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Diez

Theaterschule im Kalkwerk: Tobias Winter lebt für die Schauspielerei

Sabrina Rödder

Ein Notenständer mit Leselampe steht auf der Zuschauertribüne, ein Schwert lehnt an einer Säule mitten in der Halle, vier Leitern stehen verteilt in den Ecken. Es ist kurz vor fünf am Nachmittag. Nach und nach trudeln junge Männer und Frauen ein. Es sind Schauspieler der Theaterschule im Kalkwerk in Diez. Tobias Winter rollt noch schnell ein Stromkabel auf. Der Mann mit den zerzausten Haaren und der John-Lennon-Brille ist der Leiter der Theaterschule. Die Schüler wollen noch mal alle Szenen durchgehen. Denn es sind die letzten Tage vor der Premiere. Diese ist für Freitag, 9. Februar, geplant. In der Dorle-Schaefer-Halle soll das Stück „Maß für Maß“ von William Shakespeare aufgeführt werden.

Auch wenn Tobias Winter wöchentlich zwischen Limburg und Berlin hin- und herpendelt, ist die Theaterschule im Kalkwerk in Diez sein Zuhause. Hier arbeitet er mit Schülern zusammen und inszeniert Stücke. „Maß für Maß“ von William Shakespeare feiert am heutigen Freitag Premiere. Foto: Sabrina Rödder
Auch wenn Tobias Winter wöchentlich zwischen Limburg und Berlin hin- und herpendelt, ist die Theaterschule im Kalkwerk in Diez sein Zuhause. Hier arbeitet er mit Schülern zusammen und inszeniert Stücke. „Maß für Maß“ von William Shakespeare feiert am heutigen Freitag Premiere.
Foto: Sabrina Rödder

Seit 1994 ist Tobias Winter freier Regisseur. Fast zeitgleich baute er die Theaterschule auf. Die Initiative kam von Klaus Schaefer, der gut 20 Jahre lang an der Spitze des Kultur- und Jugendförderkreises Diez stand. Tobias Winter sagte sofort zu – jedoch unter einer Bedingung: Er wollte nicht nur Schauspielgruppen einladen, sondern auch selbst inszenieren. Von da an entwickelte er Lehrpläne, leitete Leute an. Wöchentlich gab es Vorstellungen. Auch heute noch präsentieren die Schauspieler mehrere Stücke im Jahr. Dabei versucht der 59-Jährige einen Betrieb zu simulieren, die Schüler sollen mehrere Stücke gleichzeitig spielen können, damit alles ein wenig flexibler ist. Was allerdings sehr anstrengend ist, so der Leiter.

Für die 20 Schüler im Alter von 15 bis 56 Jahren ist Schauspielerei ein Hobby. Viele unter ihnen bereitet Tobias Winter aber auch auf ihr Studium vor. Aber nicht nur für das Schauspiel. „Hier kann man praktisch alles lernen“, sagt der Mann mit der grünen Hose und den Wollsocken. Zum Beispiel Autor, Komponist und Lichtdesigner, aber auch Schuhmacher oder Schmied. „Theater vergleiche ich mit der Agora, mit dem Platz in der griechischen Polis, wo Menschen zusammenkommen, um eine gemeinsame Identität auszubilden“, erklärt Tobias Winter stark gestikulierend. „Mir liegt viel an der Arbeit mit den Schülern.“

Auch Tobias Winter hat Schauspiel studiert. Zumindest sporadisch, so der Künstler. Auch mit dem Studium der Theaterwissenschaft und der Kunstpädagogik habe er angefangen. „Doch nichts habe ich auch nur irgendwie abgeschlossen“, sagt er. Und doch oder gerade deswegen hat er es geschafft. Tobias Winter ist heute nicht nur freier Regisseur, sondern ebenso Autor von Theaterstücken und Choreograf für Modern Dance, Contemporary sowie Ballett. „In meinen jungen Jahren habe ich selbst Ballett getanzt“, erzählt der Mann, der außerdem im Alter von acht Jahren Limburger Domsingknabe war und somit zu den Gründungsmitgliedern zählt. Auch Cello habe er gespielt. Gelernt habe er ebenso Regieassistent, Darsteller, Technischer Leiter und Produzent.

Eher am Rande erwähnt der 59-Jährige, dass er ins Theater eigentlich nur hineingerutscht sei. „Regisseur zu werden, war keine Entscheidung. Eigentlich komme ich aus der Kunst, habe mit Malerei und Bildhauerei begonnen“, sagt der gebürtige Limburger, der aus der Künstlerfamilie Winter stammt. Vater und Mutter waren beide Bildhauer.

Seit zwei Jahren hat Tobias Winter einen zweiten Wohnsitz. Aus dem Interesse am Theater ist er nach Berlin gegangen, leitet dort ein Schauspiel-Tanz-Ensemble. Das hänge mit den Themen zusammen, die er bearbeite. „Man muss sich immer wieder loslösen und neue Räume schaffen“, sagt er und erklärt, dass dies mit einigen Themen zusammenhänge, für die es hier nicht das Publikum gebe. „Das dortige Publikum hat eine gewisse Vorbildung. Die Themen liegen auf der Straße.“

So pendelt der Regisseur 500 Kilometer von einer zur anderen Stadt. Schläft von dienstags bis donnerstags in seinem Elternhaus in Limburg, teilt sich die restlichen Tage eine WG in Berlin mit einem syrischen Trompeter, einem griechischen Grafikdesigner und einem italienischen Schlagzeugstudenten. „Eine deliziöse Wohngemeinschaft“, sagt Tobias Winter und bezieht dies nicht nur auf das gemeinsame Kochen. Mit dem Trompeter arbeitet er zum Beispiel bei einem Faust-Projekt zusammen.

Dass dem Regisseur etwas an interkultureller Zusammenarbeit liegt, zeigt auch seine Arbeit in Istanbul. Dort hat er Stücke auf Deutsch, Türkisch und Hebräisch geschrieben. Außerdem arbeitet er mit Willy Praml aus Frankfurt zusammen, macht die Produktionsleitung für Theaterfestivals. Auch kooperiert Tobias Winter mit dem Zentrum für Performance Studies in Bremen, schreibt zudem die szenischen Implantate für eine Sommer-Barock-Oper in Weilburg. Der ledige Mann sagt: „Ich bin einfach mit dem Theater verheiratet.“

Von unserer Redakteurin Sabrina Rödder

Aktuelles Stück ist gleich sechsmal zu erleben

Nach der Premiere am Freitag, 9. Februar, stehen die Schauspieler auch am Samstag und Sonntag, 10. und 11.

Februar, auf der Bühne in der Dorle-Schaefer-Halle im alten Kalkwerk in der Schaumburgerstraße 21 in Limburg. Auch am folgenden Wochenende ist das Stück „Maß für Maß“ zu erleben: am 16., 17. und 18. Februar – jeweils ab 20 Uhr. Tickets kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro. Reservierungen sind unter post@theater schule-im-kalkwerk.de möglich.

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