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Kirchberg

Liberale begrüßen in Kirchberg das neue Jahr

Auch wenn das Blechbläserquintett „Ausonius Brass“ mit Frank Sinatras Welthit „New York, New York“ die Veranstaltung einleitete – es war „nur“ das vergleichsweise beschauliche Kirchberg, in dem der FDP-Kreisverband Rhein-Hunsrück traditionell mit Parteimitgliedern, Freunden aus Wirtschaft, Kommunalpolitik und Verbänden das neue Jahr begrüßte.

Und es zeigte sich: Kaum sind die Liberalen wieder im Bundestag vertreten, ist das Interesse am Empfang der FDP in der Stadthalle umso größer. Fand sich in der jüngeren Vergangenheit zu diesem Anlass meist eine überschaubare Zahl an liberalen Freunden in der „Stadt auf dem Berge“ ein, so strömten am Donnerstagabend gut und gerne 300 Interessierte in Kirchbergs gute Stube.

Die Liberalen reden nicht nur wieder ein Wörtchen in Berlin mit, sie haben auch wieder eine Bundestagsabgeordnete aus heimischen Gefilden. Carina Conrad empfing jeden Besucher per Handschlag und übermittelte ihre persönlichen Grüße fürs neue Jahr.

„Wir sind wieder da“, begrüßte die frischgebackene Abgeordnete und FDP-Kreisvorsitzende aus Bickenbach die Gäste in der Stadthalle, darunter die Verbandsgemeindebürgermeister Christian Keimer (Kastellaun) und Michael Boos (Simmern). Sie alle hätten die „Mutprobe“ – so Konrad wörtlich – bestanden und zu den Liberalen gefunden. Auf ein „verrücktes, turbulentes und persönlich sehr aufregendes Jahr“ blickte Konrad zurück. „2017 hat mein Leben ganz schön verändert“, bekannte die Landwirtin vom Hunsrück, die nun in der Bundeshauptstadt in der großen Politik mitmischt. „Am Wahlabend war ich noch fest davon überzeugt: Wir als FDP haben einen guten, erfolgreichen Wahlkampf hingelegt – und ab morgen bin ich wieder Bäuerin.“

Es kam bekanntlich anders: Als Vierte auf der Landesliste schaffte die Hunsrückerin den Sprung nach Berlin. Dort habe sich eine junge Fraktion mit vielen neuen Gesichtern zusammengefunden. „Das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, dort dabei zu sein.“

Erfolgreich sei der Wahlkampf der Liberalen vor allem deshalb gewesen, weil es die Partei verstanden haben, enger zusammen zu rücken. Bei ihrem Einstieg in die Politik seien Mutlosigkeit und Resignation in den Reihen der FDP geradezu greifbar gewesen. „Doch wir haben zusammengefunden, an einem Strang gezogen und jeder hat sich eingebracht – es hat sich gelohnt, wir haben bei den Landtags- und Bundestagswahlen irre Ergebnisse eingefahren.“ Für sie sei wichtig, dass die Politik nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen unterscheidbar bleibe. „Die Leute sollen spüren, dass es neben dem ganzen Einerlei auch noch etwas anderes gibt: nämlich uns, die FDP.“

Konrad warb um mehr Verständnis für die Probleme der Landwirtschaft. „Gerade im Zuge der Glyphosat-Diskussionen ist ein völlig falscher Eindruck in der Öffentlichkeit entstanden – wir Landwirte sind keine Umweltsünder, sondern wir wollen unsere Betriebe gesund der nächsten Generation zuführen. Wir dürfen aber keine Wettbewerbsnachteile auf internationaler Ebene zulassen.“

Deshalb setze sie sich in Berlin besonders für die Belange der Bauern ein. Auch für die Mittelrheinbrücke, die Digitalisierung des ländlichen Raums und eine bessere Infrastruktur möchte sich die Abgeordnete in der Hauptstadt stark machen.

Verbandsgemeindebürgermeister Harald Rosenbaum hieß die Liberalen in Kirchberg willkommen. „Dazu braucht es keinen Mut, sondern es ist uns eine besondere Freude, sie hier zu begrüßen.“ Er erinnerte an die lange Tradition bis hin zur viel zu früh verstorbenen Bundestagsabgeordneten Marita Sehn. „Deshalb ist dieser Neujahrsempfang auch der Empfang der ganzen Verbandsgemeinde.“

Grüße aus Mainz überbrachte Staatssekretärin Daniela Schmitt. Sie freute sich vor allem darüber, dass die FDP Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr 400 neue Mitglieder geworben hat.

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer berichtete von den gescheiterten Sondierungsgesprächen zur Jamaika-Koalition in Berlin. „Natürlich wäre es für uns in der Regierung einfacher gewesen, Dinge umzusetzen und mit zu gestalten. Aber wir hatten einfach keine gemeinsame Sicht auf das Erneuerungsprojekt Deutschland.“ Den anderen Parteien habe vor allem der Mut gefehlt, das Land erneuern zu wollen. Als Beispiele nannte Beer die Europapolitik, die eine Neujustierung brauche, aber auch die Bildungspolitik und die schleppende Digitalisierung der Bundesrepublik. „Wir Liberalen haben schon sehr früh erkannt, welche Aufgaben dort auf uns zukommen werden und dass wir wesentlich mehr als zurzeit tun müssen, um nicht abgehängt zu werden“, so die Generalsekretärin. Die FDP habe 20 Milliarden Euro in neue Glasfasernetze investieren wollen, die anderen Parteien maximal 10 Milliarden. „Sie waren einfach nicht dazu bereit, sich mit uns auf einen gemeinsamen Weg zu machen.“

Insgesamt fehle es der deutschen Politik an Innovationsfähigkeit, man bewahre lieber den Status quo. „Wir haben gemerkt, dass in Jamaika unsere Vorstellungen nicht umsetzbar sind. Jetzt machen wir eben Politik aus der Opposition heraus – und das ist auch möglich.“

Von unserem Mitarbeiter Markus Lorenz

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