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Mittelrhein

"Burglind" bedroht Spaziergänger: Die hölzerne Gefahr nach dem Orkan

Andreas Egenolf, Susanne Willke und Wolfgang Wendling

Mit Orkanböen von bis zu 120 km/h ist Sturmtief „Burglind“ zum Jahresbeginn über das Land gefegt und hat für literweise Regen gesorgt. Eine gefährliche Kombination, vor allem für die Wälder in der Region, in denen das große Aufräumen erst noch ansteht. Vor allem für Spaziergänger lauern derzeit noch Gefahren.

Sturmtief Burglind hat in den Wäldern rund um Koblenz stellenweise vor allem für umgestürzt Nadelbäume gesorgt, wie hier zwischen Niederfell und Rhens.  Foto: Sascha Ditscher
Sturmtief Burglind hat in den Wäldern rund um Koblenz stellenweise vor allem für umgestürzt Nadelbäume gesorgt, wie hier zwischen Niederfell und Rhens.
Foto: Sascha Ditscher

In Lahnstein empfiehlt die Stadtverwaltung, auf Spaziergänge im Stadtwald derzeit zu verzichten. Ganz so weit will Uwe Bollinger, Förster im Forstrevier Macken, nicht gehen. „Wenn man irgendwo schiefe Bäume sieht, sollte man nicht unbedingt da durchlaufen“, sagt Bollinger. Er rät den Wanderern, wenn Bäume auf Wanderwegen liegen, vernünftig zu sein und umzudrehen.

Auch Ralf Kerber, Förster im Revier Boppard I, das den Süden des Stadtwaldes umfasst, rät den Wanderern, auf jeden Fall auf der Hut zu sein. Die Traumschleifen sind aber in aller Regel gut begehbar, sagte Kerber im Gespräch mit unserer Zeitung

Die Schäden, die „Burglind“ im Forstamt Boppard, das im Süden bis nach Bingen reicht, angerichtet hat, halten sich in Grenzen. Die Reviere Oberheimbach, Oberwesel, Perscheid und Boppard I haben zusammen einen Windwurfschaden von rund 1000 Festmeter Holz, sagt Kerber. Das ist kein wirklicher wirtschaftlicher Schaden, weil 1000 Festmeter ungefähr der Menge entsprechen, die im Januar und Februar regulär geschlagen werden.

Einen noch geringeren Schaden vermeldet Revierförster Johannes Nass vom Revier Boppard II, das den Norden des Stadtwaldes umfasst: „Bei uns sind nur Einzelwürfe feststellbar.“ Von der Menge her ist es nicht wirklich relevant, was da an Bäumen infolge des Sturmes gebrochen ist oder geworfen wurde.

Forstamt Koblenz stärker betroffen als das benachbarte Boppard

Anders sieht es in der Nachbarschaft aus. Im rund 28.300 Fußballfelder großen Waldgebiet des Forstamtes, Koblenz wurden an vielen Stellen Bäume umgeworfen. Uwe Bollinger hofft daher nicht nur in seinem Forstrevier auf Verständnis bei den Bürgern: „Sie können nicht auf einer so großen Fläche wie der des Forstamtes innerhalb von kurzer Zeit alle blockierten Wege freischneiden. Sie brauchen immer Maschinen dazu, was relativ aufwendig ist.“

Über das gesamte Gebiet des Forstamtes Koblenz hinweg sind die Förster und ihre Mitarbeiter derzeit damit beschäftigt, vor allem die Wege von umgestürzten Bäumen und heruntergefallenen Ästen zu befreien. Im Forstrevier Untermosel, das von Nörtershausen im Süden bis Kettig im Norden reicht, schätzt Revierförster Hermann Schneider den Windwurf beispielsweise auf rund 500 Festmeter Holz – rund 90 Prozent davon Nadelholz. Was zunächst wenig klingt, macht sich in seinen Augen wirtschaftlich trotzdem bemerkbar. Dadurch, dass der Sturm die Bäume gleich an mehreren Stellen umgeworfen hat, müsse das Holz ebenfalls an unterschiedlichen und nicht an einer zentralen Stelle abtransportiert werden – was Zeit und Geld kostet. Es einfach liegen zu lassen ist für Schneider keine Option. „Es besteht die Gefahr, dass Käfer dann im Frühjahr an die Bäume gehen“, erklärt der Revierförster.

Bis das gefallene Holz abseits der Wege allerdings aus den Waldgebieten herausgefahren werden kann, dauert es noch einige Zeit. „Wir sind derzeit damit beschäftigt, die Wege freizuschneiden“, bestätigt Hermann Schneider seinem Dienstkollegen Bollinger.

300 Festmeter sind in Rhens dem Orkan zum Opfer gefallen

Besser sieht es schon im Forstrevier Rhens aus. Laut des zuständigen Revierförsters Dieter Kaul sind dort alle Wege frei. Er geht davon aus, dass hier rund 300 Festmeter Holz, vor allem Fichten, „Burglind“ zum Opfer gefallen sind. „Um die Jahreszeit muss man im Wald immer aufpassen. Es wird auch nicht der letzte Sturm des Jahres gewesen sein“, sagt Kaul. Der Windwurf wird in Rhens allerdings auch noch länger liegen bleiben. „Wir schlagen erst das Laubholz ein, danach kümmern wir uns um den Windbruch.“

Das Laubholz ist auch einer der Gründe dafür, warum die Windwurfbilanz nach Sturmtief „Burglind“ im Waldgebiet des Forstamtes Koblenz, verglichen mit dem Hunsrück oder dem Westerwald, in denen mehr Nadelbäume zu finden sind, glimpflicher ausfällt. Der Laubholzanteil liegt im Bereich des Forstamtes insgesamt bei 72 Prozent und damit über dem rheinland-pfälzischen Landesdurchschnitt von rund 59 Prozent. Laubbäume gelten insgesamt als standfester als Nadelbäume.

„Wenn allerdings das Regenwetter anhält und weitere Stürme folgen, werden auch die standfesteren Laubbäume und damit größere Flächen betroffen sein“, erklärt Johannes Pinn, stellvertretender Leiter des benachbarten Forstamtes Neuhäusel, „dann fallen die Bäume wie Dominosteine.“

Mit der Zeit weicht der Boden so weit auf, dass auch tiefere Wurzeln den Baum nicht mehr halten können. Der Wind hat dann leichteres Spiel – auch bei Laubbäumen. „Die Gefahr für den Menschen sollte nicht dramatisiert werden, aber es gibt zurzeit viele angeschobene Bäume, die in anderen Bäumen liegen und umfallen können. Dazu kommen lose Äste in den Kronen. Die Gefahr ist also jederzeit gegeben“, warnt Försterkollege Hermann Schneider.

Von Andreas Egenolf, Susanne Willke und Wolfgang Wendling

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