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    Limburg

    Urgestein der Pallottiner: Vom Dorfjungen zum Seelsorger

    Im Kloster der Limburger Pallottiner leben und arbeiten nicht nur Brüder, sondern auch Patres, die auf vielfältige Art in der Seelsorge wirken. Pater August Grezinger ist ein Urgestein der Männergesellschaft der Pallottiner.

    August Grezinger ist ein weltoffener Pallottinerpater, der sich nach fast 60 Jahren priesterlichen Diensten den Humor bewahrt hat.  Foto: Dieter Fluck
    August Grezinger ist ein weltoffener Pallottinerpater, der sich nach fast 60 Jahren priesterlichen Diensten den Humor bewahrt hat.
    Foto: Dieter Fluck

    Die Pallotiner sind vor 125 Jahren in die Domstadt gekommen. Dieses Jubiläum soll im Herbst gefeiert werden. Aber nicht nur das verdient eine Würdigung: August Grezinger hat am Mittwoch den 85. Geburtstag gefeiert.

    Der Geistliche, der aus dem oberschwäbischen Warthausen stammt, erinnert sich: „In dem 900-Seelen-Dorf war ich Messdiener, habe für eine Bäckerei Brot ausgefahren und in der Landwirtschaft Kühe gehütet. Unvergessen bleibt für mich der Tag, als mein Vater in den Krieg ziehen musste, bleiben die Bombeneinschläge in der Nähe unseres Dorfes, wo ich als Zwölfjähriger in einem Graben verschüttet lag, und der Einmarsch marokkanischer und französischer Besatzungstruppen.“

    Eine wichtige Person im Leben des jungen August war Sophie Schmieg, seine Volksschullehrerin, die ihn als Kind aus einer bildungsfernen Familie – sein Vater war Brauereiarbeiter – 1943 auf das Gymnasium nach Biberach schickte. Schon als Junge spielte er mit dem Gedanken, Priester zu werden. Später kam er mit einem Pallottinerpater in Kontakt, der ihm den Besuch von Internat und Gymnasium der Pallottiner in Vallender-Schönstatt bei Koblenz vorschlug.

    Entgegen dem Rat seiner Eltern, im zerbombten und hungernden Deutschland keine so weite Reise in eine unbekannte Zukunft zu unternehmen, fuhr der erst 13-jährige August mit zwei weiteren Jungen ins Rheinland. „Hungrig und müde angekommen, taten uns Suppe und Brot an der Schönstätter Pforte gut. Und dann das: Da wir nicht angemeldet waren und dort im laufenden Schuljahr nicht den gesamten Stoff nachholen konnten, sollten wir nach Hause zurückkehren und ein Vierteljahr später wiederkommen“, erzählt Greziner. „Wir waren maßlos enttäuscht, sodass wir nach Limburg geschickt wurden. Als Erstes fragten wir ‚Wo liegt das denn?‘ Die Schönstätter hatten gehört, dort solle eine Schule für Spätberufene und Schüler eingerichtet werden, deren Schulzeit durch den Krieg unterbrochen wurde“, erinnert sich Grezinger. „Zwischen Koblenz und Limburg waren Brücken gesprengt. Mit unserem Gepäck auf zwei Schlitten kamen wir über den Westerwald nach Limburg. Am Tag nach unserer Ankunft war Schulbeginn in dem später nach Bischof Vieter benannten Pallottiner-Kolleg.“ Um das staatliche Abitur machen zu können, besuchte Grezinger von 1949 bis 1952 noch das Humanistische Gymnasium, die heutige Tilemannschule, wo er 1952 das Abitur ablegte.

    Im kommenden Jahr kann August Grezinger 60 Jahre nach der Weihe in Vallendar durch den damaligen Bischof von Danzig, Carl Maria Splett, sein Diamantenes Priesterjubiläum feiern. Noch länger, nämlich 65 Jahre, ist er bereits Pallottiner: zunächst als Novize legte er am 25. April 1954 seine Profess, das Gelübde, ab. „Dass mein Wunsch, Priester zu werden, manchmal mehr als nur schwankte und ich auch Freundinnen hatte, sei nur nebenbei erwähnt“, räumt der 85-Jährige ein.

    Das lange Priesterleben des Pallottinerpaters war alles andere als ein nach innen gekehrtes Dasein hinter Klostermauern. Der Jubilar hatte so viele Funktionen inne, dass er als „Allroundseelsorger Gottes“ bezeichnet werden kann. Seine ersten Dienste versah er von 1959 bis 1962 als Kaplan in der Pfarrei St. Marien in Limburg. Sein Wunsch, als Seelsorger des Missionshauses zu den Indianern nach Kanada zu gehen, sollte sich nie erfüllen. Stattdessen war er berufen, die Bewegung junger christlicher Arbeitnehmer aufzubauen. Er wurde Diözesankaplan der Christlichen Arbeiter-Clubs (CAC) und der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ), hat junge Arbeitnehmer motiviert und geschult, sich betriebspolitisch zu engagieren.

    Im November 1968 wechselte der Priester in das Diözesansynodalamt. Dort war er bis Juni 1977 als Referent für die theologische und spirituelle Weiterbildung der synodalen Gremien des Bistums verantwortlich. Er bereitete neu gewählte Pfarrgemeinderäte auf ihre künftige Arbeit vor.

    Daneben war er von 1969 bis 1972 Präses des Bundes katholischer Männer und Frauen in Deutschland, ab 1972 zugleich nebenamtlich und von Juli 1977 bis 1995 hauptamtlicher Leiter des Referats Weltkirche. Bischof Wilhelm Kempf übertrug Grezinger die Verantwortung für Mission, Entwicklung und Frieden. Bis Mai 1995 nahm er diese Aufgabe als „Diözesandirektor der päpstlichen und bischöflichen Missionswerke“ wahr. Über Jahrzehnte pflegte er einen intensiven Kontakt zu den aus dem Bistum Limburg stammenden Missionaren in aller Welt.

    Grezinger hat Partnerschaften initiiert, zum Beispiel mit der Diözese Ndola in Sambia, auf den Philippinen und in Kamerun. Von 1977 bis 1982 war er zudem Referent für Camping- und Freizeitseelsorge des Bistums, hat viele Jahre als Schiffsgeistlicher Kreuzfahrten begleitet und so manchen Prominenten kennengelernt, mit ihnen oft langjährige Kontakte gepflegt. In seinem Arbeitszimmer hängt beispielsweise ein Foto des Schlagerduos Cindy & Bert.

    Von 1993 bis 2005 war er Missionssekretär der Norddeutschen Pallottinerprovinz in Limburg. Der gestandene Gottesmann sagte einmal: „Vom Geldgeber bin ich zum Bettler geworden, um die Projekte der Missionare vor Ort unterstützen zu können.“ Sieben Jahre bis 2000 war er Mitglied des Rates des pallottinischen Generalmissionssekretariats in Rom.

    Auch mit 85 Jahren ist er immer noch im Geiste des Ordensgründers Vinzenz Pallotti unterwegs. Seit 1978 hat der kontaktfreudige Oberschwabe einen Seelsorgeauftrag für die im Hotel- und Gaststättengewerbe Beschäftigten im Bistum Limburg. Obwohl ihm das Laufen schwerfällt, besucht er Wirtestammtische ebenso wie die Oktoberfeste in Beselich-Obertiefenbach und hält ökumenische Gottesdienste. Ungezählte Paare hat er getraut und auch deren Kinder getauft. Immer nahe bei den Menschen, sagt er seine Meinung unverblümt. Und wenn das seinem Gegenüber nicht passt, kann er auch anecken.

    420 Menschen zählt Grezinger zu seinen Freunden und Wegbegleitern. Viele kennt er seit über einem halben Jahrhundert, darunter viele Wohltäter, zu denen er mit einem Rundbrief Verbindung hält. Sie sind einem Mann dankbar, der ein Leben lang auf so vielen Feldern der Seelsorge gearbeitet hat.

    Von unserem Mitarbeiter
    Dieter Fluck

    Brüder und Patres

    Die Pallottiner sind eine religiöse Männergemeinschaft in der katholischen Kirche, die sich für Gott und die Menschen engagiert. Sie wurde 1846 von dem italienischen Priester Vinzenz Pallotti in Rom gegründet. Ihre Mitglieder sind Patres und Brüder.

    Ein Pater ist katholischer Priester, der autorisiert ist, Sakramente zu spenden wie Taufe, Firmung, die Beichte abnehmen, Ehen schließen sowie Eucharistie (Abendmahl) feiern darf. Ein Mitglied der Pallottiner, das kein Priester ist, wird als Bruder bezeichnet. Diese übernehmen vielfach Aufgaben in der Gemeinschaft wie auch in der zivilen Gesellschaft.

    Diez
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