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    SimmernMutter mit behindertem Kind in Simmern auf der Suche: Ebenerdige Wohnung ist ihr größter Wunsch

    Wenn Nina aus dem Gödenrother Kindergarten kommt, strahlt sie ihre Mutter Gabi Veldi schon von weitem an. Vor Freude wirft sich die Vierjährige auf der Rückbank des Busses vor und zurück und reckt ihrer Mutter ihre Ärmchen entgegen. Veldi nimmt sie fest in ihre Arme, die beiden kuscheln sich aneinander. Dann schleppt die Mutter ihre Tochter die drei Stockwerke hoch bis zu ihrer Wohnung.

    Kuscheln, das macht die vierjährige Nina am liebsten mit ihrer Mutter, wenn sie am Nachmittag aus dem Kindergarten kommt. Die Kleine leidet an einer sehr seltenen Erkrankung, dem Angelman-Syndrom. Der größte Wunsch der beiden im Moment ist eine behindertengerechte Wohnung.
    Kuscheln, das macht die vierjährige Nina am liebsten mit ihrer Mutter, wenn sie am Nachmittag aus dem Kindergarten kommt. Die Kleine leidet an einer sehr seltenen Erkrankung, dem Angelman-Syndrom. Der größte Wunsch der beiden im Moment ist eine behindertengerechte Wohnung.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserer Reporterin Charlotte Schick

    Ein Kraftakt, den die 30-Jährige nicht mehr lange schafft. Nina wiegt schon jetzt 21 Kilogramm, selbstständig gehen kann die Kleine nicht. Denn Nina hat das sehr selten vorkommende Angelman-Syndrom.

    Das Syndrom ist die Folge einer genetischen Veränderung und tritt nur bei einem von 30.000 Neugeborenen auf. Erstmalig auffällig wurde Ninas Entwicklung bei der U4, etwa im vierten Lebensmonat also. "Dem Kinderarzt fiel auf, dass sie sich nicht richtig entwickelt", erinnert sich Veldi. Er überwies die Familie in ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ).

    Seltenes Angelman-Syndrom diagnostiziert

    "Der Arzt dort bemerkte, dass Nina sehr viel lacht", erzählt die Mutter weiter. Für den Mediziner ein klares Zeichen für ein Angelman-Syndrom, denn Betroffene lachen überdurchschnittlich viel. Sie gelten daher als besonders fröhliche Menschen. Zahlreiche Untersuchungen schlossen sich an, und die Diagnose bestätigte sich. Typische Symptome der Krankheit sind häufig auftretende Krampfanfälle, an denen Nina seit einiger Zeit ebenfalls leidet.

    "Sie bekommt Medikamente gegen Epilepsie", erzählt Veldi, "damit haben wir die Krampfanfälle weitestgehend im Griff. Neuerdings hat sie aber immer wieder Absencen." Das Kind ist dann völlig ohne Bewusstsein, "Nina schläft einfach plötzlich ein", schildert die Mutter. 10 bis 15 Sekunden kann dieser Zustand andauern, danach widmet sich die Kleine wieder ihren Spielsachen.

    Mutter kann erlernten Beruf nicht mehr ausüben

    Beim Spielen fällt auf, dass sie sich nur kurz mit einer Sache beschäftigt. Schnell wechselt Nina von der Rassel zum Stofftier, vom Ball zum Greifring. Es ist schwer, ein Kind mit Angelman-Syndrom auch nur wenige Minuten an einer Sache zu interessieren und doch will es beschäftigt sein - eine Tag füllende Aufgabe also für die alleinerziehende Mutter. Hinzu kommen Fahrten ins SPZ, zur Physio- und zur Ergotherapie. Ihren gelernten Beruf, Veldi ist Bäckerin, kann die Mutter unter diesen Umständen nicht mehr ausüben.

    Regelmäßiges Turnen und Logopädie finden während des Kindergartens statt, doch "Sprechen lernen wird meine Tochter leider nie", erzählt die junge Frau. Dass Nina jedoch irgendwann Laufen kann, ist nicht so unwahrscheinlich. Doch bis dahin können noch einige Jahre vergehen und ganz ohne Hilfe wird sie wahrscheinlich nie gehen können. Auf einen Rollstuhl wird die Familie nicht verzichten können.

    Viele Absagen bei der Wohnungssuche

    Zudem sind weitere Hilfsmittel nötig, um den Alltag zu bewältigen. "Stehständer und Rollstuhl haben allerdings erst einen Sinn, wenn ich in der Wohnung auch Platz dafür habe", sagt Veldi. Und der ist im Moment Mangelware. "So lange ich keine ebenerdige Wohnung gefunden habe, muss ich auf solche Hilfen im Alltag verzichten", erzählt Veldi. Unentwegt durchforstet sie Wohnungsanzeigen, es folgen jedoch nur Absagen. "Die meisten Vermieter wollen niemanden, bei dem das Arbeitsamt die Kosten übernimmt", erzählt Veldi enttäuscht.

    Und noch einen Traum hat die 30-Jährige: Eines Tages will sie ihrer Tochter eine Delfintherapie ermöglichen. Doch dieser Wunsch steht erst einmal hintenan, denn derzeit heißt es: Anzeigen durchblättern und eine geeignete Bleibe finden.

    Wohnungsbesitzer, die sich vorstellen können, an Gabi Veldi zu vermieten, können sich per E-Mail an unsere Redaktion wenden (simmern@rhein-zeitung.net). Wir leiten die Kontaktdaten weiter. Folgende Voraussetzungen muss die Wohnung erfüllen: Sie sollte ebenerdig liegen und mit einem Rollstuhl befahrbar sein. Zudem wäre ein Badezimmer mit Wanne von Vorteil. Toll wäre es außerdem, wenn die Wohnung in einem Ort liegt, in dem Geschäfte fußläufig erreichbar sind.

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