40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Diez
  • » Staupebefall: So heftig war es noch nie
  • Aus unserem Archiv
    Limburg-Weilburg

    Staupebefall: So heftig war es noch nie

    Das Staupevirus hält Hundebesitzer und Veterinäre weiterhin auf Trab. Seit Juni 2016 hat es 37 bestätigte Fälle im Landkreis Limburg-Weilburg gegeben. Tierärzte empfehlen, gerade Junghunde ausreichend zu impfen und beim Gassigehen vorsichtig zu sein.

    Unter der Rubrik „Andere Impfungen“ werden vom Tierarzt die Impfungen unter anderen gegen Staupe und Leptospirose eingetragen. Das S bei „SHPPi“ steht für Staupe. Auch der Zeitpunkt zu dem die nächste Impfung fällig wird, ist dort in aller Regel vermerkt.  Foto: Christian Keller
    Unter der Rubrik „Andere Impfungen“ werden vom Tierarzt die Impfungen unter anderen gegen Staupe und Leptospirose eingetragen. Das S bei „SHPPi“ steht für Staupe. Auch der Zeitpunkt zu dem die nächste Impfung fällig wird, ist dort in aller Regel vermerkt.
    Foto: Christian Keller

    Bereits im März hatte das Amt für Veterinärwesen beim Landkreis Limburg-Weilburg Hundebesitzern einige Tipps und Verhaltensregeln empfohlen, wie diese ihre Tiere vor dem Staupevirus schützen können. Denn die Zahl der bestätigten Fälle in 2016 und 2017 bleibt im Vergleich zu den Vorjahren hoch. Seit Juni vorigen Jahres habe es bis heute 37 bestätigte Fälle von Staupebefall gegeben. Bisher sind das ausschließlich verendete Wildtiere wie Füchse und Waschbären – gefährdet sind aber auch Haustiere.

    Gerade Hundebesitzer sollten achtsam sein. Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine klinischen Krankheitsanzeichen. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. Die Sterberate bei infizierten Tieren kann bis zu 80 Prozent betragen, teilt das Veterinäramt mit. Das Staupevirus bleibt auch außerhalb eines lebenden Organismus noch Tage ansteckend. Es wird durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen.

    „Ich bin mittlerweile seit 15 Jahren hier in der Tierklinik Löhnberg, aber so massiv habe ich das bisher noch nie erlebt“, schildert Fachtierarzt Norman Jekel seinen persönlichen Eindruck. Mittlerweile gibt es bestätigte Fälle in Limburg (Lindenholzhausen), Bad Camberg, Hadamar (Steinbach, Oberweyer), Weilburg (Odersbach), Runkel (Arfurt, Steeden, Hofen), Beselich (Schupbach, Obertiefenbach), Brechen (Oberbrechen), Hünfelden (Heringen), Löhnberg (Niedershausen), Mengerskirchen (Mengerskirchen, Dillhausen) und Selters (Niederselters). Das teilt der Landkreis auf Nachfrage mit.

    Der erste Fall ist laut Veterinäramt im Frühjahr 2016 bekannt geworden, dann zwei weitere Fälle im August, einer im September und ein weiterer im Dezember. Die übrigen 21 Fälle alle in den vergangenen Wochen. Das sind allerdings nur die Fälle, die dem Fachdienst für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zur Untersuchung gemeldet wurden.

    Die Mitarbeiter der Tierklinik Löhnberg haben in den vergangenen Wochen allein neun Wildtiere einschläfern müssen, davon wurden bei den Untersuchungen an der Uni Gießen acht positiv auf Staupe getestet. Den Eindruck Jekels teilen viele seiner Kollegen, die er jüngst auf einer Delegiertenversammlung der Landestierärztekammer Hessen getroffen habe. Auch dort sei der Staupebefall bei Wildtieren Thema gewesen.

    Doch was können Ärzte und Tierbesitzer gegen das Virus tun? „Die Hunde sollten beim Spaziergang angeleint sein und möglichst wenig mit stehenden Gewässern wie Pfützen in Kontakt kommen“, empfiehlt Tierarzt Jekel. Gassigehen an der Leine sei ein Punkt, noch viel wichtiger sei aber ein ausreichender Impfschutz. „In den vergangenen Jahren sei gerade gegenüber der Tiermedizin der Eindruck entstanden, es werde zu viel geimpft“, schildert er. Es sei eben gerade Trend, wenig oder gar nicht zu impfen.

    Mit schwerwiegenden Folgen: Besonders Junghunde seien gefährdet, wenn nicht regelmäßig die vorgeschriebenen Impfzyklen eingehalten würden. „Wer Zweifel daran hat, ob sein Hund geimpft ist, sollte im Impfausweis nachschauen (siehe Kasten).“ Ein weiteres Risiko sieht Jekel, der gerade selbst einen Junghund ausbildet, in der unkontrollierten Einfuhr von Hunden aus dem Ausland, die angeblich geimpft sein sollen, aber oft bereits Krankheitsträger sind. Über diese Auslandshunde würden auch immer häufiger Krankheiten – Jekel nennt die Blauzungenkrankheit – wieder auftauchen, die man in Deutschland als längst besiegt glaubte.

    Regelmäßige Impfungen und Vorsicht beim Spaziergang seien derzeit das, was Hundebesitzer tun könnten, um ihre Vierbeiner zu schützen, rät Jekel. Auffällige Wildtiere (siehe Kasten) sollten dem Veterinäramt oder dem Jagdpächter gemeldet werden.

    Auskunft: Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Limburg-Weilburg, Tel. 06431/296 58 69, oder per E-Mail an poststelle.avv@limburg-weilburg.de. Auf der Homepage www.landkreis-limburg-weilburg.de gibt es ein Merkblatt für Hundebesitzer. Auch die Tierklinik und Tierärzte geben Auskunft, Tel. 06471/612 88.

    Von Christian Keller

    Fieber und Erbrechen: Die Symptome und der Impfschutz bei Tieren

    Symptome der virusbedingten, hochansteckenden Infektionskrankheit bei Hunden und hundeartigen Wildtieren sind hohes Fieber, Abgeschlagenheit sowie, je nach Verlaufsform, Durchfall, Erbrechen, Atemwegsinfektionen oder auch Bindehautentzündung bei den betroffenen Tieren. Es kann auch zu Entzündungen des Zentralnervensystems kommen. Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten der Tiere, Zwangsbewegungen, Muskelkrämpfen, bis hin zu Epilepsie-ähnlichen Anfällen.

    Welpen sollten im Alter von acht, zwölf und 16 Lebenswochen geimpft werden. Die Impfempfehlung für Hunde in Deutschland beinhaltet Impfungen gegen ansteckende Leberentzündung (HCC), Leptospirose, Parvovirose, Staupe und Tollwut. Auch nach der Grundimmunisierung sollten Hunde regelmäßig geimpft werden. Wer im Impfausweis seines Hundes nachschauen will, ob dieser gegen Staupe geimpft ist, muss unter der Rubrik „Andere Impfungen“ oder englisch „Other vaccinations„ nachschlagen. Das „S“ bei „SHPPi“ steht für den Impfschutz gegen Staupe.

    Diez
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Anzeige
    Regionalwetter
    Donnerstag

    12°C - 22°C
    Freitag

    11°C - 20°C
    Samstag

    11°C - 19°C
    Sonntag

    9°C - 15°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige