann er sich dem Drängen der strengen Klosterfrau nicht mehr entziehen, er stimmt zu, dass Imaculata strafversetzt wird.

Schließlich hat diese mit einer Zigarette fast einen Sarg in Brand gesetzt, allerdings hat sie ihn auch gelöscht und wird dafür sogar vom herbeigeeilten Feuerwehrmann, der von Marvin Schröder gespielt wird, gelobt.

Doch die Versetzung ist nicht mehr zu verhindern, ein kleines Dorf in Süditalien wird nun die neue Station in ihrem chaotischen Leben. Pater Guido (Hans Schmidt), der dort ein einsames Leben fristet, freut sich über ihre Gesellschaft, allerdings kennt er sie da noch nicht. Ein Glück, dass sie von ihrer zauberhaften Nichte Rita (Julia Krautkrämer), einer selbstsicheren, netten, jungen Dame, begleitet wird. Auch in Italien gerät Imaculata von einem Missgeschick zum nächsten. Und hier, ohne Aufsicht, sind die Möglichkeiten von einer heiklen Situation in die nächste zu stürzen und damit für reichlich Verwirrung zu sorgen, noch viel größer.

Schon bei ihrer Ankunft geht es los. Sie schlägt, natürlich ganz ohne Absicht, einen Touristen (Andreas Schulte-Hubbert) nieder und vertauscht mit dem kleinen Gelegenheitsdieb Jacomo (Niklas Radschikowsky), ihren Koffer. Der spielt sich feurig und sympathisch, trotz seiner kriminellen Energie, in die Herzen der Damen, sodass man nicht ihn für den Dieb hält, sondern die Ordensschwester.

Die große Opernsängerin Carlotta Cravalli (Katharina Monteith) sieht in ihr eine Konkurrentin, schließlich hat sie sich bisher um den einsamen Pater mit viel Liebe und Überschwang gekümmert. Doch als der feurige Jacomo sich ihr zuwendet, genießt ihr schmachtendes Herz, die heiße innige Liebe, die nun endlich erwidert wird. Nun ist der kleine Dieb auch zu einer großen Beichte bereit, Schwester Imaculata wird von allen Anschuldigungen freigesprochen und das Diebesgut wird für einen guten Zweck gespendet.

Weitere Mitwirkende auf und hinter der Bühne: Kaplan: Elmar Härter, Chor: Kati Hofmann (Leitung), Edith Neef, Heidi Bohn, Christiane Lay, Hilde Dämgen, Manuela Krautkrämer, Angelika Schwaab; Souffleuse: Ingeborg Adler, Inspizientin: Anne-Katrin Vogt; Maske/Frisuren: Angelika Schwaab, Mario Michels; Technik: Andreas Schulte-Hubbert, Marvin Schröder; Pressearbeit: Katharina Monteith, Grafik und Layout: Axel Weirich, Bühnenbau, Requisiten, Kostüme: Gemeinschaftsarbeit.

Von unserer Mitarbeiterin Gisela Wagner

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