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    Interview mit dem Geschäftsführer von Hahn Kunststoffe: Flüchtlinge haben Potenzial für Unternehmen

    Die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft hängt stark auch davon ab, wie gut sich die Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt einfügen lassen. Pilotprojekte aus der Region zeigen, wie positiv sich dies für beide Seiten entwickeln kann.

    Stephan Seibel, Geschäftsführer bei Hahn Kunststoffe
    Stephan Seibel, Geschäftsführer bei Hahn Kunststoffe
    Foto: Werner Dupuis

    Im Gespräch mit unserer Zeitung verdeutlicht Stephan Seibel, Geschäftsführer des expandierenden Unternehmens Hahn Kunststoffe, welche Erfahrungen er mit Flüchtlingen in dem inzwischen 260 Mitarbeiter beschäftigenden Betrieb gemacht hat und welche Chancen er sieht.

    Herr Seibel, wie kam es dazu, dass Flüchtlinge in Ihren Betrieb kamen?

    Grundsätzlich hatten wir natürlich Personalbedarf. Wir hatten auch vorher schon einen hohen Prozentsatz fremdsprachiger Mitarbeiter in unserem Unternehmen. Es ist für uns nicht entscheidend, ob ein neuer Mitarbeiter ein Flüchtling, Asylant oder ein Gastarbeiter ist. Der Mensch ist für uns letztlich entscheidend..

    Woher kam der Impuls, dieses Beschäftigungsprojekt zu beginnen?

    Als das Flüchtlingslager auf dem Hahn aufgebaut wurde, haben wir die Initiativen finanziell unterstützt. Wir waren aber auch der Meinung, dass dies nicht genug ist und wir uns noch intensiver einbringen sollten. Wir haben dann versucht, Flüchtlinge aus dem Lager bei uns in der Firma aufzunehmen und ein Praktikum zu vermitteln. Leider waren die gesetzlichen Hürden in dieser Zeit zu hoch, um hier weiterzukommen. Später haben wir dann mit der Ausländerbehörde der Kreisverwaltung sowie mit dem Café International in Büchenbeuren Kontakt aufgenommen. Das hat uns geholfen, Kontakte mit Flüchtlingen mit Arbeitserlaubnis aufzunehmen. Und dann haben wir es einfach ausprobiert.

    Sie wussten nicht, was auf Sie zukommt, trotzdem haben Sie als Unternehmer Flüchtlinge eingestellt?

    Wo ist das Risiko dabei? Wir haben jetzt zwei Leute aus Eritrea und aus Somalia, aber genauso haben wir Spanier, Rumänen und Russen im Betrieb. Sie können alle miteinander arbeiten, auch wenn es Sprachbarrieren gibt. Aber diese Hürden werden natürlich kleiner, wenn es entsprechende Sprachkurse gibt.

    Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Behörden erlebt?

    Die Unternehmer waren am Anfang etwas falsch informiert. Wir haben alle gedacht, im Flüchtlingslager am Hahn wären Menschen, die wir direkt beschäftigen könnten. Daher sind wir erst einmal von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Ich glaube, das lag auch daran, dass im letzten Jahr alle Behörden überfordert waren mit der Situation. Diese Situation ist jetzt deutlich besser, und da ist es für Unternehmen wichtig zu wissen, welche Asylbewerber auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind. Eine Datenbank wäre sinnvoll, die zeigt, welcher Arbeitssuchende verfügbar ist und passen könnte. Man kann als Unternehmen nicht zu einer Behörde gehen und sich einen passenden Mitarbeiter aussuchen, das ist in der Praxis einfach schwierig. Wenn man eine Datenbank hätte, wie es beim Arbeitsamt teilweise möglich ist, wäre das eine große Hilfe.

    Oft helfen die einfachen Lösungen. So hat doch auch das System mit den Sprachkursen des Kreises und die Integration erster Flüchtlinge in Ihr Unternehmen funktioniert?

    Ich fand es super, dass die ehrenamtlichen Helfer, die einzelne Asylbewerber betreuen, Kontakt mit uns aufgenommen haben. Es war toll, wie sie sich gekümmert haben. Die Leute sind zum Vorstellungsgespräch gebracht und unterstützt worden, was durch eine Behörde so gar nicht funktionieren würde. Dadurch hatten wir schnell erste Erfolge. Die Sprachkurse haben einen großen Anteil am Erfolg der Integration.

    Kommen inzwischen andere Firmen auf Sie zu, die vielleicht ebenfalls Asylsuchende anstellen wollen?

    Es haben ja auch schon andere Unternehmen versucht, Asylbewerber in ihrer Firma einzustellen, und manches Mal hat es dabei vielleicht auch nicht so gut geklappt. Aber sofort aufzugeben, wäre doch falsch. Wir haben auch schon Deutsche eingestellt und nach 14 Tagen gesagt, dass es nicht funktioniert. Das muss sich insgesamt weiter entwickeln, aber die Situation ist für die Unternehmen auch eine große Chance. Die Angst vor den vielen Flüchtlingen, die letztes Jahr nach Deutschland gekommen sind, hat viele Unternehmer auch verunsichert. Aber noch kurz bevor die Flüchtlingswelle auf uns zukam, hat man sich monatelang in allen Zeitungen darüber ausgelassen, dass wir nicht ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung haben. Vor dem demografischen Wandel haben sich alle gefürchtet. Das sollte man heute nicht vergessen. Gerade hier auf dem Hunsrück brauchen wir in den Unternehmen zusätzliche arbeitsfähige Mitarbeiter.

    Wie haben sich die Asylsuchenden, die als Arbeitskräfte in Ihren Betrieb kamen, entwickelt?

    Die beiden Mitarbeiter, die wir aus dem Sprachkurs übernommen haben, sind so gut, dass wir sie nicht mehr hergeben wollen. Unsere Teamleiter haben klar bestätigt, dass beide sehr fleißig und zuverlässig sind. Sie sind auf einem guten Weg, sich bei uns im Unternehmen langfristig zu entwickeln.

    Das Gespräch führte Volker Boch

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