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    Rhein-Hunsrück

    Bunte Vielfalt bestimmt die Straßen

    Die Wahlberechtigten sind am 24. September im Rhein-Hunsrück-Kreis dazu aufgerufen, den 19. Deutschen Bundestag zu wählen. Die Rhein-Hunsrücker haben damit wie insgesamt rund 61,5 Millionen wahlberechtigte deutsche Staatsbürger die Möglichkeit, das demokratische System zu stützen, indem sie wählen.

    Zwischen Oktoberfest- und Discowerbung: Autofahrern begegnen – wie hier in Kümbdchen – dieser Tage viele plakative Gesichter auf ihren täglichen Wegen. Die Direktkandidaten setzen in diesem Wahlkampf ganz klar auf die Optik statt auf politische Überzeugungen.
    Zwischen Oktoberfest- und Discowerbung: Autofahrern begegnen – wie hier in Kümbdchen – dieser Tage viele plakative Gesichter auf ihren täglichen Wegen. Die Direktkandidaten setzen in diesem Wahlkampf ganz klar auf die Optik statt auf politische Überzeugungen.
    Foto: Volker Boch

    Nur, was sollen sie denn wählen am 24. September? Bei einer Rundfahrt durch den Kreis fällt schnell auf, dass dieser Tage einiges anders ist. Neben den üblichen Hinweisen auf Disco-, Kultur- und Sportveranstaltungen sind reichlich Plakate angebracht. Teils zeigen sie Gesichter, motivierte, frisch fotografierte und werbewirksam in Szene gesetzte Politikerprofile, die sich anschicken, einige der bestbezahlten deutschen Sitz- und Entscheidungsplätze zu ergattern – im Berliner Reichstag. Doch viel mehr als das Konterfei gibt es dabei nicht zu entdecken, wie ein genauerer Blick auf die Inhalte der Wahlwerbung in der Region zeigt.

    Die CDU: Die Christdemokraten setzen auf zwei Personen, Angela Merkel und Peter Bleser. Das interne Machtgefüge ist dabei klar unterstrichen. Der Kanzlerin gehören die großen Flächenplakate mit den allgemeinen Kernaussagen, die gut sollen, aber nicht viel mehr vermitteln als den Tenor „Hat bis jetzt gut geklappt, daran wollen wir anknüpfen“. Erarbeitet wurde die Kampagne von der renommierten Hamburger PR-Agentur Jung von Matt, die wenig Worte macht, allerdings welche, die im Kopf bleiben. Die allgemeine Botschaft der CDU lautet: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. Im Kreis ist unter anderem eine aufmerksam lauschende, sanft lächelnde Angela Merkel anzutreffen, deren charmanter Blick von dem griffigen Satz „Das große Ganze beginnt mit einem Ohr für die kleinen Dinge“ begleitet wird. Peter Bleser als Wahlkreiskandidat und erfahrener Bundestagsprofi setzt auf das Motto „Mit Erfahrung in die Zukunft“ und reduziert seinen Plakatauftritt sonst aufs Wesentliche: ein markantes, verbindliches Lächeln und ein im höchsten Maße gepflegtes Äußeres.

    Die SPD: Auch die zweite große Volkspartei setzt auf ein kongeniales Duo. Kanzlerkandidat Martin Schulz und Wahlkreiskandidatin Ivonne Horbert sind die beiden Köpfe, auf welche die Sozialdemokraten in der Region setzen. Bei der SPD gibt es im Vergleich zur CDU einen kleinen Unterschied, denn hier darf die regionale Kandidatin auch auf großflächige Plakate, während Martin Schulz insgesamt durchgängig die kleineren Auftritte erhält. Aussagen bleiben auf den Plakaten der SPD außen vor, die Optik steht ganz klar im Vordergrund. Ivonne Horbert ist analog zu Peter Bleser sehr positiv ins fotografische Licht gesetzt. Wer mehr von der SPD und den beiden plakatierten Spitzenkräften wissen möchte, muss Ivonne Horbert allerdings selbst fragen – das gehört zum Konzept der Hamburger Agentur KNSK, welche die Bundes-SPD wie bereits bei der Wahl 1998 und 2002 berät.

    Die FDP: Wie bei der Landtagswahl 2016 fallen die Freien Demokraten optisch ein wenig aus dem Rahmen. Eine auffällige Optik rahmt die in zarten Grautönen gehaltenen Konterfeis der Politiker ein. Da fällt es mitunter fast schwer, auf die schriftlichen Statements zu achten, die Teil der Plakatierung sind. Die von der Berliner Agentur Heimat verantwortete FDP-Gesamtkampagne setzt das „German Mut“-Konzept fort. Wahlkreiskandidatin Carina Konrad setzt auf den Plakaten dazu auch auf eigene Aussagen. „Anpacken statt aussitzen“, lautet das Motto der Jungpolitikerin, die neben dem Bundesvorsitzenden Christian Lindner und dem Spitzenkandidaten im Land, Manuel Höferlin, die Optik der FDP im Kreis darstellt. Auffällig ist die hohe Anzahl an Plakaten – die Liberalen betreiben einen aufwendigen Plakatwahlkampf.

    Die AfD: Überaus plakativ und plakatierfreudig schreitet die Alternative für Deutschland zur Tat. Dem Vernehmen nach entstammt die Wahlwerbung keiner in Deutschland angesiedelten Marketingagentur, aber die Inhalte sind extrem auf die Sicherung heimatlicher Werte fokussiert. Die Bildsprache ist griffig und enthält subtile Angriffe. „Burka? Ich steh' mehr auf Burgunder!“ wirkt als Slogan im Vergleich zum Motto „Neue Deutsche? Machen wir selber“ harmlos. Parteiintern hatte es im Vorgriff letzterer Motivauswahl wohl eine längere Debatte darüber gegeben, ob die AfD zum spaßigen Sinnspruch der erwünschten nationalen Vermehrung eher den dicken Bauch einer schwangeren Frau oder ein halbnacktes Pärchen zeigen solle. Die Entscheidung entfiel auf den Bauch. Dieses Plakat und andere markige Optiken lassen sich entlang der Straßen häufiger entdecken, den Direktkandidaten Martin Fischer seltener.

    Die Grünen: Letzteres lässt sich von Bündnis 90/Die Grünen so nicht behaupten. Insgesamt sind Plakate mit der Hauptfarbe grün recht selten in der Region. Der Versuch, bei einer ersten Rundfahrt im Kreis den Direktkandidaten der Partei, Ralf Kauer, in den Blick zu bekommen, scheitert unterdessen komplett. Dafür gibt es ein Großplakat und zahlreiche kleine mit Bundestags-Franktionschefin Katrin Göring-Eckardt, das die Grundsatzziele der Partei darlegt.

    Die Freien Wähler: Willi Feilen ist omnipräsent. Der Direktkandidat aus Morbach-Weiperath kennt sich aus mit Wahlkämpfen und weiß, dass allein das Gesicht zählt. Der langjährige Kämpfer für eine Traktoren-Alternativtrasse entlang der B 50 ist vielfach präsent im Kreis und wirbt wie vorherigen Wahlen plakativ für seine Sache.

    Die Linke: Ebenso wie bei den Grünen ist auch die Direktkandidatin der Linken, Alexandra Erikson nicht so leicht ausfindig zu machen im Straßenwahlkampf. Stattdessen plakatiert die Linke ihre allgemeinen Ziele, die insbesondere Frieden für alle, Respekt vor dem anderen und soziale Gerechtigkeit verlangen. „Die Zukunft, für die wir kämpfen“, lautet ein wichtiges Motto der Kampagne.

    Die ÖdP: Plakate der ökologischen Demokraten sind wenige zu entdecken, sie werben unter anderem für die Energiewende. Direktkandidat Johannes Schneider ist nur vereinzelt auszumachen.

    Das Fazit: Wer einen personenorientierten Wahlkampf mit regionaler Färbung sichten möchte, tummelt sich am besten auf einer der Wahlkampfveranstaltungen und spricht „seinen“ Kandidaten selbst und gezielt an. Denn die Ziele und politischen Überzeugungen der Direktkandidaten kommen im Plakatwahlkampf kaum vor.

    Von unserem Chefreporter Volker Boch

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