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Laubach/Mainz

Positives Signal aus Mainz: Laubach darf auf Umgehung bauen

Volker Boch

Laubach kann auf eine Umgehung bauen. Diese wichtige Botschaft des rheinland-pfälzischen Verkehrsministers Volker Wissing erreichte die Ortsgemeinde am Montag. „Auf diese Nachricht haben wir seit Langem gehofft“, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Bohn in einer ersten Reaktion. Seit Jahren hofft die Gemeinde, die täglich durch Tausende Fahrzeuge belastet ist, auf den Bau einer Umgehungsstraße und hatte dabei stets auf einen sachlichen Dialog mit der Politik gesetzt. Dies scheint sich ausgezahlt zu haben.

Eine viel befahrene Trasse ist die L 218, die insbesondere auch für den Schwerlastverkehr eine attraktive Verbindung zwischen der Hunsrückhöhenstraße, der A 61 und der B 50 darstellt – und die Bürger belastet.
Eine viel befahrene Trasse ist die L 218, die insbesondere auch für den Schwerlastverkehr eine attraktive Verbindung zwischen der Hunsrückhöhenstraße, der A 61 und der B 50 darstellt – und die Bürger belastet.
Foto: Werner Dupuis

„Für unsere Gemeinde ist das ein enorm wichtiges Signal“, sagte Bürgermeister Bohn kurz nach Bekanntwerden der Botschaft aus Mainz. Verkehrsminister Wissing hatte am Montagnachmittag in der entsprechenden Mitteilung erklärt, dass 17 neue Ortsumgehungen in Rheinland-Pfalz gebaut werden sollen. Darunter sind drei Projekte, die den Rhein-Hunsrück-Kreis unmittelbar betreffen: Hierbei handelt es sich um einen Ausbau der L 190 von Krummenau (Kreis Birkenfeld) in Richtung Büchenbeuren, um die Ortsumgehung Bärenbach (L 182) mit einer Alternativplanung im Bereich des ehemaligen Koblenzer Tors am Flughafen Hahn sowie um die Umgehung von Laubach (L 218). „Verkehrsminister Dr. Volker Wissing hat den Landesbetrieb Mobilität beauftragt, neue Ortsumgehungen zur Baureife zu entwickeln“, heißt es in der Mitteilung. „Mit den neuen Landesstraßen werden hoch belastete Kommunen vom Durchgangsverkehr entlastet.“ Es handelt sich demnach um wichtige Projekte, die in das Landesbauprogramm einfließen sollen.

Wissing macht deutlich, wie dringend der Bedarf vor Ort ist. „Die Bevölkerung in diesen Kommunen ist von Abgasen und Straßenlärm hoch belastet“, erklärt der Minister. „Der Durchgangsverkehr quält sich durch teils enge Straßen. Mit den neuen Ortsumgehungen werden die Bewohner entlastet, gleichzeitig verbessert sich das Straßennetz und die Reisezeit verringert sich.“

Bürgermeister Bohn und Rat setzten auf Dialog

Für Laubachs Bürgermeister Bohn und seinen Gemeinderat sind diese Aussagen von großer Bedeutung. Denn die Belastung in ihrer Gemeinde ist im Landesvergleich extrem hoch. Während eine Landesstraße im Durchschnitt pro Tag etwa 2600 Fahrzeuge aufweist, liegt der Wert in Laubach in etwa im dreifachen Bereich. Dazu kommen weitere Erschwernisse wie ein erhöhter Schwerlastanteil, eine enge Einbahnstraßenführung sowie extrem überhöhte Geschwindigkeiten, die von der Gemeinde seit einigen Jahren mit eigenen Messungen belegt werden. „Uns war es in den vergangenen Jahren immer ein Anliegen, auf sachliche Weise auf die Probleme vor Ort aufmerksam zu machen“, sagt Bohn, „wir wollten bewusst keine Traktoren auf die Straße stellen, um zu protestieren, sondern haben immer auf den Dialog mit der Politik gesetzt und darauf, unsere eigenen Hausaufgaben zu machen.“

So hat die Gemeinde bereits vor Jahren eine Lärmkartierung in Auftrag gegeben und durch die Riegenrother Ingenieurgesellschaft Berres eine straßenbauliche Fachplanung für eine Alternativtrasse zur heutigen Verkehrsführung erstellen lassen. „Wir sind bewusst in Vorlage getreten, um für unsere Situation zu sensibilisieren“, sagt Bohn, „aus diesem Grund haben wir unter anderem auch die Landtagsabgeordneten Hans-Josef Bracht, Jutta Blatzheim-Roegler sowie den damaligen Verkehrsminister Roger Lewentz und Staatssekretär Günter Kern nach Laubach eingeladen. Wir wollten auf fachlich-sachlicher Basis zeigen, wie groß die Probleme vor Ort sind.“ Der Bürgermeister betont vor diesem Hintergrund den „positiven Austausch“ auch mit dem Landesbetrieb Mobilität Bad Kreuznach. Bohn freut sich, dass die vor gut zwei Jahren begonnene Wirtschaftlichkeitsprüfung der Ortsumgehung nun ein positives Signal durch Minister Wissing erhalten hat. „Jetzt können die Planungen endlich losgehen“, sagt Bohn, „darauf haben wir lange gewartet.“

Dicht an dicht rollen zu den Hauptverkehrszeiten und gerade auch dann, wenn in den noch dunklen Winterstunden morgens Kinder und Jugendliche auf ihrem Schulweg sind, Tausende Fahrzeuge durch Laubach.
Dicht an dicht rollen zu den Hauptverkehrszeiten und gerade auch dann, wenn in den noch dunklen Winterstunden morgens Kinder und Jugendliche auf ihrem Schulweg sind, Tausende Fahrzeuge durch Laubach.
Foto: Volker Boch

Noch am vergangenen Samstag hatte Bohn im Rahmen des Laubacher Gemeindetags in seiner Ansprache an die Bürger deutlich gemacht, dass der Gemeinderat auf die Umgehung setzt. Wie dringend der Bedarf ist, macht der Bürgermeister auch am aktuellen Zustand der L 218 fest. Obwohl die Straße erst vor wenigen Jahren saniert worden ist, gibt es regelmäßige Reparaturen. „Insbesondere die hohe Druckbelastung durch Lastwagen sorgt immer wieder für massive Probleme“, sagt Bohn. „Deshalb hoffen wir, dass die Umgehung schnell geplant und dann auch gebaut werden kann.“

Von unserem Chefreporter Volker Boch

Verhältnis von Kosten und Nutzen ist beim Laubacher Projekt positiv

17 Ortsumgehungen will Verkehrsminister Volker Wissing im Land auf den Weg bringen. Die geplante Umgehung von Laubach dürfte unter den am Montag bekannt gegebenen Neubauprojekten dabei das „günstigste“ Projekt sein. Im Rahmen einer für die Ortsgemeinde erstellten ersten Fachplanung hatte der erfahrene Straßenplaner und Ingenieur Heinz Berres Kosten von gut 2,5 Millionen Euro für den Bau der neuen Trasse errechnet. Das Projekt hat aus Sicht der Experten ein besonders positives Kosten/Nutzen-Verhältnis, weil die Baukosten im Vergleich zu dem Gewinn für die Bürger vor Ort, aber auch für die Verkehrsteilnehmer insgesamt sehr niedrig sind und keine umfangreicheren Maßnahmen wie beispielsweise Brückenbauwerke notwendig sind.

In der Regel wird für eine neue Umgehung, wie das Ministerium in der Mitteilung erklärte, „von einem Planungszeitraum von rund zehn bis 15 Jahren von dem Planungsbeginn bis zur Erlangung des Baurechtes ausgegangen“. Auch dieser Zeitraum könnte in Laubach aus fachlicher Sicht deutlich kürzer ausfallen, da hier keine Gewässer oder Naturschutzflächen von dem Bauvorhaben berührt sind. Grundsätzlich stehen derzeit im Haushalt des Landes für die Jahre 2017/2018 rund 120 Millionen Euro für den Landesstraßenbau zur Verfügung, davon sind 95 Millionen Euro reine Baumittel.

Im Landesstraßenbauprogramm dieses Doppelhaushaltsjahres sind 400 Vorhaben aufgeführt, darunter sieben Neubauprojekte. Beim Landesbetrieb Mobilität wurden laut Wissing unterdessen 76 neue Ingenieursstellen geschaffen, um eine höhere Zahl von Bauvorhaben planen zu können. Auf dieser Basis soll die Planung der jetzt vorgestellten Projekte zügig begonnen werden. vb

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