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    Energiewende: Die Gemeinde Kappel setzt auf Nahwärme

    Unabhängig von den ständig steigenden Kosten für Heizöl und Gas will sich die Gemeinde Kappel machen. Bereits in der konkreten Planungsphase befindet sich ein Nahwärmeverbund. Von einem Heizwerk aus sollen möglichst viele Haushalte dezentral mit Wärme versorgt werden.

    Ortsbürgermeister Gerhard Stümper (von rechts), Marco Zilles und Johannes Gass vom Arbeitskreis erläutern Klimamanager Frank-Michael Uhle von der Kreisverwaltung das Projekt. Foto: Werner Dupuis
    Ortsbürgermeister Gerhard Stümper (von rechts), Marco Zilles und Johannes Gass vom Arbeitskreis erläutern Klimamanager Frank-Michael Uhle von der Kreisverwaltung das Projekt.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserem Mitarbeiter Werner Dupuis

    Ausschließlich mit Hackschnitzeln aus dem Gemeindewald soll die Anlage befeuert werden. Zusätzlich wird überschüssige Wärme aus einer benachbarten Biogasanlage in das Netz eingespeist.

    Wie sieht die Zukunft unseres Dorfes aus? Wie erhalten wir uns einen attraktiven Wohn- und Lebensraum? Wie begegnen wir dem demografischen Wandel mit einer immer älter werdenden Bevölkerung und drohenden Leerständen? Damit beschäftigt sich seit geraumer Zeit ein Zukunftsrat. Ein Ableger davon ist ein elf Mitglieder zählender Arbeitskreis, der sich seit Ende 2012 mit dem komplexen Thema einer dezentralen Wärmeversorgung für die Gemeinde beschäftigt. Als Sprecher agiert mit viel Elan Marco Zilles.

    Parallel dazu laufen der Ausbau der quer durch den Ort führenden Bundesstraße 421 und umfangreiche, aus Dorferneuerungsprogrammen geförderte Sanierungsmaßnahmen. Momentan bietet sich also die einmalige Gelegenheit, im Zuge des Straßenbaus einen Teil der Rohre für den Wärmeverbund kostengünstig zu verlegen. Deshalb drängt die Zeit.

    Eine Machbarkeitsstudie gibt es bereits. Die Gemeinde stellte 20 000 Euro dafür zur Verfügung. Mit einem Fragebogen ging man dann von Haus zu Haus, um die Meinung der Immobilienbesitzer über einen Wärmeverbund zu erfahren. Das Ergebnis war vielversprechend. 80 Prozent der Fragebögen wurde beantwortet. 93 von insgesamt 150 Hauhalten ließen sich von den Argumenten überzeugen und erklärten ihr Interesse.

    Zurzeit werden pro Jahr 2000 Megawattstunden (MWh) an Energie für Heizung und Warmwasseraufbereitung in Kappel benötigt. Durch den Nahwärmeverbund würden im Jahr 200 000 Liter Heizöl eingespart. Die schlagen bei einem aktuellen Marktpreis von 85 Cent mit 170 000 Euro zu Buche. Hochgerechnet auf 20 Jahre - das ist die Lebensdauer, die man für die Technik eines Wärmeverbunds kalkuliert - blieben 3,4 Millionen Euro an Wertschöpfung im Dorf.

    Hackschnitzel aus dem Gemeindewald sind die Alternative fürs Öl. 340 Hektar Wald nennt Kappel sein eigen. 1000 Festmeter Schwachholz liefern den jährlichen Hackschnitzelbedarf fürs eigene Wärmenetz. Sorgen um ihren Wald müssen sich die Kappeler nicht machen. Denn alles geschieht im Rahmen der nachhaltigen Waldwirtschaft. Produziert wird das Brennmaterial von einem Hunsrücker Dienstleister. Im Rahmen einer Kooperation, zum Beispiel mit dem benachbarten Ober Kostenz, kann man sich aber auch eine Hackschnitzelproduktion in eigener Regie vorstellen.

    Positiv ist die Umweltbilanz: 744 Tonnen Kohlendioxid gelangen jährlich durch den Verzicht auf Heizöl nicht in die Atmosphäre. Positive Signale setzte in dieser Woche der Gemeinderat. Jeder Haushalt, der sich an dem Wärmenetz beteiligt, erhält einen Zuschuss von 4600 Euro. Der Rat beschloss den Anschluss des Kindergartens, des Gemeindehauses und der historischen "Krone" ans Wärmenetz.

    Mit Kosten von rund 2,4 Millionen Kosten Euro ist das Wärmenetz kalkuliert. 1,1 Millionen Euro beträgt das Eigenkapital, 1,3 Millionen Euro sind Darlehen. Der hoch motivierte Arbeitskreis hat sich einen sehr engen Zeitplan gesetzt: Bis Ende Februar soll nochmals kräftig die Werbetrommel für den Wärmeverbund gerührt werden. Dann müssen die Hausbesitzer verbindlich ihre Teilnahme erklären.

    Ende März 2014 wird eine Energie-Genossenschaft gegründet. Bis Juni sollen alle Planungen abgeschlossen sein. Im Juli müssen die Bauarbeiten beginnen, damit im November die Heizzentrale ihren Betrieb aufnimmt und die ersten Häuser angeschlossen werden. Die Fertigstellung des Verbundes ist für Juni 2016 avisiert.

    Marco Zilles und seine Mitstreiter sind überzeugt, dass sie ihr ehrgeiziges Ziel erreichen. Sie setzten auf eine möglichst große Beteiligung, denn je mehr Teilnehmer ans Netz gehen, um so preiswerter wird jede Kilowattstunde, die verbraucht wird.

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