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Keidelheim

Musikalisches Projekt: Hunsrücker Band stellt jeden Tag einen neuen Song ins Internet

"Wir sind im Endspurt und müssen ,nur' noch 30 Tracks einspielen, so langsam kann man an Projekte danach denken", sagt Klaus Michel, Kopf der Hunsrück Band Red Hill, die in diesem Jahr das Internet mit ihrem eigenwilligen Projekt "365songs" aufmischt. Die Idee: Im laufenden Jahr stellt die Band täglich einen neuen Songs ins Netz, selbst komponiert, produziert und im Studio aufgenommen.

Das Foto von Klaus Michel zu Song Nummer 245, veröffentlicht im Internet am 25. September unter www365songs.de
Das Foto von Klaus Michel zu Song Nummer 245, veröffentlicht im Internet am 25. September unter www365songs.de

Das klingt verrückt. Ist es auch, denn wer sich ein wenig mit Musikproduktion auskennt, kann den immensen Aufwand an Kreativität und vor allem Zeit annähernd nachvollziehen, der hinter der Umsetzung einer solchen Schnapsidee steckt.

Red Hill sind laut, bunt, schrill – aber bestimmt nie langweilig.
Red Hill sind laut, bunt, schrill – aber bestimmt nie langweilig.

In Wirklichkeit kam die Idee beim Wein, denn 2013 hat Gitarrist und Sänger Klaus Michel eine Solo-CD unter dem Titel "One Year" veröffentlicht. Mit mehr als 40 befreundeten Gastmusikern realisierte er seinerzeit ein Album, das für jeden Monat des Jahres ein Lied aufwies. Schon das war damals eine logistische Herausforderung. Das Ergebnis konnte sich aber hören lassen. Und so war es eine logische Konsequenz, vom Lied pro Monat auf Lied pro Tag zu kommen.

Ventil für unbändige Kreativität

Dass es bei der Umsetzung aber ausschied, am Ende des Jahres 2015 eine CD mit 365 Liedern zu veröffentlichen, war sofort klar. Bei aller Verrücktheit wäre da wohl die beste Logistik gescheitert. Doch Red Hill brauchten ein Ventil für ihre unbändige Kreativität, und so entschied man sich, jeden Tag ein neues Lied ins Netz zu stellen.

Auf der eigens für das Projekt angelegten Seite www.365songs.de erkennt man nicht unbedingt auf den ersten Blick, das Klaus Michel (Gitarre, Gesang, Lap-Steel und Keyboards), Tim Greiner (Schlagzeug, Keyboards, Saxofon, Programmierung) und Kay Zingler (Bass, Gesang) dahinter stecken – aber auf jeden Fall beim ersten Hören.

"Wir wollten mal sehen, wie weit wir gehen können, was spontan passiert", sagt Klaus Michel. Unter den bisher im Internet veröffentlichten Liedern sind ja ganz viele sogenannte Firsttakes dabei. Also drauflosspielen, Aufnahmegerät eingeschaltet. "Dabei sind Songs entstanden, die ich beim zweiten Spielen quasi wieder raushören, beziehungsweise erstmal die Texte lernen müsste. Wir haben die instrumentalen Jamsessions im Proberaum, im Studio oder an anderen Orten mitgeschnitten und spontan abgemischt", erklärt Michel die Vorgehensweise.

Songs tragen die Handschrift des Trios

Die einzige Vorgabe, die sich Red Hell dabei setzten war, dass nur Material verwendet wurde, was originär für www.365songs.de aufgenommen und abgemischt wurde. "Wir arbeiten nahezu täglich an den Aufnahmen: Musikalische Ideen sammeln, aufnehmen, abmischen, Fotos auswählen. Ich nehme auch solo auf, alles was spontan passiert, wird festgehalten und anschließend auf Tauglichkeit überprüft. Und: Zeitmanagement ist ganz wichtig", sagt Michel. Unverkennbar tragen die Songs die Handschrift des Trios. Ein Kraftakt, der von Red Hill als Herausforderung gerne angenommen wurde, um die eigenen Grenzen auszuloten und zu erweitern. Und um ihren unverwechselbaren Stil zu verfeinern

Das Projekt endet am 31. Dezember 2015. Die Internetseite bleibt anschließend so bestehen, wie sie ist. Es wird nichts zugefügt oder weggenommen, es bleibt ein Dokument. Und wie eingangs erwähnt: "Es wird keine 25-CD-Edition geben", sagt Michel augenzwinkernd.

Im Verlauf des Jahres ist die Gästeliste mit tollen Musikern stark angewachsen. "Es wurde nach und nach ein immer spannenderes Ding, inklusive der vielen Fotografen, die mittlerweile mitmachen." Zu jedem Song, der im Internet steht gibt es ein Foto. Unser Bild auf dieser Seite zeigt Klaus Michel mit seinem Instrumentarium. Es gehört zu Song Nummer 245, der am 25. September ins Netz gestellt wurde. "Die Bedeutung der Fotos wächst irgendwie mit jedem Monat, das hätten wir vorher nicht gedacht", berichtet Michel.

Eigenwilliges Projekt prägte die Musiker

Und was kommt ab 1. Januar 2016? Die Frage haben sich Red Hill auch schon gestellt. Zwischen all den Aufnahmesitzungen hat die Band – damit sie auch mal rauskommt – immer mal wieder Konzerte gegeben. Das wird das Trio sicher auch weiterhin tun.

"Allerdings werden wir wahrscheinlich total was anderes machen und die Musik, die wir vorher gemacht haben, nicht mehr live spielen. Normal kann es jedenfalls nicht mehr weitergehen", lässt Klaus Michel durchblicken, wie stark das eigenwillige Projekt die drei Musiker geprägt hat. Auf jeden Fall soll es von den Fotos, die zu den Songs im Internet gestellt wurden eine eigene Ausstellung auf Leinwand geben, "zu der wir dann live spielen". Thomas Torkler

Hier kann man die Musik hören: www.365songs.de

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