40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Rhein-Hunsrück-Zeitung
  • » Prozess: Geburtstagsparty in Ravengiersburg endet vor dem Strafrichter
  • Aus unserem Archiv
    Ravengiersburg/Bad Kreuznach

    Prozess: Geburtstagsparty in Ravengiersburg endet vor dem Strafrichter

    Was passierte vor einem Jahr an der Grillhütte in Ravengiersburg? Diese Frage gilt es für die Jugendstrafkammer des Bad Kreuznacher Landgerichts aufzuklären.

    Foto: froxx – Fotolia

    Fakt ist: Zwei junge Menschen feierten dort im Oktober 2016 ihren 17. und 18. Geburtstag. Eingeladen zur Party hatten sie rund 100 Gäste, etwa 150 wurden es tatsächlich. Fest steht auch, dass sich eine junge Frau an jenem Abend so heftig betrank, dass sie mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden musste.

    Und es gab mindestens zwei verletzte junge Menschen, einer handelte sich eine blutige Nase ein, das Hauptopfer, ein heute 19-jähriger Schüler aus einem Dorf in der Verbandsgemeinde Simmern, wurde mit einem Knüppel, einem sogenannten Totschläger, an der Schädeldecke schwer verletzt. Zurückgeblieben ist nur eine Narbe.

    Verantwortlich dafür soll ein ebenfalls 19 Jahre alter Hunsrücker sein. Ihm wirft die Bad Kreuznacher Staatsanwaltschaft versuchten Totschlag vor. Zu den Vorgängen hat er sich am Donnerstag noch nicht eingelassen. Allerdings gewährte er Einblicke in sein zwar kurzes, aber durchaus bewegtes Leben. So durchlief er mehrere Kinderheime und Jugendwohngruppen auf dem Hunsrück und am Mittelrhein. Mit 13 oder 14 Jahren machte er seine ersten Erfahrungen mit Drogen. 2016 wurde er wegen Handeltreibens von Marihuana und Amphetaminen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. 5 bis 6 Gramm habe er zu jener Zeit selbst am Tag konsumiert. Dazu kommt eine Strafe wegen Körperverletzung.

    Immerhin scheint der junge Mann noch rechtzeitig die Kurve gekriegt zu haben. Derzeit büffelt er für sein Abitur an einer Hunsrücker Schule. Dazu erhält er von seinem offensichtlich gut betuchtem Vater eine monatliche Unterstützung von 1100 Euro im Monat. Finanziell muss er sich also keine Sorgen machen. Er steht unter der Obhut einer Bewährungshelferin.

    Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-Jährigen vor, uneingeladen auf der Geburtstagsparty erschienen zu sein. Dort habe er ohne Vorwarnung einen von ihm mitgeführten Teleskopschlagstock aus Metall gezückt und ohne Grund auf einen der beiden Gastgeber eingeschlagen. Dieser wurde am Kopf getroffen und erlitt eine Platzwunde. Außerdem habe er einen weiteren Partybesucher mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Versuchter Totschlag lautet deshalb die Anklage. Als um Mitternacht die Gäste den beiden Geburtstagskindern gratulieren wollten und dazu Schlange standen, habe er mit seinem Schlagstock wie mit einem Tennisschläger ausgeholt und dem Opfer mit voller Wucht auf den ungeschützten Kopf geschlagen. Hierbei habe er, so sieht es Staatsanwältin Heike Finke, den Tod des 19-Jährigen in Kauf genommen. Der Gastgeber wurde bewusstlos, brach blutend zusammen und wurde mit einer klaffenden Platzwunde ins Simmerner Krankenhaus eingeliefert, wo die Wunde dann getackert wurde. Als dem Opfer ein Kumpel zu Hilfe kommen wollte, habe der Angeklagte ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der 19-Jährige berichtete am Donnerstag vor Gericht, dass er seit diesem Erlebnis größere Menschenmengen meide.

    Genaue Angaben zu der Tat konnte das Opfer jedoch nicht machen. Der Schlag sei urplötzlich aus dem Getümmel heraus erfolgt. Dann sei ihm schwarz vor Augen geworden.

    Der Hauptbelastungszeuge, ein Cousin des Opfers, dem ins Gesicht geschlagen wurde, bestätigte gestern die Vorwürfe. Der Angeklagte habe direkt zum Totschläger gegriffen und grundlos auf den Gastgeber eingeschlagen „bis das Blut gespritzt ist“. Allerdings verwickelte sich der 27-jährige Zeuge gleich mehrfach in Widersprüche zu seinen Aussagen, die er im vergangenen Jahr vor der Polizei gemacht hat. In mehreren entscheidenden Punkten sagte er vor Gericht anders aus, als bei der Polizei. Dies veranlasste die Verteidigerin des Angeklagten, Kerstin Rueber-Unkelbach, zu einer bissigen Bemerkung. „Ihre widersprüchlichen Aussagen liegen dann wohl an einer Vokabelschwäche des Polizeibeamten.“

    Der Zeuge wurde daraufhin vereidigt. Der Prozess wird mit der Vernehmung von weiteren Zeugen am Mittwoch, 25. Oktober, um 9.30 Uhr am Bad Kreuznacher Landgericht fortgesetzt.

    Von unserem Redakteur Markus Lorenz

    Boppard Simmern
    Meistgelesene Artikel
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Freitag

    -1°C - 2°C
    Samstag

    -1°C - 1°C
    Sonntag

    -1°C - 1°C
    Montag

    1°C - 3°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Jahresrückblick 2016 der RHZ
    Anzeige