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Laufersweiler

Laufersweiler hat ein Zentrum des Gedenkens

Mit einem umfangreichen Programm ist am Sonntag das Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrum für das Landjudentum in Laufersweiler eröffnet worden. In die ehemalige Synagoge waren neben den Vertretern des öffentlichen Lebens auch 32 Nachfahren von in Laufersweiler und Kastellaun lebenden jüdischen Familien eigens zur Eröffnung aus den USA, England, Holland und Israel angereist.

Ein Besuch dient der Erinnerung: 32 Nachfahren von in Laufersweiler und Kastellaun lebenden jüdischen Familien kamen zur Eröffnungsfeier in den Hunsrück.
Ein Besuch dient der Erinnerung: 32 Nachfahren von in Laufersweiler und Kastellaun lebenden jüdischen Familien kamen zur Eröffnungsfeier in den Hunsrück.
Foto: Werner Dupuis

Von unserem Reporter Werner Dupuis

"Sie wohnen nicht mehr hier, aber sie fühlen, dass sie vieles mit dieser Synagoge, mit diesen beiden Orten und mit der Region verbindet", unterstrich Christof Pies, der Initiator und Motor des Dokumentationszentrums.

Das Forst-Mayer Zentrum ist nach den zwei jüdischen Familien Forst und Mayer benannt, die überwiegend in Kastellaun und Laufersweiler beheimatet waren, aber auch seit vielen Generationen im Hunsrück und an der Mosel lebten. Mit der Flucht in alle Welt konnten sich viele von ihnen rechtzeitig vor der Gewaltherrschaft der Nazis retten. Viele wurden aber auch während des Holocausts bestialisch ermordet. Trotz unermesslichen Leids haben Überlebende und ihre Nachkommen seit mehr als drei Jahrzehnten ihrer alten Heimat die Hand zur Versöhnung gereicht und tragen gemeinsam mit dem Förderkreis Synagoge Laufersweiler, mit Schulen, Initiativen und privaten Unterstützern zur Erinnerungsarbeit bei.

Ein jüdisch-deutsches Gedächtnis

Das Zentrum versteht sich als jüdisch-deutsches Gedächtnis der Region zwischen Rhein, Mosel und Nahe, als Anlaufstelle für Recherchen, aber auch als Stätte der Mahnung gegen Rassismus, Antisemitismus, Rechtsradikalität und Fremdenhass. Dafür ist es ausgestattet mit modernsten technischen Möglichkeiten, die von den Besuchern genutzt werden können.

Weil sie mitten im Ort lag und deshalb nicht angezündet werden konnte, überstand das jüdische Gotteshaus die Reichspogromnacht. Das denkmalgeschützte Gebäude gehört der Gemeinde Laufersweiler, die seit Jahrzehnten maßgeblich zur Erhaltung beiträgt. "Erinnerungsarbeit darf an Geld nicht scheitern", mahnte Pies und bat die anwesenden Politiker um ihre breite Unterstützung.

Als Schirmherr bedankte sich Landtagspräsident Joachim Mertes – der sich bereits als junger Abgeordneter für die Laufersweiler Synagoge engagierte – bei allen, "die nicht zugelassen haben, dass hier etwas in Vergessenheit gerät, was nicht vergessen werden darf". Er beschrieb das christlich-jüdische Miteinander im täglichen Leben, bei den Geschäftsleuten und in den Vereinen. Als Ratsmitglieder hätten Juden kommunalpolitisch eine bedeutende Rolle gespielt, sie seien patriotischer und deutscher als viele ihrer Landsleute gewesen.

Diese intakte Gesellschaft habe der nationalsozialistische Rassenwahn ausradiert, ihre Glaubensbrüder verfolgt, vertrieben und ermordet. Selbst die Erinnerung an ihre Synagogen, Mikwen, Schulen und Friedhöfe sei nach 1945, in einem Zeitalter des kollektiven Vergessens, in vielen Orten vollständig erloschen.

Ein Moment großer Freude

Für Mertes ist die Einweihung des Dokumentationszentrums ein Anlass zu großer Freude. Dank ehrenamtlichen Engagements und gegen einige Widerstände sei hier in jahrzehntelanger Arbeit im Hunsrück ein Anlauf- und Kommunikationspunkt geschaffen worden. Alle, die sich auf die Spuren jüdischer Kultur begeben wollen, fänden hier weitaus mehr als "nur" einen Ort der Erinnerung. Dafür sei Christof Pies und dem Förderkreis großer Dank zu sagen. Damit sei es gelungen, die Erinnerung an das Landjudentum dem Vergessen zu entreißen.

Gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Bürgerbeauftragten Dieter Burgard will Mertes erörtern, ob und wie die ehrenamtliche Gedenkarbeit, die in Dutzenden Gemeinden zwischen Westerwald und Südpfalz geleistet wird, von hauptamtlicher Seite zukünftig unterstützt werden kann. Burgard war als Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur Einweihung gekommen.

Grußworte richteten auch Ortsbürgermeister Günter Heck und der Präsident der Struktur- und Genehmigungsbehörde Nord, Ulrich Kleemann, an die Gäste. Für den Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach, Horst Hörpel, ist es unerklärlich, wie christliche Nachbarn im dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte ihre jüdischen Mitbürger allein lassen konnten. "Wer die Zukunft gestaltet, muss die Vergangenheit kennen", erklärte Verbandsgemeindebürgermeister Harald Rosenbaum. Diesem Satz hatten die Besucher die Eröffnungstages des Forst-Mayer-Zentrums nichts hinzuzufügen.

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