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Rhein-Hunsrück

Frische Leadergelder fließen in die Region

Volker Boch

Mit einer relativ kleinen Projektanzahl gehen die beiden Leader-Regionen Hunsrück und Mittelrhein in das neue Jahr. Acht Projekte sollen die Regionen nachhaltig voranbringen, jeweils vier in jedem Gebiet. Während am Rhein vorwiegend touristische Strukturen gestärkt werden sollen, bedeutet im Hunsrück unter anderem die Umsetzung eines Ärztehauskonzeptes in Simmern regionales Neuland für das EU-Förderprogramm.

Für das Haus Heidrich am Kastellauner Marktplatz ist eine Vinothek angedacht. Für deren Realisierung sind 133.000 Euro veranschlagt. Leader könnte 45.000 Euro Förderung beisteuern.  Foto: Werner Dupuis
Für das Haus Heidrich am Kastellauner Marktplatz ist eine Vinothek angedacht. Für deren Realisierung sind 133.000 Euro veranschlagt. Leader könnte 45.000 Euro Förderung beisteuern.
Foto: Werner Dupuis

Das neue Simmerner Ärztehaus ist Kernbestandteil der innerstädtischen Sanierung, die derzeit vorwiegend noch mit Abrissarbeiten läuft. Für rund 5,3 Millionen Euro wollen private Investoren hier ein umfangreiches zukunftsgerichtetes Versorgungsmodell aufbauen, das unter anderem junge Ärzte in die Region locken soll. Denn neben einem Mentorenprogramm soll es, wie Achim Kistner als Geschäftsführer der Leader-Arbeitsgemeinschaft (LAG) Hunsrück erklärt, hier auch Teilzeitarbeitsmöglichkeiten für junge Ärzte geben, die damit ein familienorientiertes Arbeitsumfeld erhalten können. So ist auch ein Konzept für Telemedizin vorgesehen, also einer über digitale Vernetzung gesteuerten ärztlichen Betreuung von Patienten. Maximal 200.000 Euro sollen in dieses Projekt an Leader-Förderung fließen, dies entspricht dem Höchstsatz an Förderung. Für Kistner und die LAG Hunsrück sind solche strukturellen Projekte von großer Bedeutung. „Was fehlt, sind infrastrukturelle private Ansätze“, sagt Kistner mit Blick auf den Konzeptbedarf. Solche privat finanzierten Projekte können im ländlichen Raum mithilfe von Förderungen wie Leader nachhaltig Spuren hinterlassen.

Doch die Rahmenbedingungen werden nicht einfacher. Die LAG Hunsrück kann zurückblicken auf 77 Projekte, die in der vergangenen siebenjährigen Leader-Förderperiode bewilligt wurden. Für die aktuell laufende Periode rechnet Kistner allerdings lediglich mit rund 25 Projekten, die umgesetzt werden könnten. Kistner macht keinen Hehl daraus, dass die bürokratischen Hürden inzwischen deutlich höher sind. Immer wieder ist aus Kreisen von investitionswilligen Unternehmern zu hören, wie massiv der Aufwand rund um einen Förderantrag ist. Insbesondere diejenigen, die sehr genau kalkulieren müssen bei ihren Investments, müssen hohe Hürden überwinden, die es so vor einigen Jahren noch gar nicht gab: Denn die Aufsichtsbehörden des Leaderverfahrens beim Land haben beispielsweise festgelegt, dass die Anschaffung von gebrauchten Gegenständen, so zur Ausstattung einer Produktionsstätte oder der Erwerb gebrauchter Anlagen, nicht förderfähig ist. Dem Vernehmen nach ist dies so in den Regularien der EU zwar nicht vorgesehen gewesen, derzeit aber Sicht der Aufsichtsbehörden.

Es sind auch solche Problemstellungen neben formalen Herausforderungen, die dazu führen, dass die Anzahl der Leader-Anträge sinkt – in der aktuellen, seit 2015 laufenden Förderperiode hat die LAG trotz großen Engagements gerade einmal elf Projekte mit in die Umsetzung gebracht. Rund 450.000 Euro sind bislang als Förderung bewilligt worden. „Weitere 500.000 Euro sind in der aktuellen Förderperiode noch zu verplanen“, sagt Kistner, und darüber hinaus ist wohl denkbar, dass die EU einen Zuschlag an Fördermitteln zu gewähren bereit ist. „Was wir gerne unterstützen würden, sind gezielte Projekte im Bereich der Jugendbeteiligung.“

Dass es an Ideen in den beiden, den Rhein-Hunsrück-Kreis berührenden Förderregionen grundsätzlich nicht mangelt, zeigen die aktuellen Projekte. Im Hunsrück steht dafür neben dem Ärztehaus in Simmern eine angedachte Vinothek, die im „Haus Heidrich“ in Kastellaun geplant ist. Dieses vom Kastellauner Architekten Bernd König aufwendig restaurierte historische Haus prägt bereits den Eindruck des Marktplatzes und soll in absehbarer Zeit auch gastronomisch ein Anziehungspunkt werden. Für die rund 133.000 Euro teure Ausgestaltung der Vinothek wurden in der jüngsten Sitzung der LAG-Versammlung Fördermittel in Höhe von 45.000 Euro bewilligt. „Die Weinanbaugebiete, die den Hunsrück umschließen, werden hier vernetzt“, sagt Kistner, Mittelrhein, Mosel und Nahe sollen hier gastronomisch vereinigt werden. „Zudem wird hier die Baukultur gestärkt“, sagt der LAG-Geschäftsführer.

In Pfalzfeld engagiert sich die Ortsgemeinde für die Stärkung der gastronomischen Infrastruktur rund um den Schinderhannes-Radweg. Ein Neubau zur Einrichtung einer Erlebnis-Gastronomie am Bahnhof (wir berichteten) soll hier mittels dieses kommunalen Projektes zu einem Treffpunkt werden, der Einheimische und Gäste zusammenbringt. Der mit 410.000 Euro veranschlagte Bau dieses multifunktionellen Gebäudes soll ebenfalls bis zur Höchstgrenze von 200.000 Euro unterstützt werden. Als viertes Projekt der LAG Hunsrück ist vorgesehen, die Albert-Kahn-Ausstellung, eine in Rhaunen startende Wanderausstellung zur Erinnerung an den 1869 in Rhaunen geborenen berühmten Industriearchitekten, weiter zu unterstützen.

Mehr zu den Leader-Projekten am Mittelrhein lesen Sie auf Seite 17

Von unserem Chefreporter
Volker Boch

Wissenswertes über Leader und die LAG

Leader ist die englisch ausgesprochene Abkürzung der französischen Bezeichnung „Liaison entre actions de développement de l'économie rurale“ und wird übersetzt mit „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raums“. Leader ist zudem ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es lokalen Akteuren ermöglicht, Prozesse mitzugestalten. So kann das Potenzial besser genutzt werden und erheblich zur Entwicklung der gesamten Region beitragen.

Die Lokalen Aktionsgruppe (LAG) bestimmt den Leader-Prozess und ist somit Motor der regionalen Entwicklung. Mindestens zur Hälfte muss sich eine Leader Arbeitsgemeinschaft aus Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie Vertretern der Zivilgesellschaft zusammensetzen. Die LAG Hunsrück und die LAG Welterbe Mittelrhein sind zwei von 20 Leader-Regionen in der Förderperiode 2014 bis 2020. Beide nehmen bereits seit 2000 an der Förderung teil. Die Leader-Aktionsgruppen sind grundsätzlich für alle engagierten Bürger im LAG-Gebiet offen, die Sitzungen sind öffentlich. vb

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