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Lahr

In Lahr kostet Surfen keinen Cent

Ortsbürgermeister Hans-Peter Färber erinnert sich noch gut an diesem Moment: Vor einem Jahr nahm er mit Unterstützung von Thomas Eckstein und den Freifunkern Mayen-Koblenz den ersten Freifunkrouter in Lahr in Betrieb und bat die Bevölkerung, bei dem Projekt mitzumachen. Die Gemeinde unterstützte das Projekt mit bis zu 20 Euro pro Router und mehr als 20 Haushalte signalisierten, sich beteiligen zu wollen.

Auch die Bushaltestelle in Lahr ist heute mit kostenlosem Internet versorgt: Thomas Eckstein (links) und Ortsbürgermeister Hans-Peter Färber zeigen die Freifunk-Router. Im Hintergrund hinter der Kapelle sind das Gemeindehaus und der Jugendraum zu sehen. Foto: Ortsgemeinde Lahr
Auch die Bushaltestelle in Lahr ist heute mit kostenlosem Internet versorgt: Thomas Eckstein (links) und Ortsbürgermeister Hans-Peter Färber zeigen die Freifunk-Router. Im Hintergrund hinter der Kapelle sind das Gemeindehaus und der Jugendraum zu sehen.
Foto: Ortsgemeinde Lahr

„Mit einem solchen Erfolg haben wir nicht gerechnet“, resümiert der Ortsbürgermeister. Für die Unterstützung sei die Gemeinde sehr dankbar. „Damit haben wir die viel beschworene notwendige Digitalisierung selbst in die Hand genommen.“ So wurde ein ambitioniertes Projekt umgesetzt und Lahr ist heute fast flächendeckend mit freiem Internet versorgt.

Nutzer müssen sich nicht anmelden oder registrieren

Um in Lahr über das Freifunk-Netzwerk online zu gehen, sind keine Registrierung, keine Anmeldung und auch keine Zugangsdaten nötig. Mit geringem finanziellen Aufwand konnte die Gemeinde einen großen Nutzen erzielen.

Doch was war der Grund, dass die Gemeinde mit Freifunk ausgestattet wurde? Mit schnellem Internet war Lahr bereits vorher bestens versorgt mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde je nach Standort. Aber der Mobilfunkempfang von zwei Anbietern war sehr schlecht. Es gab zwar schon Gespräche mit diesen Anbietern seitens der Kreisverwaltung, da der Empfang im gesamten Vorderhunsrück nicht optimal ist. Doch von den Mobilfunkanbietern wurde in der kommenden Zeit keine Verbesserung in Aussicht gestellt. Freifunk soll da Abhilfe schaffen: „Alle Handys der neuen Generation bieten die Möglichkeit, per WLAN zu telefonieren. Entsprechende Verträge können bei den Anbietern hinzugebucht werden oder sind bereits enthalten. Somit ist es möglich, fast überall in der Gemeinde mit entsprechenden Handys zu telefonieren, auch ohne Mobilfunkempfang“, erklärt Thomas Eckstein, der den Freifunk in Lahr betreut.

Über WLAN telefonieren oder unterwegs Videos anschauen

Auch ist es möglich seine E-Mails über Freifunk abzurufen, im Internet zu surfen, je nach Standort kann sogar im Garten oder Gartenlaube der Laptop aufgebaut und Fernsehen oder Internetradio gestreamt werden. Gäste benötigen kein Passwort Bankgeschäfte oder ähnlich sensible Vorgänge sollten aber sicherheitshalber nicht über Freifunk abgewickelt werden.

Alle öffentlichen Plätze und Gebäude der Gemeinde sind heute mit Freifunk versorgt: das Gemeindehaus, die Haltestellen, das Feuergerätehaus und der Dünnbach-Pfad, der am Dorf vorbeiführt. Auch die Jugendlichen im Jugendraum freuen sich über kostenloses Internet, ferner kommen von Wanderern und Gästen viele positive Rückmeldungen. Insbesondere Jugendliche, junge Familien, Gäste, Gewerbetreibende und letztlich alle Handy- und Tabletnutzer profitieren vom Freifunk.

Ortsbürgermeister Hans-Peter Färber betont, dass der ländliche Raum nicht warten könne, bis Politik und Wirtschaft Maßnahmen zur Digitalisierung in die Wege leiten. Bereits 2006 gab es in Lahr schon einmal ein ähnliches Projekt,, als ein Privatanbieter die Ortsgemeinde per Richtfunk mit Breitband versorgen wollte. Auch damals konnte eine entsprechende Anlage installiert werden, die noch heute betrieben wird, obwohl die Lahr mittlerweile mit Glasfaser bestens versorgt wurde.

Als gute Maßnahme wertet der Ortsbürgermeister die beabsichtigte Bewerbung des Kreises als Pilotregion für die Mobilfunktechnik 5G. Es bleibe zu hoffen, dass der Kreis auch tatsächlich den Zuschlag bekommt und die Umsetzung auch zeitnah erfolgt. Färber betonte, dass es immer schwieriger werde, junge Leute im Dorf zu halten.

Netze neu aufgeteilt und umgestellt auf Freifunk Rheinland

Insgesamt findet der Freifunk Mayen-Koblenz immer mehr Zuspruch. Wegen Auslastung der Server wurde das Netz in Landkreise, aufgeteilt, unter anderem in Rhein-Hunsrück und Cochem-Zell. Zusätzlich fand eine Umstellung auf Freifunk Rheinland statt, ein Verbund lokaler Freifunk-Gemeinschaften und Einzelpersonen. Durch diese Umstellung hat das Netz nicht nur an Geschwindigkeit und Stabilität gewonnen, es lassen sich nun auch Deutsche Mediatheken wie ZDF oder ARD Mediathek über das Netz erreichen.

Weitere Infos gibt es unter www.freifunk-myk.de

Was ist eigentlich Freifunk?

Freifunk hat das Ziel ein freies, von Bürgern verwaltetes WLAN-Netz aufzubauen. Jeder Nutzer im Freifunk-Netz stellt seinen WLAN-Router für den Datentransfer zur Verfügung. Es ist auch möglich den Internetzugang zur Verfügung zu stellen und so anderen Menschen den Zugang zum weltweiten Netz zu ermöglichen.

Für Freifunk benötigt man einen Router mit einer speziellen Software, mit der man die Möglichkeit hat, den Internetanschluss ohne Risiko zur Verfügung zu stellen. Freifunk ist gemeinnützig und wird von ehrenamtlichen Helfern aufgebaut und gewartet.

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