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    Hahnstätten

    Ratten: Schädlingsbekämpfer rückt Nagern auf den Pelz

    Es könnte ein Stück Seife sein, das Michael Diefenbach an einer langen Schnur schnell in die Tiefe gleiten lässt. Jedenfalls passt der orangefarbene, viereckige Block bequem in die Hand und und duftet angenehm.

    Michael Diefenbach bei der Auslegung der Köder: An einer langen Schnur lässt er sie in den Kanalschacht gleiten.
    Michael Diefenbach bei der Auslegung der Köder: An einer langen Schnur lässt er sie in den Kanalschacht gleiten.

    Allerdings ist die Tiefe in diesem Fall die Kanalisation von Niederneisen. Und die Zielgruppe will sich nicht die Hände waschen, sondern die gesüßten Getreidekörner aus dem mit Paraffin ummantelten Köder nagen. Michael Diefenbach ist Schädlingsbekämpfer und als solcher in der Verbandsgemeinde Hahnstätten gerade dabei, es den Ratten unbequem zu machen.

    Zwei Mal im Jahr rückt der Mann aus Dornburg hier an, um die Zahl der Ratten zu reduzieren. „Das ist nötig, weil ein Rattenpaar pro Jahr bis zu 1000 Kinder und Kindeskinder bekommt“, erklärt er. „Die Tiere haben keine natürlichen Feinde, also müssen wir regelmäßig regulierend eingreifen.“ Im Klartext heißt das: Die Ratte nascht von dem Köder, in dem ein Blutgerinnungshemmer ist. Fünf bis acht Tage später stirbt sie. Die Zeitverzögerung ist dabei nötig, damit nicht gleich alle Familienangehörigen alarmiert sind. „Ratten sind hoch intelligente Tiere und würden bei einem Mittel, das sofort wirkt, Rückschlüsse ziehen können, an welchem Essen ihr Artgenosse verendet ist“, erklärt der Schädlingsbekämpfer.

    Um die 9600 Einwohner hat die Verbandsgemeinde Hahnstätten. Ungefähr ebenso viele Ratten leben auch in der Kanalisation des Gebiets, wobei man davon ausgeht, das die Rechnung eine Ratte für jeden Einwohner eher auf Städte zutrifft. In ländlichen Gebieten liegt die Zahl etwas niedriger. Nichtsdestotrotz verlangt die Rattenjagd auch hier einigen Aufwand. Etwa 2700 Kanaleinläufe gibt es in der Verbandsgemeinde, in jedem zweiten bis dritten davon müssen Köder platziert werden.

    Michael Diefenbach ist in dritter Generation Schädlingsbekämpfer. Ohne den Familienbetrieb hätte er wahrscheinlich einen anderen Beruf ergriffen, sagt er. Aber inzwischen mag er seinen Job. Weil kein Tag wie der andere ist und er viel herum kommt. Und weil der Berufsalltag immer wieder Überraschungen und Anekdoten mit sich bringt. So wie bei der Geschichte von einer Frau in Frankfurt, die sich nicht erklären konnte, warum sie nachts im Schlaf stets das Gefühl hatte, dass etwas auf ihr herumläuft. Schlussendlich war es eine Ratte, die ihre Körperwärme suchte. Oder es gab dieses Paar, das zusammen in Limburg eine Tankstelle betrieb, an der ständig Bonbons verschwanden. Die Frau war sicher, dass ihr Mann sie heimlich stibitzte – bis Diefenbach das Bonbonlager einer Ratte fand. Dass nicht jeder von seinem Job begeistert ist, weiß der Schädlingsexperte.

    Da sind zum Beispiel die Hundebesitzer, die befürchten, ihr Haustier könne direkt oder indirekt durch die Köder dahingerafft werden. „Tatsächlich ist der Blutgerinnungshemmer gar nicht tödlich für einen Hund“, erklärt Diefenbach. „Er müsste fünf bis zehn Ratten fressen, damit noch etwas von dem Mittel in seinen Blutkreislauf übergeht.“ Ebenfalls Diskussionen gibt es immer mal wieder mit Tierschützern, die Mitleid mit den Ratten haben und kritisieren, dass sie innerlich verbluten. „Das hört sich zwar für den Laien brutal an“, sagt der Schädlingsbekämpfer. „Aber das Mittel bewirkt, dass die Tiere wie betäubt sind. Sie leiden nicht.“

    In der Vergangenheit gab es auch Versuche, die Ratten lebendig zu fangen. Dabei ließ sich die entscheidende Frage aber nie lösen: Wohin sonst mit ihnen, wenn sie nicht unter uns leben sollen?

    „Ich habe selbst einen Heidenrespekt vor diesen Tieren, gerade weil sie so intelligent sind“, sagt der Mann, der ansonsten noch Schaben, Wespen, Flöhe, Bettwanzen oder Mäuse bekämpft. „Aber es geht leider nicht anders: Man muss sie töten.“

    Jens Kalkofen, Abwassermeister bei der Kläranlage der Verbandsgemeinde in Niederneisen, sieht das genauso: „Wichtig ist, nicht Hinz und Kunz die Bekämpfung machen zu lassen, sondern einen Profi. Dann werden die Tiere auch nicht gequält. Töten ist nie schön. Aber uns bleibt bei den Ratten keine Wahl, wenn wir die Bürger und unsere Mitarbeiter schützen wollen.“ Abgesehen von den Sachschäden, die die schlauen Nager anrichten, sind sie von jeher Krankheitsüberträger. Gerade für die Kanalarbeiter ein Risiko, sie können sich leicht mit der sogenannten Weilschen Krankheit, die unter anderem Leberschäden, Hirnhaut- und Herzentzündung hervorrufen kann, infizieren.

    Insofern ist die Rattenbekämpfung, die sich die Verbandsgemeinde Hahnstätten routinemäßig einmal im Frühjahr und einmal im Herbst für jeweils 4000 bis 5000 Euro leistet, wichtig und sinnvoll.

    „Gemeinden, die an dieser Stelle sparen, haben oft schon nach ein bis zwei Jahren ein großes Rattenproblem“, erzählt Jens Kalkofen. Abgesehen von den Einsätzen des Schädlingsbekämpfers können übrigens auch die Bürger selbst ein paar Dinge dafür tun, um zu verhindern, dass die Ratten abseits der Kanalisation allzu präsent werden. Zum Beispiel, indem sie die Reste vom Mittagessen nicht die Abwasserleitungen herunterspülen. Auch Komposthaufen mit Essensresten locken Ratten an. Nicht zuletzt suchen die Nagetiere gern auf Grundstücken mit vielen Schlupflöchern wie Holzstapeln und Gerümpel Zuflucht. In diesem Sinne kann es sich also doppelt lohnen, endlich mal wieder zu Hause aufzuräumen. srü

    Diez
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