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Balduinstein

Schloss Schaumburg steht vor dem Verkauf

Nach Jahren der Stagnation und des Verfalls kommt möglicherweise wieder Bewegung in den „Fall Schaumburg“. Das Schloss bei Balduinstein steht kurz vor dem Verkauf. Das bestätigte ein in Süddeutschland ansässiger Makler, der historische Immobilien vermittelt und das Schloss in den vergangenen Monaten auf seiner Homepage angeboten hatte.

Mittlerweile ist die Schaumburg auf der Internetplattform nicht mehr zu sehen. Nach Angaben des Immobilienhändlers liegt der Kaufvertrag zurzeit noch beim Schlossbesitzer, dem Friedsrichshafener Architekten Josef Wund. Es seien noch einige steuerliche Fragen zu klären, mit einem Vertragsabschluss sei in den nächsten zwei Wochen zu rechnen.
Für das Objekt interessiert sich nach Informationen unserer Zeitung eine Investorengruppe aus der Türkei, die von dem türkischen Rechtsanwalt Bilgiç Ertürk vertreten wird und mit der der Bauunternehmer Volkan Basegmez aus Ankara in Verbindung steht. Ein Mittelsmann aus Frankfurt bestätigte der RLZ das grundsätzliche Interesse, wollte sich zu Details aber noch nicht äußern.
Schloss Schaumburg ist nicht die einzige Investition, die Ertürk und Basegmez in Deutschland anstreben. Unter anderem ist das Duo auch an der Westerwaldkaserne in Montabaur interessiert, die seit Jahren leer steht. Das ehemalige Bundeswehrareal wird von der Bundesimmobilienverwaltung (Bima) verwaltet. Die Stadt Montabaur ist bereit, dort Planungsrecht für ein Internationales Handels- und Geschäftszentrum zu schaffen. Ein endgültiger Kaufvertrag zwischen Bima und den Investoren ist aber noch zustande gekommen. Demnächst soll es weitere Gespräche geben, sagte Bürgermeister Edmund Schaaf auf Anfrage unserer Zeitung. Ertürk und Basegmez wollen mittelständischen türkischen Unternehmen in Montabaur eine Basis schaffen, sich am deutschen und europäischen Markt zu etablieren. Es sollen dort Büroräume vermietet, neue Unternehmen untergebracht, Ausstellungsflächen angeboten sowie Veranstaltungen wie Modenschauen, Produktvorstellungen, Unternehmenspräsentationen und Verkaufsmessen organisiert werden. Die Türkei forciere und unterstütze solche Bemühungen, die sich positiv auf die Exportquote auswirken, hieß es aus Montabaur, als die Pläne im April bekannt wurden. Die Stadt hatte seinerzeit eine international tätige Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft damit beauftragt, die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzeptes zu untersuchen. Die Expertise kam zu dem Ergebnis, dass die Investoren leistungsfähig sind und einen guten Ruf genießen.
Doch nicht nur nach der Westerwaldkaserne haben die Türken die Fühler ausgestreckt. Auch das Schloss Kransberg in Usingen ist ein Objekt, an dem sie Interesse angemeldet und es bereits gekauft haben sollen. Usingens Bürgermeister Steffen Wernard weiß von den Bestrebungen, hat aber bislang selbst noch keinen Kaufvertrag gesehen. Die Stadt hätte eigentlich das Vorkaufsrecht, will sich das Schloss mit einem Sanierungsbedarf von mehreren Millionen Euro aber nicht ans Bein binden.
Und auch in Ostdeutschland sind Bauunternehmer Volkan Basegmez und Bilgiç Ertürk auf Einkaufstour gegangen und haben dort bereits vor drei Jahren Gut Gentzrode bei Neuruppin gekauft. Der nach der Nutzung durch Wehrmacht und Rote Armee sowie dem folgenden Leerstand heruntergekommene Komplex soll saniert und für eine Hotel- und Gastronomienutzung hergerichtet werden. Bislang ist dort dem Vernehmen nach aber noch nichts passiert.
Welches Konzept die türkischen Investoren für das Schloss Schaumburg verfolgen, ist noch völlig unklar. Aber nach mehr als 20 hoffnungslos erscheinenden Jahren könnte sich durch den Besitzerwechsel jetzt immerhin eine neue Perspektive ergeben. (jgm)

Diez
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