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    Boppard

    "Die spanische Fliege" in Boppard inszeniert: Burgtheater zaubert seinem Publikum Lachtränen in die Augen

    Das Bopparder Burgtheater hatte am Wochenende zum Finale der aktuellen Spielsaison eingeladen. Bis dahin hatten weit mehr als 1000 Besucher in der Stadthalle den Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach "Die spanische Fliege" genossen und waren rundum begeistert.

    Das Ensemble des Bopparder Burgtheaters schaut auf eine äußerst erfolgreiche Spielzeit zurück.
    Das Ensemble des Bopparder Burgtheaters schaut auf eine äußerst erfolgreiche Spielzeit zurück.
    Foto: Gisela Wagner

    Nicht nur bei der letzten von vier Vorstellungen wurden die munteren Komödianten enthusiastisch gefeiert, immer wieder mussten sie auf die Bühne. Das Publikum applaudierte im Stehen, und es gab viel Lob und Anerkennung von allen Seiten.

    Der graue November hatte in Boppard einen Gegenpart bekommen, einen urkomischen Schwank, aus dem die engagierten Spieler des Amateurtheaters alles herausholten, um ihr Publikum aufs Höchste zu erfreuen. Susanne Kirch, Vorsitzende des Burgtheaters, beschreibt dies so: "Man nehme ein halbes Jahr Probenzeit mit regelmäßigen Lachkrämpfen, ungezählte ehrenamtliche Arbeitsstunden und Einsätze zur Planung, Vorbereitung, Kostümierung und Betreuung der Schauspieler, enormen Antrieb und gemeinsames Diskutieren, das Hoffen und Bangen vor der Veranstaltung, mehrere Hektoliter Herzblut und eine gehörige Portion Freude und Spaß."

    Stück schwungvoll inszeniert

    Schon einige Wochen vor der Premiere sah man überall rote Fliegen, die auf Plakaten die Innenstadt zierten. Parallel zu den Proben, die bis zu dreimal in der Woche stattfanden, wurde der Bühnenbau gemeistert, die letzten Requisiten zusammengesucht, es wurde genäht, gemalt und, wenn der Text des Originals mal nicht passte, schrieb Regisseur Peter Bock, eine neue Version. Ihm ist es hervorragend gelungen, die Charaktere auszuarbeiten, genau mit den richtigen Personen zu besetzen und das Stück äußerst schwungvoll zu inszenieren.

    Dabei war dies bei dem bekannten Inhalt nicht immer einfach, schließlich legt man beim Burgtheater großen Wert auf Professionalität, das Stück sollte nicht abgleiten. Handlungen wurden überspitzt dargestellt und wirkten gerade deshalb so urkomisch. Die Spieler schienen alle unter Strom zu stehen. Ständig passierte etwas, das Bühnenbild mit Treppen und verschiedenen Ebenen war eine einzige Stolperfalle. Die Darsteller wussten mit der durchaus ungewohnten Sprache - das Stück wurde vor mehr als 100 Jahren uraufgeführt - zu jonglieren.

    Lehrmeister in sexueller Nachhilfe

    Rudolf Neiser spielt den Senffabrikanten Ludwig Klinke, er versteht es authentisch zu berlinern, bisweilen wirkt er wie Harald Juhnke in seinen besten Tagen. Philip Bösand hat als Heinrich Meisel den sächsischen Slang total verinnerlicht. Er hat in Dr. Fritz Gerlach, alias Peter Bock, seinen Lehrmeister in Sachen sexueller Nachhilfe gefunden. Zu Übungszwecken wird unter den beiden Männern heiß geknutscht, sie sind sich für nichts zu schade.

    Dabei wird gerade die Sittlichkeit im Hause Klinke krampfhaft hochgehalten. Emma Klinke, überdreht und hysterisch dargestellt von Susanne Kirch, ist dafür genau richtig. Sie ist wie ein Spürhund, wenn es darum geht sittlichen Verfall aufzudecken und stellt unerbittliche Nachforschungen an, um die Täter zu überführen.

    Sogar Selfies schafften es ins Stück

    Ihre Tochter Paula, gespielt von Mona Sorko, kann sich nur durch heimliche Treffen mit ihrem Liebsten, Rechtsanwalt Dr. Fritz Gerlach, einen Freiraum schaffen. Ihr Auserwählter ist ausgerechnet der größte Gigolo unter dem Himmel. Gemeinsam mit Freundin Wally, die von Jana Ahlbach verkörpert wird, kichert und gackert sie sich durch die Jugend. Die Freundinnen sind mal betont kindisch, mal gierig auf amouröse Abenteuer, und das in einer Zeit, in der alles was mit Sexualität zu tun hat, unter Höchststrafe steht. Und von allem machen sie Selfies. Das Publikum freut sich besonders über diesen genialen Gag, es gibt wie so oft heftigen Szenenapplaus.

    Bernard Boury spielt Eduard Burwig, er ist Emmas trinkfester Bruder und Verbündeter. Er läuft stets in Uniform mit Pickelhaube herum und wird immer dann zu Hilfe gerufen, wenn es mal wieder "brennt". Ob er eine große Hilfe ist, sei mal dahingestellt, jedenfalls hinterlässt er einen strengen Eindruck. Bei dem Sittenverfall wird diese Unterstützung dringend gebraucht.

    Tina Vogel und Alexandra Best haben im Stück Männerrollen übernommen und sind dabei perfekt. Nur an der höheren Stimmlage kann man erkennen, dass es sich bei den beiden wohl um Frauen handeln muss, aber das hat man gleich wieder vergessen.

    Animalischer Ehemann hat die Lacher auf seiner Seite

    Wie es sich für einen standesgemäßen Haushalt geziemt, haben Klinkes natürlich ein Hausmädchen, Marie wird von Andrea Hirsch-Dreckmann tadellos dargestellt. Eine wichtige Person ist Mathilde Meisel, gespielt von Anika Schmidt. Ist sie die "spanische Fliege", die den Männern und möglichen Vätern ihres Sohnes die Schweißperlen auf die Stirn treibt? Sie hat einen animalischen Ehemann dabei: Bernd Schröder spielt Gottlieb als potenten "Affenmann". Zur Freude der Zuschauer wird dies betont, indem er mit seinem Sohn Bananen isst und ihm die Läuse fängt.

    Und so gibt es immer wieder Pointen, die dem Publikum die Lachtränen in die Augen zaubern. Aufgrund des großen Erfolges und der bestehenden Nachfrage nach weiteren Aufführungsterminen, wird darüber nachgedacht, das Erfolgsstück im kommenden Jahr noch einmal aufzuführen.

    Gisela Wagner

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