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    Berlin/Mainz

    Bahnlärm im Mittelrheintal: Dobrindts Plan schockiert Land

    Rheinland-Pfalz fühlt sich durch den Bundesverkehrswegeplan in vielen Regionen abgehängt. Vor allem in Sachen Bahnlärm hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit dem Papier für helle Aufregung gesorgt, weil eine Alternativtrasse zur Güterzugstrecke am Mittelrhein nur als Projekt des "weiteren Bedarfs" erwähnt ist. Damit liegt die Planung der Trasse, die offensichtlich als Tunnel zwischen Mainz-Bischofsheim und Troisdorf angedacht ist, für viele Jahre auf Eis.

    Bahnlärm ist ein Dauerthema im Mittelrheintal.
    Bahnlärm ist ein Dauerthema im Mittelrheintal.
    Foto: Thomas Torkler

    Von unserem Redakteur Volker Boch

    "Es ist gelinde gesagt eine Enttäuschung, dass die Alternativtrasse nicht als vordringlich eingestuft wurde", sagt der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD), "es ist ein Schlag ins Gesicht." Es sei mehr als ein Affront, dass sich Dobrindt trotz Demonstrationen und eines großen Engagements vieler Beteiligter hart zeige. "Ich bin wirklich entsetzt, wie hier die Menschen am Mittelrhein behandelt werden", sagte Lewentz. Im Zuge der öffentlichen Beteiligung will er deshalb das Gespräch mit Dobrindt suchen und die Forderungen des Landes klarmachen. "Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir die Prüfung der Alternativstrecke in den 15-Jahres-Korridor hineinbekommen. Sonst wären es 15 verlorene Jahre."

    Landes-Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) ist sauer, dass die Planung einer Alternativtrasse zur Güterzugstrecke am Mittelrhein auf Jahre aufgeschoben werden soll.
    Landes-Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) ist sauer, dass die Planung einer Alternativtrasse zur Güterzugstrecke am Mittelrhein auf Jahre aufgeschoben werden soll.
    Foto: Sascha Ditscher

    Die Alternativtrasse bietet laut Lewentz die Chance, die Bürger zu entlasten und gleichzeitig mehr Fracht auf die Schiene zu bekommen. Gelingt dies nicht und steigt die Zugfrequenz im Rheintal weiter, befürchtet er dramatische Entwicklungen. Der Minister begrüßt alle mit dem Land Hessen und vielen Mitstreitern erreichten Erfolge bei der Einführung leisen Zugmaterials bis 2020. Aber ohne Alternativtrasse blute die Region aus, der Fremdenverkehr gehe zugrunde, und alles Bestreben, die Region nach vorn zu bringen, scheitere.

    Hart ins Gericht mit Dobrindt geht die Bürgerinitiative Pro Rheintal. Sie nannte die Pläne eine "Frechheit gegenüber der Bevölkerung" und fragte nach Berlin: "Für wen machen Sie das eigentlich, Herr Minister?"

    Entlang beider Ufer am Mittelrhein schlängeln sich hochfrequentierte Bahnstrecken, die zu den bedeutendsten Güterverkehrswegen in Europa zählen. Wie dicht die Züge an den Häusern in Oberwesel vorbeifahren, zeigt dieses Foto.
    Entlang beider Ufer am Mittelrhein schlängeln sich hochfrequentierte Bahnstrecken, die zu den bedeutendsten Güterverkehrswegen in Europa zählen. Wie dicht die Züge an den Häusern in Oberwesel vorbeifahren, zeigt dieses Foto.
    Foto: Thomas Torkler

    Aus Mainz waren laut Lewentz bewusst nur Projekte für den Plan angemeldet worden, die aus Sicht der Landesregierung ein für den Bund und für die Bürger positives Verhältnis von Kosten und Nutzen haben. Das Signal war, dass diese 90 Projekte wirklich dringend sind. Entsprechend groß ist nun vielerorts der Schock. So ist unter anderem in der Nahe-Region fest mit der Umgehung Martinstein (B 41) gerechnet worden, in Diez liegt Baureife für den geplanten B 417-Tunnel vor, der ebenso klar erwartet wurde. Dass solche Vorhaben im Entwurf fehlen, wird als verheerendes Signal empfunden. "Es geht hier um Strukturentwicklungen, die ganz wichtig sind", sagt Lewentz, "es gibt Dinge, die nicht nur an Kosten festzumachen sind."

    Geld scheint an anderer Stelle weniger eine Rolle zu spielen. So wird die 60 Millionen Euro teure Westumfahrung Trier vom Bund als "vordringlich" bewertet, obwohl das Land diese gar nicht angemeldet hat. Auch wurde die von Mainz vorgeschlagene Vier-plus-zwei-Lösung an der Schiersteiner Brücke in einen sechsspurigen Ausbau umgewandelt, den die Grünen ablehnen. Auch kritisieren die Grünen den vom Land nicht angemeldeten durchgängigen vierstreifigen Ausbau der B 10 in der Pfalz. Die IHKs im Land begrüßen hingegen, dass sich der Bund an diesen drei Stellen über die "zurückhaltenden Anmeldungen der Landesregierung hinweggesetzt" hat.

    Täglich rattern bis zu 400 Züge durch das romantische Tal. Mit teilweise bis zu 100 Dezibel sind sie so laut wie eine Kettensäge oder ein Presslufthammer – zum Ärgernis der Bürger.
    Täglich rattern bis zu 400 Züge durch das romantische Tal. Mit teilweise bis zu 100 Dezibel sind sie so laut wie eine Kettensäge oder ein Presslufthammer – zum Ärgernis der Bürger.
    Foto: Thomas Torkler

    Viele Projekte zur Stärkung des Wirtschaftsraums, so auf dem Wasser und auch durch den sechsstreifigen Ausbau der A 61 zwischen dem Autobahndreieck Nahetal und Frankenthal sowie zwischen dem Autobahndreieck Sinzig und Mendig, werden im Land begrüßt. Der Tenor lautet aber, dass vor allem eine Alternativtrasse zum Mittelrhein unverzichtbar ist.

    Tunnel bei Oberwesel: Die Bahn rechnet jetzt rosarot Durchbruch? Neue Trasse soll Bahnlärm reduzieren Mittelrhein: Bahnlärmgegner starten Online-Petition für AlternativtrasseBahn steht beim Tunnel unter Zugzwang Bahnlärm: Hat der Bund gar kein Interesse an Alternativtrasse? weitere Links
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