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Kirchberg

Auszeichnung für Kirchberger Holzbaubetrieb: Firma Ochs setzt sich für Integration ein

Auch in diesem Jahr nutzte die Agentur für Arbeit Bad Kreuznach die bundesweite „Woche der Ausbildung“, um vorbildliche Ausbildungsbetriebe in der Region mit einem Zertifikat zu würdigen. Im Rhein-Hunsrück-Kreis erhielt der Holzbaubetrieb Ochs GmbH in Kirchberg für seine Nachwuchsförderung diese offizielle Auszeichnung. Auch in den Landkreisen Bad Kreuznach und Birkenfeld wurde jeweils ein Unternehmen ausgewählt.

Kai Wagner, kaufmännischer Leiter der Firma Ochs (von rechts), Auszubildender Zakaria Bedrous, Unternehmer Heinrich Werner Ochs, Bertram Schuster, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach, Evelyn Spindeler, Personalleiterin der Firma Ochs und Astrid Trunzler vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit bei der Preisverleihung  Foto: Agentur für Arbeit
Kai Wagner, kaufmännischer Leiter der Firma Ochs (von rechts), Auszubildender Zakaria Bedrous, Unternehmer Heinrich Werner Ochs, Bertram Schuster, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach, Evelyn Spindeler, Personalleiterin der Firma Ochs und Astrid Trunzler vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit bei der Preisverleihung
Foto: Agentur für Arbeit

Die Idee hinter der Verleihung des Zertifikates ist es, langjähriges und besonderes Engagement anzuerkennen. Gleichzeitig verbindet die Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach damit auch die Absicht, positive Beispiele herauszustellen. Der stellvertretende Agenturleiter Bertram Schuster betont: „Fast alle wissen, wie wichtig eine Ausbildung ist, und tun ihr Bestes dafür. Manchmal braucht es aber einfach einen weiteren Impuls.“

Als 2015 sehr viele Menschen aus dem arabischen Raum nach Deutschland flüchteten, gehörte Heinrich Werner Ochs zu den Ersten, der Flüchtlingen Beschäftigung und Ausbildung anbot. Er erinnert sich, dass es damals noch kaum Strukturen und Erfahrungen gab. Außerdem dauerte es bis weit in das Jahr 2016, bis der große Rückstau an Asylanerkennungsverfahren reduziert war. So hatten viele Flüchtlinge lange keine Gewissheit, ob sie überhaupt bleiben können. „Und die Betriebe damit natürlich auch nicht“, erzählt Ochs. „Mittlerweile“, so lobt der Unternehmer, „haben wir hier im Hunsrück gute Partner in der Flüchtlingshilfe und bei den Behörden, die schon mehr Erfahrungen gesammelt haben.“ Gab es 2015 auf fast keine Frage eine eindeutige Antwort, so ist das heute nur noch selten der Fall.

Seit Oktober 2015 ist der 38-jährige Ägypter Zakaria Bedrous bei der Firma Ochs beschäftigt. Inzwischen ist er im zweiten Ausbildungsjahr als Fachkraft für Lagerlogistik und hat gerade seine Zwischenprüfung hinter sich gebracht. „Deutsch ist nicht so einfach“, gibt der Auszubildende, der in seiner Heimat als Rechtsanwalt tätig war, zu. Mittlerweile findet er sich aber ganz gut zurecht – auch in der Berufsschule. Sein Arbeitgeber hat ihn sehr unterstützt und tut dies auch weiter. So erhält Bedrous nach wie vor Sprachunterricht im Betrieb. Der kaufmännische Leiter Kai Wagner betont, dass das Beherrschen der Sprache das entscheidende Kriterium dafür ist, ob jemand im Betrieb erfolgreich sein kann. In dem Zusammenhang wünscht er sich mehr Möglichkeiten berufsbegleitender Sprachkurse.

Mit einer Ausbildungsquote in Höhe von 15 Prozent kämpft die Ochs GmbH gegen den drohenden Fachkräftemangel an. Im Hunsrück ist nämlich das Verhältnis zwischen Ausbildungsplätzen und potenziellen Bewerbern aus Firmensicht besonders ungünstig. In jedem Sommer bleiben zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt, weil sich nicht genügend Auszubildende finden. Auch aus diesem Grund ist die Beschäftigung von Flüchtlingen ein Weg von vielen, um das Fortbestehen von Unternehmen zu sichern.

Heinrich Werner Ochs steht aber auch persönlich hinter dieser Entscheidung. Er kümmert sich selbst um die Menschen und sucht auch den Kontakt zu ihren Familien. Es entspricht seinem christlichen Werteverständnis, Menschen in Not zu helfen. Natürlich ist ihm auch bewusst, dass den Hunsrückern schon einiges abverlangt wurde – erst durch die Integration der Aussiedler in den vergangenen 20 bis 30 Jahren und jetzt erneut durch die Integration von Flüchtlingen. „Man muss eben Menschen gernhaben“, glaubt er. Und ihm ist auch wichtig, dass diejenigen, die bei ihm anfangen, auch im Hunsrück bleiben möchten. „Nur wer hier glücklich werden kann, wird sich im Betrieb und in der Gesellschaft gut einleben.“ Bertram Schuster von der Arbeitsagentur stimmt zu, dass Integration wesentlich durch Arbeit gelingt.

Heinrich Werner Ochs beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiter, darunter 15 Auszubildende in den Berufen Dachdecker, Zimmerer, Industriekaufleute, Kaufleute für Bürokommunikation, Bauzeichner, Fachkräfte für Lagerlogistik sowie Fachinformatiker für Systemintegration. Ebenso werden duale Studiengänge (Holz- und Holzwerkstofftechnik an der Berufsakademie Sachsen in Dresden und der Dualen Hochschule Baden Württemberg in Mosbach sowie Bauingenieurwesen an der Fachhochschule in Köln) angeboten. Auch mit einem Bewerber, der sein Ingenieurstudium abgebrochen hat und dann zum Bauzeichner ausgebildet wurde, hat Personalleiterin Evelyn Spindeler gute Erfahrungen gemacht. „Die Übernahme nach der Ausbildung ist bei uns übliche Praxis“, unterstreicht sie. Dem Chef selbst ist aber auch ein gutes Miteinander im Betrieb wichtig. So freute er sich ungemein, als er beim letzten Messebesuch mehrfach auf den Zusammenhalt seiner Mannschaft angesprochen wurde. „Unsere Azubis sind toll, das ist sogar anderen aufgefallen“.

Heinrich Werner Ochs nimmt dies – und natürlich die Auszeichnung der Agentur für Arbeit – als Bestätigung dafür an, dass er mit seiner Nachwuchsarbeit unter dem Motto „Fordern und anerkennen“ auf dem richtigen Weg zu sein scheint.

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