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    Tal-total-Lösung stößt auf heftigen Widerspruch

    Die Ankündigung, bei Tal total im kommenden Jahr nicht mehr die Straßen beiderseits des Rheins sperren zu wollen, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Reaktionen reichen von Aussagen, wie: "Man kann doch eine erfolgreiche Veranstaltung nicht einfach platt machen", bis zu Klagen über Einnahmeverluste für heimische Vereine und Bedenken in Bezug auf die Sicherheit der Teilnehmer.

    Kurz vor der Loreley wird es auf der B 9 eng, wenn sich mehrere Radfahrer beim Erlebnistag begegnen. Betrachtet man den Radweg am rechten Bildrand, braucht man nicht viel Fantasie, um zu erkennen, dass das Chaos bei einer Nichtsperrung der Bundesstraße vorprogrammiert ist. Foto: Suzanne Breitbach
    Kurz vor der Loreley wird es auf der B 9 eng, wenn sich mehrere Radfahrer beim Erlebnistag begegnen. Betrachtet man den Radweg am rechten Bildrand, braucht man nicht viel Fantasie, um zu erkennen, dass das Chaos bei einer Nichtsperrung der Bundesstraße vorprogrammiert ist.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Von unserem Redakteur Thomas Torkler

    Franz-Josef Karbach, Ortsvorsteher von Hirzenach, ist "fürchterlich knatschig und sauer". Seit es Tal total gibt, profitiert das noch einige Jahre länger stattfindende Pfarrfest in Hirzenach von der Großveranstaltung. Zwischen 2500 und 3000 Euro spülten die Radler jedes Jahr in die Kassen der Veranstalter. Und die wiederum steckten den Erlös in die Sanierung der Probstei - einer der touristischen Anziehungspunkte am Mittelrhein. "Was wir an der Probstei geschafft haben, wurde erst durch die Einnahmen von Tal total möglich", sagt Karbach. 30 bis 40 Leute aus der Pfarrei Holzfeld-Rheinbay-Hirzenach haben sich jedes Jahr ehrenamtlich engagiert, um am Pfarrfest dem Ansturm der Gäste gerecht zu werden.

    Die örtliche Feuerwehr sowie der Quartettverein profitierten ebenfalls von der Großveranstaltung. "Die Sänger müssen beispielsweise ihren Dirigenten bezahlen", so Karbach.

    Für den Ortsvorsteher ist der Werbeeffekt des Raderlebnistages trotz gesunkener Besucherzahlen nach wie vor vorhanden: "Die Leute, die an dem Tag durchs Mittelrheintal radeln, kommen später wieder", ist sich Karbach sicher. Wenn die Straßen nicht mehr gesperrt werden, dürften die Gäste seiner Ansicht nach wegbleiben, denn "auf dem Radweg kann man jeden Tag fahren, dafür brauche ich kein Tal total."

    Hirzenach braucht die Großveranstaltung aber weiterhin. Am Pfarrhaus muss das Dach neu gedeckt werden. Die Pfarrgemeinde hätte aus den Einnahmen des Pfarrfestes am Tal-total-Tag auch bei diesem Projekt wieder ihren Beitrag zu der Sanierungsmaßnahme finanzieren können Dies drohe nun wegzufallen, befürchtet Franz-Josef Karbach.

    Gar nicht so sehr ums Geld geht es dem Fanfarenzug in Bad Salzig. Von Anfang an war der Verein mit von der Partie und versorgte die Radler am Ortseingang mit Getränken. Stefan Bach, der Vorsitzende, sagt: "Wir haben morgens um 8 Uhr unseren Stand aufgebaut und abends um 19 Uhr wieder abgebaut. Es war immer ein Null-Geschäft, aber eine gute Werbung für den Verein. Draufgezahlt haben wir nicht, aber zu verdienen gab es auch nichts." Das lag vor allem daran, dass der Verein für die Radfahrer auch eine mobile Toilette bereitgestellt hat. "Das hat uns insgesamt immer etwa 90 Euro gekostet, aber die Leute waren dankbar dafür, mitten auf der Strecke ein WC vorzufinden", so Bach.

    Mit der schon einmal angedachten Wechsellösung, wonach die B 9 und die B 42 im jährlichen Wechsel gesperrt würden, könnte Bach leben. Die jetzt vorgeschlagene Lösung, beide Bundesstraßen nicht zu sperren, werde über kurz oder lang das Ende von Tal total bedeuten, ist sich Bach sicher, "und das wäre schade. Wir am Mittelrhein hatten immerhin eine der ersten Veranstaltungen dieser Art auf die Beine gestellt", so Bach.

    Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, der den Raderlebnistag einst mit ins Rollen brachte, sagt zur Mitwirkung der heimischen Vereine: "Die Beteiligung der Bürger ist in meinen Augen ein ganz wichtiges Element von Tal total. Für viele Vereine am Rhein ist es ein toller Tag, zum Beispiel auch für die Nachwuchsarbeit." Wenn durch das neue Konzept den Vereinen die Möglichkeit genommen werde, Veranstaltungen am Wegesrand auf die Beine zu stellen, würde Lewentz dies bedauern: "Vielleicht hätten die Veranstalter mal vorher mit den Vereinen sprechen sollen", erklärt der Minister.

    Auch der Ortsvorsteher von Bad Salzig, Wolfgang Spitz, würde ein Einschlafen der Veranstaltung bedauern: "Das war immer ein Highlight für uns." Spitz sieht wie viele andere auch ein großes Sicherheitsrisiko, wenn die Teilnehmer künftig ausschließlich auf den Radwegen unterwegs sein sollen.

    Der ökologische Verkehrsclub VCD und der BUND kritisieren diesen Beschluss: "Wenn Tal total nicht mehr autofrei ist, verliert der Tag an Attraktivität und sollte konsequenterweise komplett abgesagt werden", so Egbert Bialk, Vorsitzender des BUND Kreisgruppe Koblenz und Landesvorstandsmitglied des BUND.

    Das neue Konzept sei alles andere als eine Werbung für den Radverkehr, wenn 50 000 bis 75 000 Freizeitradler von den Straßen auf die für eine solche Veranstaltung viel zu schmalen Radwege gedrängt werden. Für Mario Pott, stellvertretender Vorsitzender des VCD Rheinland-Pfalz, ist die Aufhebung der Straßensperrungen nicht hinnehmbar: "An einem Tag wie Tal total sollten einzig die Radfahrer und Inline-Skater im Mittelpunkt stehen. Es ist nicht zu akzeptieren, dass diese durch den Autoverkehr an den Rand gedrängt werden." tor

    Tal-total: Konzept stößt auf heftigen Widerspruch RZ-Kommentar: Die Neuauflage von "Tal total" ist Sand in die Ketten der Radfahrer "Tal total": Raderlebnistag gibt's bald nicht mehr total
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