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    Damit Nutzer nicht mehr im Müll stehen: Neue Zerreißprobe für den Gelben Sack

    Der Rhein-Hunsrück-Kreis bekommt in Kürze neue gelbe Säcke. Die gute Nachricht vorweg: Diese werden reißfester. Die Rhein-Hunsrück-Entsorgung (RHE) mit Sitz in Kirchberg hat auf eigene Rechnung stärkere Säcke geordert.

    Reißtest: Annette Stegmayer, Thomas Lorenz und Günter Hackländer (von links) probieren sich an den alten und den neuen Gelben Säcken. Die Rhein-Hunsrück-Entsorgung bringt aktuell neue Säcke in den Umlauf, die stabiler sein sollen als ihre Vorgänger.
    Reißtest: Annette Stegmayer, Thomas Lorenz und Günter Hackländer (von links) probieren sich an den alten und den neuen Gelben Säcken. Die Rhein-Hunsrück-Entsorgung bringt aktuell neue Säcke in den Umlauf, die stabiler sein sollen als ihre Vorgänger.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserem Chefreporter Volker Boch

    Wer im Supermarkt oder an einer der gut 150 Ausgabestellen im Kreis eine Rolle mit Gelben Säcken erhält, macht sich keine Gedanken darüber, welches komplexe System dahinter steht. Was in den 1990er-Jahren einmal mit dem Dualen System Deutschland (DSD) als Verwertungssystem von Plastikmüll und Verpackungen begonnen hat, ist heute getreu den EU-Richtlinien wider das Monopol ein geöffneter Markt. Und damit ziemlich unüberschaubar. "Wir haben heute zehn Entsorgungssysteme statt einem wie früher", erklärt Thomas Lorenz, einer der beiden Geschäftsführer der Rhein-Hunsrück-Entsorgung (RHE) in Kirchberg.

    Diese sogenannten Systeme, die im Abfallkreislauf die Verwertung des Verpackungsmülls verantworten, haben eine bundesweite Zulassung und treten damit ab der Produktion einer Verpackung in Erscheinung. "Wenn Sie in den Laden gehen und einen Joghurt kaufen, dann hat der Becher eine lizenzierte Verpackung", erklärt Lorenz, "diese Lizenzierung nehmen die Systembetreiber vor."

    Hinter Müllsammlung steckt ein komplexes System

    Seit der Einführung des Dualen Systems in den 1990er-Jahren gibt es die Verpflichtung, dass Verpackungen dem Abfallkreislauf zugeführt werden. Die jeweiligen Unternehmen schließen dazu einen Vertrag mit einem der Systembetreiber ab. Dadurch wird das Logo dieses Systembetreibers bei der Produktion einer Verpackung aufgedruckt - wo auch immer auf der Welt diese hergestellt wird. Immer wieder kommt es zwar auch zu Problemen, weil nach wie vor Verpackungen auf dem Markt und damit im Abfall-Kreislauf sind, aber kein solches Logo haben. Doch grundsätzlich sollten die Verpackungen, die in Deutschland im Handel sind, auch an einen Lizenznehmer gebunden sein.

    "Die Sammlung des Mülls wird wiederum ausgeschrieben", sagen Thomas Lorenz und Günter Hackländer, Abteilungsleiter Stoffstrommanagement bei der RHE. Die zehn Systembetreiber, die sich den deutschen Markt aufteilen, schreiben diese Leistungen kurzfristig aus - und damit kommt die RHE ins Spiel. "Wir beteiligen uns an diesen Ausschreibungen", sagt Lorenz.

    3 Millionen Gelbe Säcke im Kreis verteilt

    Seit 2008 fährt die RHE im Kreis die Gelben Säcke ab, für die derzeit eine neue Ausschreibung läuft. Dies bedeutet, dass das Kirchberger Unternehmen im Auftrag eines Systembetreibers die Säcke verteilt und diese gefüllt auch wieder einsammelt, bevor der Verpackungsmüll an den Systembetreiber zur Wiederverwertung zurückgeht. Der Systembetreiber gibt dem beauftragten Unternehmen auch die technischen Vorgaben für die Herstellung des Gelben Sacks vor. Es bestimmt also letztlich nicht die RHE selbst, welche Säcke sie verteilt, sondern sie richtet sich nach den Vorgaben des Systembetreibers.

    "Im Rhein-Hunsrück-Kreis werden pro Jahr rund 3 Millionen Gelbe Säcke verteilt", erklären Hackländer und Lorenz. "Erfahrungsgemäß wird nur die Hälfte davon tatsächlich für den Verpackungsmüll genutzt." Da viele Einwohner die Säcke auch gern für den Transport von Kleidern und anderen Dingen nutzen, ist beispielsweise die Reißfestigkeit des Sacks intern bei der RHE ein Dauerthema. "Wir müssen mit dem Geld, das uns der Systembetreiber zugesteht, auskommen", sagt Lorenz. Personalkosten, Aufwendungen für den Lkw-Einsatz und Produktionskosten für die Säcke müssen kalkuliert werden.

    Gelbe Tonne ist kein Thema im Kreis

    Die RHE hat in den vergangenen Monaten aus der Bevölkerung einen starken Unmut zu spüren (und zu hören) bekommen, weil die offensichtlich niedrigen Standards des Systembetreibers dazu geführt haben, dass sehr schnell reißende Säcke in Umlauf kamen. Viele Bürger standen sprichwörtlich manches Mal im Müll, wenn sie den Gelben Sack an die Straße tragen wollten. Die RHE hat daraufhin gehandelt und trotz höherer Kosten neue, stärkere Säcke geordert. Rund 20 Prozent höhere Ausgaben für die Herstellung der Säcke bedeutet dies für die RHE. "Man darf sich keine Wunder erwarten", sagen Lorenz und Hackländer, "Es kommt immer darauf an, wie die Qualität jeder einzelnen Charge ist." Das Dilemma ist letztlich, dass es keine klare Produktionsnorm und sehr große Abweichungen bei der Zusammensetzung des Kunststoffes gibt.

    Derzeit noch kein konkretes Thema ist die Gelbe Tonne im Kreis. "Sie wird häufig bei uns nachgefragt", erklärt Annette Stegmayer von der RHE. Im Haus wird die Tonne insgesamt auch positiv gesehen. Aber es fehlt nach wie vor eine übergeordnete gesetzliche Regelung in diesem Bereich. Der Gesetzgeber arbeitet daran, aber ein Wertstoffgesetz steht noch aus.

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