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    Simmern

    Der Martinswein könnte ein netter Tropfen werden

    Scherze über die eigene Stadt sind normalerweise nicht gerade das, was Bürgermeister lieben. Allerdings hatte Simmerns Stadtchef Andreas Nikolay in den vergangenen Jahren immer mal einen lustigen Spruch auf den Lippen, wenn es darum ging, die Weine aus dem städtischen Wingertsbergpark zu besprechen.

    Je nachdem, wie fundiert in Sachen Wein der Gegenüber war, umso vorsichtiger fielen die Lobpreisungen Nikolays aus. Das könnte nun anders werden, denn am Montag wurde im Wingertsbergpark ein Tröpfchen mit Potenzial gelesen.

    Nach der Lese des ersten Jahrgangs im Herbst 2013 waren Beschreibungen wie „trinkbar“ oder „nun ja“ noch die netteren Beschreibungen für den Genuss, der seinen Weg in vier rare Flaschen gefunden hatte. Der erste Wein, der gelesen worden war, ging als „nicht gesundheitsschädlich“ in die Geschichte ein – viel wichtiger als der Geschmack war damals der Umstand, dass erstmals nach Jahrhunderten Pause wieder Wein im historischen Wingertsbergpark gelesen worden war. 2014 und 2015 trug die Kooperation von Stadt und Herzog-Johann-Gymnasium dann schon viel schmackhaftere Früchte. Der Jahrgang 2015 gefiel nicht nur wegen einer deutlich gesteigerten Lesemenge, sondern auch als bis dato mit Abstand bester Simmerner Wein – leicht im Alkohol, im Vergleich zu seinen Vorgängern geradezu aromatisch-intensiv. 2016 folgte ein herber Reinfall: Von den im Jahr 2011 gepflanzten 99 Johanniter-Stöcken konnte nichts geerntet werden. Der Mehltau hatte zugeschlagen.

    Am Montagmorgen stand Ilka Meyer, Leiterin der Weinbergs-AG des Gymnasiums und Projektleiterin im Wingertsbergpark, lächelnd mit ihren Schülern vor den Lesebütten. Denn das Ergebnis der Weinbergsarbeit im Jahrgang 2017 konnte sich sehen lassen. „Den feuchten und warmen September haben die Trauben gut überstanden“, sagte Meyer. Angesichts der frostigen Nächte zuletzt hatte sie entschieden, nicht länger mit der Ernte zu warten und legte mit dem Team des HJG am Morgen los.

    Lediglich eine halbe Stunde lang währte die Arbeit, die von Schüler Florian Thon mit regelmäßigen Sichtungen der Trauben in den Tagen zuvor eingeleitet worden war. Die 13 Schüler des Leistungskurses Chemie zückten die Schere und ernteten gut 150 Kilogramm Trauben. Gemeinsam mit Stadtchef Nikolay freute sich Meyer nicht über ein gesundes Lesegut und eine recht ordentliche Menge, sondern vor allem auch über für Simmerner Verhältnisse hochreife 75 bis 78 Grad Oechsle. „So viel hatten wir noch nie“, sagte Nikolay voller Freude über diese Qualität.

    Weniger schön war die Ausbeute an den zahlreichen Stöcken, die neben den Weinreben im Park stehen und als Lieferanten von Tafeltrauben gedacht sind – hier konnte gerade einmal ein halbes Eimerchen geerntet werden. Im kommenden Frühjahr sollen an ihrer Stelle weitere Weinreben gepflanzt werden – denkbar sind mehr als 150 zusätzliche Stöcke.

    Was dies für Simmern bedeuten könnte, zeigte sich am Montagmorgen beim behutsamen Pressen des Weins. 40 Liter Johanniter ergab der Vorgang auf dem Schulhof – ein Wert, der künftig noch deutlich gesteigert werden könnte. Vielleicht wird Simmern sogar noch zur Weinstadt.

    Von Volker Boch

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