40.000
Aus unserem Archiv
Oberwesel

Rundum außergewöhnlicher Mittelrheinwein: Die "Winterzeit" erfüllt einen guten Zweck

Neue Weine vom Mittelrhein sind immer spannend – dieser hier ist es allemal. Mit „Winterzeit“ wurde im Weingut Goswin Lambrich in Oberwesel-Dellhofen nicht nur erstmals ein außergewöhnlicher Rotwein der Rebsorte Cabernet Dorsa abgefüllt, sondern mit dem Premierenjahrgang 2008 kommt dieser Tage zugleich ein Wein für den guten Zweck in den Verkauf. Jede Flasche, die aus der limitierten Edition „Winterzeit“ verkauft wird, kommt der Aktion Vortour der Hoffnung und damit erkrankten Kindern sowie deren Familien zugute.

Über diese „Winterzeit“ freut sich Hans-Josef Bracht mit seinen Mitstreitern der Vortour der Hoffnung besonders: Christiane Lambrich-Henrich und ihr Bruder Matthias Lambrich haben den Premierenjahrgang ihres limitierten Premiumweins der Sorte Cabernet Dorsa der Vortour gewidmet.  Fotos: Werner Dupuis
Über diese „Winterzeit“ freut sich Hans-Josef Bracht mit seinen Mitstreitern der Vortour der Hoffnung besonders: Christiane Lambrich-Henrich und ihr Bruder Matthias Lambrich haben den Premierenjahrgang ihres limitierten Premiumweins der Sorte Cabernet Dorsa der Vortour gewidmet. Fotos: Werner Dupuis
Foto: Werner Dupuis

Der Abend, an dem Christiane Lambrich-Henrich und ihr Bruder Matthias gemeinsam mit Hans-Josef Bracht von der Vortour der Hoffnung im Keller ihres Dellhofener Betriebs stehen, passt bestens. Die Straßen rund um den Oberweseler Höhen-Stadtteil sind weiß, rutschig und winterlich. Schnee ist gefallen in den Stunden zuvor, es ist ein Abend, an dem das Kaminfeuer brennen sollte, die Kerzen leuchten und der Blick aus dem wohlig gewärmten Wohnzimmer hinausgeht in die weiße Winterlandschaft. Der Wein, den die Geschwister Lambrich an diesem Abend mit Bracht probieren, lädt dazu ein, an genau solchen Abenden getrunken zu werden. Es ist ein voluminöser, aromatischer und farbintensiver Rotwein, der eine satte Frucht, Tiefe und Pracht hat, zugleich aber keinesfalls zu „dick“ oder gar ermüdend wirkt wie so mancher Zeitgenosse aus Übersee, der mit holzfassbetonter Schwere häufig zur Winterzeit im Glas schwappt.

Christiane Lambrich-Henrich und ihr Bruder Matthias haben dem Wein „Winterzeit“ Zeit gegeben.
Christiane Lambrich-Henrich und ihr Bruder Matthias haben dem Wein „Winterzeit“ Zeit gegeben.
Foto: Werner Dupuis

„Ich bin einfach begeistert“, sagt Bracht bei der Kostprobe. Das Kompliment, das der Weinkenner den beiden jungen Winzern aus Dellhofen macht, gilt gleichermaßen für Wein und Projekt. Denn vor einigen Monaten haben die Lambrichs angefragt, ob es nicht sinnvoll wäre, einen Wein auf den Markt zu bringen, der auch zugunsten der Vortour der Hoffnung verkauft wird. „Das ist eine super Idee, die mich unheimlich freut“, sagt Bracht. Für die Lambrichs schloss sich damit ebenfalls ein schöner Kreis. „Wir haben uns im vergangenen Winter überlegt, was wir mit den Weinen anstellen, die wir 2017 in den Verkauf bringen“, erinnern sich die Geschwister, die sich mit dem Gedanken der Vortour lange verbunden fühlen. Und da war eben dieser eine Wein aus dem Jahr 2008, der bis dato nie gefüllte Cabernet Dorsa. Ein Wein, der nach etwas Besonderem verlangte.

Es ist nicht gerade so, dass die Winzer vom Mittelrhein nicht wüssten, was sie mit ihren Weinen tun können. Im Gegenteil, gerade in der jüngeren Vergangenheit war der Ertrag oft so gering, dass jedes Weingut froh für jede einzelne Flasche war, die in den Verkauf gehen konnte. Aber die Geschichte dieses Weines aus dem Oberweseler Martinsberg ist eben etwas anders. Und besonders.

Es fängt damit an, dass die Familie Lambrich im Jahr 2003 auf einer kleinen Fläche von 20 Ar im Martinsberg einen privaten Feldversuch startet. Sie pflanzt den am Mittelrhein überaus ungewöhnlichen Cabernet Dorsa. Diese Rebsorte wurde Anfang der 1970er-Jahre von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg in Baden-Württemberg erstmals vorgestellt. Damals wurde in der Forschung noch davon ausgegangen, dass es sich bei der gezüchteten Sorte um eine Kreuzung von Dornfelder und Cabernet Sauvignon handelt. Erst in jüngerer Vergangenheit wurde wissenschaftlich belegt, dass dies allerdings eine Kreuzung aus den Rebsorten Blaufränkisch und Dornfelder ist.

Der in Deutschland kaum verbreitete Cabernet Dorsa erschien den Lambrichs 2003 einen Versuch wert, da die Sorte als widerstandsfähig gilt und die Weine einerseits Tiefe und gleichzeitige Geschmeidigkeit entwickeln können und andererseits längst nicht die – oft – wuchtige Schwere eines Cabernet Sauvignon haben. Fünf Jahre später wurde der Premierenjahrgang gelesen – und verschwand im Keller. „Wir haben den Wein damals ins Fass gesteckt und gesagt: Mach Du mal!“, sagen die Geschwister lachend. Als ihr Vater Gerhard zur Probenrunde mit Bracht dazustößt, lässt sein zufriedener Blick und die Begeisterung beim Probieren erkennen, dass sich dieses Zuwarten gelohnt hat.

880 Liter Cabernet Dorsa wurden nach der Lese im Herbst 2008 in klassischen, je 225 Liter fassenden Barrique-Fässern ausgebaut. Der Kniff war dabei, die gesamte Menge auf unterschiedliche Fässer zu verteilen – in ganz neue sowie unterschiedlich häufig gebrauchte Barriques. So entfaltete sich eine Balance, die dem Wein heute Rückgrat und eine feine Holznote gibt, aber die mitunter störende Wucht des Holzes vermissen lässt. „Wenn ich einen Rotwein trinke, dann mag ich diese Art am liebsten“, sagt Christiane Lambrich-Henrich, die sich darüber freuen darf, dass der Zeitpunkt der Abfüllung gut gewählt wurde. Jahr für Jahr wurde der Wein probiert und seine Abfüllung vertagt, so lange, bis er auf den Punkt gereift und die Ruppigkeit seiner Jugend verschwunden war. So, wie der im Mai 2017 gefüllte Wein jetzt im Glas steht, sollte er Substanz für viele Jahre haben.

Das edle dunkelblaue Etikett mit goldener Schrift sowie dezenten Eiskristallen, Schneeflocken und Trauben passt zu einem außergewöhnlichen Wein vom Mittelrhein. Dazu soll der mit 1120 Normalflaschen sowie 30 Magnums rare Premierenjahrgang der „Winterzeit“ ab sofort Gutes tun. Vom Preis jeder Flasche gehen 2 Euro an die Vortour der Hoffnung.

Von unserem Chefreporter Volker Boch

Boppard Simmern
Meistgelesene Artikel
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
E-Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Mittwoch

-5°C - 2°C
Donnerstag

-7°C - 0°C
Freitag

-7°C - 0°C
Samstag

-9°C - 0°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Jahresrückblick 2016 der RHZ
Anzeige