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Hunsrück

Soonwald-Rodung: Politik auf Anklagebank

Die Rodung auf der Nordseite des Soonwaldkamms hinterlässt tiefe Spuren im Wald und Wunden bei vielen Naturschützern. Auf der Anklagebank sitzen nicht nur die Firma Juwi, die mit der Rodung acht Windrädern den Boden bereitet, die Kreisverwaltung, die die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn erteilt hat (wir berichteten), sondern auch die rot-grüne Landespolitik, die Windkraft im Landschaftsschutzgebiet und im Wald erlaubt.

Bis spät in die Nacht hinein waren am Sonntag die Maschinen auf dem Soonwaldkamm mit der Rodung großer Waldflächen für acht Windräder auf der Nordseite zugange. Etwa 80 Bürger brachten im Laufe des Tages ihren Protest gegen die Rodung an Ort und Stelle zum Ausdruck
Bis spät in die Nacht hinein waren am Sonntag die Maschinen auf dem Soonwaldkamm mit der Rodung großer Waldflächen für acht Windräder auf der Nordseite zugange. Etwa 80 Bürger brachten im Laufe des Tages ihren Protest gegen die Rodung an Ort und Stelle zum Ausdruck
Foto: Werner Dupuis

Landrat Bertram Fleck stellte vor dem Kreisausschuss nochmals klar, dass Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord sowie Umweltministerium die Kreisverwaltung am 1. März angewiesen hätten, die Genehmigung für den vorzeitigen Baubeginn zu erteilen. Ende Februar habe die Kreisverwaltung sämtliche Unterlagen an die SGD zwecks Prüfung übersandt. Bis zur endgültigen Baugenehmigung werden noch einige Wochen vergehen, sagte Fleck.

Für den Naturschutzbund (Nabu) sitzt nach der „blitzartigen Rodung im Landschaftsschutzgebiet Soonwald“ der Stachel tief. Juwi habe bewusst zunächst nur im inneren Waldbereich gerodet, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung nicht frühzeitig zu wecken, lautet der Vorwurf. Auch am Sonntag seien die Motorsägen und Harvester bis spät in der Nacht in Betrieb gewesen, „in der Hoffnung, durch die vollendeten Tatsachen den aufkeimenden Widerstand in der Bevölkerung zu brechen“, sagt Peter Fischer gegenüber unserer Zeitung. Der Nabu-Kreisvorsitzende ist sich jedoch sicher, dass viele Bürger die „beispiellose Eil-Rodungsaktion“ nicht hinnehmen würden. Fischer forderte die Bevölkerung auf, sich den kommenden Bürgerprotesten anzuschließen, „um den Soonwald als letztes unberührtes Waldrefugium unserer Heimat zu erhalten“.

Der Nabu befürchtet durch den Bau der acht Windräder einen schweren Schaden für die Tierwelt im Soonwald. Seine Kritik, beim Genehmigungsverfahren sei der Fledermausschutz auf der Strecke geblieben, weist die Kreisverwaltung zurück. Auflagen und Maßnahmen zum Schutz der Fledermausbestände seien ausdrücklich vorgesehen. Die Kreisverwaltung habe zudem dafür gesorgt, dass die Standorte der Windräder bewusst so gewählt worden seien, dass keine Fledermausquartiere in Mitleidenschaft gezogen würden. Dann werde der Betreiber auch noch verpflichtet, zum Schutz der Fledermäuse bestimmte Abschaltzeiten einzuhalten.

Für den Nabu steht jedoch fest, dass nicht nur Fledermäuse, sondern auch Rehe, Schwarzstörche, Greifvögel, Eulen und Spechte ihren Lebensraum für immer verlieren, sobald die „monatelangen lärmintensiven Bauarbeiten mit schwerem Gerät“ einsetzen. Allein für die Fundamente sind nach Einschätzung des Nabu „über 1000 Betonmischer-Fahrten ins Waldgebiet nötig“. Der Soonwald werde über Monate „zu einer der größten Baustellen in Rheinland-Pfalz“. So würden mit der Allianz von grüner Politik und unternehmerischer Macht Natur- und Landschaftsschutzgesetze ausgehebelt, lautet die ernüchternde Bilanz des Nabu. ww

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