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Mörsdorf

Riesenfreude in Mörsdorf: Kampf für Zwerge und ihre Schule gewonnen

Thomas Torkler

Die Grundschule Mörsdorf bleibt erhalten. „Unser Einsatz wurde belohnt“, zeigt sich Daniela Claßen, die stellvertretende Vorsitzende des Elternausschusses, erleichtert. Es waren die Mörsdorfer Eltern, die im Frühjahr eine breit angelegte Rettungsaktion für alle 41 in ihrer Existenz bedrohten Grundschulen im Land in Gang gesetzt hatten.

Unterricht in kleinem Kreis: In Mörsdorf geht dieser Schulalltag in einer Klasse mit 18 Mädchen und Jungen weiter. Schule, Eltern und Ortsgemeinde atmen auf, dass die Grundschule erhalten bleibt.  Foto: Werner Dupuis
Unterricht in kleinem Kreis: In Mörsdorf geht dieser Schulalltag in einer Klasse mit 18 Mädchen und Jungen weiter. Schule, Eltern und Ortsgemeinde atmen auf, dass die Grundschule erhalten bleibt.
Foto: Werner Dupuis

Unter dem Motto „Rettet unsere Zwergenschulen – Kleine Grundschulen müssen bleiben“ starteten die Väter und Mütter aus Mörsdorf am Donnerstag, 9. Februar, eine Online-Petition an den rheinland-pfälzischen Landtag.

Es wurde ein Riesenerfolg: 25.806 Unterschriften, davon 19.094 aus Rheinland-Pfalz, kamen zusammen. Das Quorum von 15.000 Befürwortern wurde deutlich überschritten. Am 31. Mai wurden die Unterschriften in Mainz an Bildungsministerin Stefanie Hubig und Parlamentspräsident Hendrik Hering übergeben.

„Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben, und danken den vielen Unterstützern“, sagt Daniela Claßen im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir sind aber auch traurig, dass neun Schulen geschlossen werden“, fühlt Claßen mit den anderen Schulen. Schließlich haben sich die Mörsdorfer ja für den Erhalt aller 41 bedrohten Zwergschulen im Land eingesetzt. „Vor allem für Lieg tut es mir leid.“ Die Mörsdorfer Schulleiterin Birgit Börsch fühlt ebenfalls mit den Liegern und ist heilfroh, dass es in ihrer Grundschule weitergehen kann. „Das gibt uns Sicherheit für unsere weitere Arbeit“, sagt sie.

Für Börsch ist vor allem das starke Engagement der Elternschaft ausschlaggebend gewesen, dass es für Mörsdorf gereicht hat: „Die Online-Petition der Eltern, die Akzeptanz und der Rückhalt im Dorf waren wohl ausschlaggebend“, sagt sie und ergänzt im gleichen Atemzug, dass man sich gewehrt hätte, wenn auch Mörsdorf von der Schließung betroffen gewesen wäre: „Es war klar, dass wir weitergemacht hätten.“ „Sie haben gekämpft bis zum Geht-nicht-mehr“, ist Mörsdorfs Ortsbürgermeister Marcus Kirchhoff erleichtert, dass ein wichtiges Stück Infrastruktur in seiner Gemeinde erhalten bleibt. „Mir war gar nicht klar, wie schwer der Stein war, der mir nun vom Herzen gefallen ist. Die Aktion hat mich das ganze Jahr über heftig beschäftigt. Ich bin heilfroh, dass dieser Kelch an uns vorübergegangen ist“, sagt er.

Bei aller Freude denkt auch er an Lieg und die Leidensgenossen im Land: „Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass überhaupt eine Schule schließt.“ Die Hoheit über eine solche Entscheidung müsse jeweils bei den Schulen selbst, bei den Eltern und den Gemeinden liegen, ist Kirchhoff überzeugt. Ein ganz gutes Gefühl hatte er vor der Entscheidung aus Mainz nicht: „Ich habe nicht daran geglaubt, dass Mörsdorf nicht geschlossen wird“, räumt Kirchhoff ein. Auch er bekräftigt, man hätte weitere Anstrengungen unternommen, wenn Mörsdorf betroffen gewesen wäre. Seiner Meinung nach müsse das Schulgesetz so geändert werden, dass die Zuständigkeit in der Hoheit der Ortsgemeinden liegt.

Dass Lieg nun dicht gemacht wird, liege aus seiner Sicht vor allem daran, dass im Dorf eine Unsicherheit über die Zukunft der Grundschule vorgeherrscht habe und Eltern demzufolge ihre Kinder in anderen Schulen (Beltheim) angemeldet hätten: „Würden Sie Ihr Kind an einer Schule anmelden, wenn nicht klar ist, ob die Schule die nächsten vier Jahre übersteht?“, fragt er hypothetisch.

Seiner Meinung nach hätte Lieg bessere Chancen gehabt, wenn es seinerzeit mit Mörsdorf, Lahr und Zilshausen in den Rhein-Hunsrück-Kreis gewechselt wäre: „Dann hätten sie die Unterstützung von Lahr und Zilshausen gehabt. Jetzt ist Lieg leider Verlierer auf ganzer Linie. Das tut mir für die Lieger leid“, sagt Kirchhoff und betont noch einmal: „Ich bin sehr froh, dass wir das Glück hatten, durchzukommen.“

Kastellauns Verbandsgemeindebürgermeister Christian Keimer war auch erleichtert: „Es freut mich für die Ortsgemeinde, die Schüler und Eltern, dass sie es geschafft haben, durch ihr Konzept trotz geringer Schülerzahl zu überzeugen und nicht von der Schließung betroffen sind.“

Von Thomas Torkler und Wolfgang Wendling

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