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Boppard/Koblenz

"Schon etwas gemein": Bopparder soll seine Vermieter bestohlen haben

Ricarda Helm

Er hat bei seinen Diebestouren keine Verwüstungen, dafür aber große Enttäuschung und Traurigkeit bei den Opfern hinterlassen. Das wurde am Tag zwei im Prozess gegen einen 40-jährigen Bopparder deutlich, der wegen verschiedener Eigentumsdelikte sowie Körperverletzung und Brandstiftung auf der Anklagebank des Koblenzer Landgerichts sitzt.

Handy-Verkauf
Der Bopparder machte vor nichts Halt auf seinen Diebestouren bei Bekannten und Vermietern. (Symbolfoto)
Foto: dpa

Denn. und da waren sich die Zeugen einig: Alle hatten dem Mann, der immer hilfsbereit und freundlich war, vertraut. Und gerade diejenigen, die ihm geholfen haben, hat er schamlos bestohlen. Das gibt der 40-Jährige freimütig zu.

Aber er hat für alle Taten eine Erklärung parat: Einerseits eine Psychose, die er seit seiner Bundeswehrzeit hat, sowie wegen seiner Spielsucht und Drogen. Und er könnte mit einem blauen Auge davon kommen: Die zunächst in Betracht gezogene unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie könnte vom Tisch sein, sofern der Angeklagte ein Wohnheim findet, welches ihn aufnimmt. Denn seit er in der Psychiatrie Nette-Gut in Weißenthurm untergebracht ist und medikamentös behandelt wird, hat sich sein Zustand stabilisiert. Es war ein Prozesstag der gegensätzlichen Emotionen. Tränen flossen, aber auch ein Schmunzeln konnte man sich kaum verkneifen, da die Naivität des Mannes verblüffte.

Wegen folgender fünf Delikte im August 2017 muss er sich vor Gericht verantworten:

1 Er verletzt seine Freundin im Streit mit einem Boxhieb in den Bauch und Tritte gegen den Oberschenkel. Weil er den Vorwurf einräumt, muss die Frau, die selbst krank ist, nicht aussagen.

2 Seine Vermieter, mit denen er einen freundschaftlichen Umgang pflegte und die ihm voll und ganz vertrauten und ihm auch finanziell halfen, beklaute er immer wieder mal: Handy, Navi, Uhr und Geld. Während der Hausbesitzer im Gericht die Tränen der Enttäuschung nicht zurückhalten konnte, erklärte seine Frau: „Wir haben nie an ihn gedacht, sondern uns hingegen noch gefreut, dass es wenigstens ein ehrlicher Dieb war, der nach dem Klau der Geldbörse wenigstens die Karten in den Briefkasten geworfen hat.“

3 Erst lieh er sich bei einem Fußballkamerad 50 Euro- und als dieser eine Woche später in Urlaub fuhr, stieg er in dessen Haus ein. Hier sackte der 40-Jährige großzügig alles ein: Elektrogeräte, Schmuck – auch Erinnerungsstücke, die schmerzlich vermisst werden- und Bargeld für insgesamt rund 9000 Euro. Kurios: Er klaute sogar einen Fernseher samt Antennenkabel. Weil er den aber nicht auf dem Fahrrad abtransportieren konnte, verkaufte er ihn kurzerhand direkt an einen Nachbarn. Eine wertvolle Uhr verschacherte er für wenig Geld an einen weiteren Mannschaftskameraden.

4 Seinem schlafenden Kumpel stibitzte er den Schlüssel, um dann in dessen Wohnung einzusteigen und diese zu plündern.

5 Der Höhepunkt der Straftatenserie war Ende August: Da versuchte er aus Frust gegen seinen Arbeitgeber dessen Lkw in Brand zu setzen. Außer ein paar Rußspuren entstand jedoch kein größerer Schaden.

Der Vorsitzende Richter Reiner Rühmann ging verständnisvoll mit dem Angeklagten um. Er machte ihm aber auch klar: „Es ist schon etwas gemein: Da leiht Ihnen jemand Geld und Sie brechen bei ihm ein.“

Der Prozess wird am 27. April fortgesetzt. Dann soll es zum Urteil kommen.

Von unserer Mitarbeiterin Ricarda Helm

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