40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Rhein-Hunsrück-Zeitung
  • » Schinderhannes-Festspiele begeistern auf dem Schlossplatz
  • Aus unserem Archiv
    Simmern

    Schinderhannes-Festspiele begeistern auf dem Schlossplatz

    Die Schinderhannesfestspiele sind eröffnet. Am Donnerstag erfolgte die Vorpremiere unter den Augen zahlreicher Ehrengäste und Sponsoren, und am gestrigen Freitag feierte das Musical „Schinderhannes“ nach Carl Zuckmayer offiziell Premiere auf dem Simmerner Schlossplatz. Wie schon im vergangenen Jahr lag die musikalische Gestaltung in den bewährten Händen des Simmerner Komponisten Carsten Braun. Für die Texte zeichnete Intendant Michel Becker verantwortlich. Mit Joerg Steve Mohr hatte man einen „importierten Profi“ als Regisseur verpflichtet, wie es Stadtbürgermeister Andreas Nikolay ausdrückte. Dieser verstand es, die Persönlichkeit der einzelnen Akteure herauszukitzeln. Die sparsame Bühnendekoration ließ die einzelnen Charaktere bestens zur Geltung kommen.

    Carsten Braun hatte es erneut geschafft, die Texte in Klänge umzuwandeln, die zu einem stimmigen musikalischen Gesamtkontext verschmolzen. Seine Kompositionen waren häufig den Solisten perfekt auf den Leib beziehungsweise die Stimme geschrieben, sodass es den Ausführenden mühelos gelang, aus sich herauszugehen und den jeweiligen Liedern ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken. Das Schöne dabei: Sämtlichen Akteuren war der Spaß an der Sache anzumerken – und das bereits bei der Vorpremiere, die als öffentliche Generalprobe quasi „unter Gefechtsbedingungen“ angelegt war.

    Wie intensiv die Probenarbeit gewesen sein muss, dokumentierte die tadellose Ausführung auf der Schlossplatzbühne. Keine Spur von Unsicherheit oder Nervosität bei den Darstellern. Und dass die Schinderhannesfestspiele nach ihrem Intermezzo in der Hunsrückhalle wieder ins Freie auf den Schlossplatz zurückgekehrt sind, tat dem Mammutwerk mehr als gut. Die achtköpfige Rockband war gegenüber den Gesangsdarbietungen nie zu laut, auch wenn es mitunter recht rockig zuging. Solisten und der Chor waren bestens zu verstehen.

    Begünstigt wurde dies dadurch, dass von den Musikern und dem Chor nichts zu sehen war. Der Chor unter der Leitung von Stefan Göth sang nämlich im Trauzimmer des Schlosses, und die Band hatte sich in der Tourist-Info breitgemacht. So waren die einzelnen Ensembles akustisch voneinander getrennt und nur mit Mikrofonen, Monitoren und Kopfhörern mit dem Bühnengeschehen vor dem Schloss verbunden.

    Auf diese Weise konnten sie fein vom Tontechniker aufeinander abgestimmt werden. Doch die exzellente Tontechnik war das eine, weswegen es am Ende eine Standing Ovation für die 110 Akteure auf, vor und hinter der Bühne gab.

    Schirmherr Edgar Reitz hatte formuliert, er sei gespannt, ob es den Autoren gelungen ist, den Schauspielklassiker zu einem Musical zu formen, das zum einen die Zuschauer fasziniert, zum anderen aber Zuckmayers Handschrift noch erkennen lässt.

    Der Filmregisseur dürfte mit der Umsetzung zufrieden sein. Festspielleiter Michel Becker, Komponist Carsten Braun und Regisseur Joerg Steve Mohr ist es gelungen, die Schinderhannes-Geschichte bestens in die Musical-Form zu übertragen.

    Und damit dies auch vom Publikum angenommen wird, braucht man neben der professionellen Organisation auch Darsteller, die mit ihrer Persönlichkeit den berühmten Funken überspringen lassen. In den Hauptrollen als Schinderhannes und Julchen sah das Publikum alte Bekannte. Bastian Korff und Sabrina Wolfs haben sich gegenüber der „Julchen“-Aufführung von 2010 noch einmal gesteigert. Routiniert absolvierten sie ihre Gesangsparts und erschienen auch in der Darstellung gereifter. Der verdiente herzliche Schlussapplaus war ihnen sicher.

    In den weiteren Hauptrollen standen Marga Köllner als Julchens Schwester Margarethe und Volker Dörffel als Bauer Raab und Zoppi auf der Bühne. Dörffel ist bereits Profisänger. Seine kraftvolle Stimme setzte mehrere Male Glanzlichter. Und die Keidelheimerin Marga Köllner schoss bei ihrem ersten großen Musical-Einsatz den Vogel ab. Ihr Sopran überstrahlte alles, was an gesanglichen Darbietungen von der Bühne kam.

    Ihr „Räubertraum“ war wirklich traumhaft. Glockenklar, blitzsauber in der Intonation und in hohen Passagen wunderbar rein und strahlend tönte ihre Stimme – besonders beim fulminanten Schlussakkord. Zu Recht bekam die junge Sängerin den stärksten Schlussapplaus. Doch das Publikum würdigte ebenso begeistert die gesamte Inszenierung.

    Manfred Faust, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Simmern, hatte zuvor vollmundig das „größte kulturelle Ereignis im Hunsrück“ angekündigt. Am Ende hatte er nicht zu viel versprochen – auch wenn seine Bemerkung eher auf den hohen finanziellen Aufwand abzielte. Mit mehr als 200.000 Euro ist das Budget der Schinderhannesfestspiele hoch und für Stadt und Verbandsgemeinde nicht allein zu stemmen.

    Leader-Mittel von der EU, Geld vom Kultursommer Rheinland-Pfalz und die heimische Wirtschaft mit größeren Geldbeträgen und Sachleistungen machen es erst möglich, eine solch professionelle Aufführung umzusetzen. Und neben den künstlerischen und finanziellen Leistungen darf man die vielen Helfer, hier sei Bauhofleiter Udo Brähler stellvertretend genannt, nicht vergessen, die es wahrlich verdient hatten, dass der Platzregen nach unendlich vielen Proben nicht den allerersten Auftakt verhagelte.

    Das kann man von der Premiere leider nicht sagen. Dennoch war auch die offizielle Premiere der Schinderhannesfestspiele nach der Vorpremiere ein voller Erfolg. Die Plätze der Tribüne auf dem Schlossplatz waren alle belegt, die Zuschauer gespannt. Die Aufführung war erneut zeitlich verschoben worden, diesmal nicht wegen des Platzregens, sondern um bei einsetzender Dämmerung besser ausleuchten zu können.
    Doch kaum sammelten sich die Darsteller gegen 20.20 Uhr zur ersten Szene auf der Bühne, da begann es zu regnen. Tapfer hielten es selbst die Kleinsten auf der Bühne aus, die Zuschauer waren mit Regencapes versorgt. Zwar sorgten so manche Wasserflecken auf den Kostümen und der Satz des Hannes „Schau, es hat aufgehört zu regnen“ für Belustigung im Publikum, trotzdem wich niemand von seinem Platz, um nichts vom Schinderhannes-Musical nach Carl Zuckmayer zu verpassen.

    Pünktlich zum ersten Liebeslied zwischen Julchen und Hannes gab es auch eine Regenpause – selbst die Sonne ließ sich bei so viel Romantik sehen. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus wurden die Gäste zur Premierenfeier in den Gastronomiebereich gebeten.

    Terminkalender: Die weiteren Termine Aufführungen finden an allen Juni-Wochenenden statt. Freitags und samstags jeweils um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. An den Sonntagen gibt es eine Familienkarte für zwei Personen und bis zu vier eigene Kinder zum Preis von 60 Euro (Sitzplatz-Kategorie II). Tickets gibt es bei der Tourist-Info Simmern im Simmerner Schloss, Tel. 06761/837 296. Eine Reservevorstellung ist für Sonntag, 1. Juli, 18 Uhr, geplant.

    Boppard Simmern
    Meistgelesene Artikel
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Sonntag

    -1°C - 2°C
    Montag

    3°C - 6°C
    Dienstag

    5°C - 6°C
    Mittwoch

    7°C - 10°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Jahresrückblick 2016 der RHZ
    Anzeige