40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Diez
  • » Prozess um getöteten Polizisten: Hatte Angeklagter schon vorher Mordfantasien?
  • Aus unserem Archiv
    Limburg/Herborn

    Prozess um getöteten Polizisten: Hatte Angeklagter schon vorher Mordfantasien?

    Tiefe Blicke in die Persönlichkeit des Angeklagten im Prozess um den Tod eines Polizisten liefert der jüngste Prozesstag. Und eine große Frage: Hat der Angeklagte die Tat vorher angekündigt?

    Noch ist das nur eine Vermutung, die sich auf die Aussage der Bewährungshelferin stützt. Eine Vermutung zudem, die den Angeklagten erstaunt seine Augenbrauen zusammenziehen ließ. Doch diese Vermutung sorgte für vernehmliches Raunen im Zuhörersaal, zum Stiftezücken bei Richtern und Staatsanwaltschaft. Und sie dürfte in der Ladung einer weiteren Zeugin münden. Die nämlich soll die Behauptung im Gespräch mit der Bewährungshelferin des Angeklagten aufgestellt haben. Deren Aussage sprengte am Montagvormittag den geplanten Zeitrahmen. Sie berichtete ausführlich und sichtbar um Neutralität bemüht, der Bedeutung ihrer Aussage in diesem Verfahren bewusst. Schon beinahe ein komplettes Jahrzehnt kennt sie den Angeklagten – der seine jungen Erwachsenenjahre mal in Haft, mal in Freiheit verbrachte. Im Gefängnis, so berichtete sie, sei der Mann unkooperativ, aggressiv gewesen. In Freiheit aber sei er deutlich umgänglicher. Er habe sich – weitgehend – an Termine gehalten. Auch Bewährungsauflagen habe er überwiegend ernst genommen: So habe er etwa auf Aufforderungen Urinproben abgegeben, um seinen Alkoholkonsum zu kontrollieren.

    Andererseits habe er sich nicht alles gefallen lassen: Als sie ihm eine Behandlung wegen eben jenes Alkoholkonsums nahelegte, habe er dies abgelehnt, weil er kein Problem bei sich erkannt habe. Einmal will sie ihm einen gesetzlichen Betreuer empfohlen haben, weil er offensichtliche Schwierigkeiten mit dem Leben außerhalb der Gefängnismauern hatte. „Das fand er gar nicht lustig“, sagte die Frau. Im Spätsommer 2015 habe ihr Klient beinahe flehentlich versucht, wieder hinter Gitter zu kommen. „In Haft kannte er sich aus. Das war seine Welt“, sagte die Bewährungshelferin. Es habe aber schlicht keinen Grund gegeben, ihn wieder einzusperren. Später habe er eine Pension gefunden, habe sich um Zeitarbeit bemüht – da sei eine erneute Unterbringung im Gefängnis kein Thema mehr gewesen.

    Die aber drohte durchaus: Mitte Januar hätte eine Verhandlung wegen neuerer Delikte anstehen sollen. Und dem jungen Mann war klargemacht worden: Wird er dort verurteilt, dann wird seine Bewährung kassiert, dann muss er auf jeden Fall wieder ins Gefängnis. Die Tat vom Morgen des 24. Dezember 2015 kam diesem Prozess zuvor. Die Bewährungshelferin berichtete auch über das Umfeld des Angeklagten, kam so auf eine junge Frau zu sprechen, deren Partner ebenfalls einsitzt. In einem Gespräch zu einem gänzlich anderen Verfahren sei es darum gegangen, dass diese Frau nach ihrem Umzug in die Region nur „komische Menschen“ kennenlerne – darunter auch den Angeklagten. Der, so erzählte es die junge Frau, soll auf einer Feier angekündigt haben, „dass er einmal einen Polizisten erstechen werde“, und habe eine entsprechende Handbewegung gemacht. Explizit sei über jene Stellen gesprochen worden, die von der Schutzweste der Beamten nicht bedeckt werden.

    Die Bewährungshelferin schätzte die Aussage der Frau durchaus als glaubwürdig ein – besonders, weil es der jungen Dame unangenehm gewesen sei, als ihr klar wurde, dass sie mit einer Ladung des Landgerichts rechnen müsse. Das soll jetzt geschehen: Der Vorsitzende Richter Andreas Janisch möchte die Frau als Zeugin hören. Die Bewährungshelferin, aber auch die ehemalige Vermieterin und ein guter Freund beschrieben den Angeklagten im alltäglichen Umgang als sehr verbindlich, als selbstbewusst, auch als höflich. „Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen“, sagte die Vermieterin. Sein Freund – bei diesem war der Angeklagte auch in der Nacht vor der Tat – sprach von einem Mann, der Respekt wertschätze und jenen Respekt zolle, die auch ihm solchen entgegenbrächten. Zugleich, das bestätigte die Bewährungshelferin, wolle sich der Angeklagte nichts sagen lassen. Auch nicht zu seiner – von dem guten Freund deutlich kritisierten – Leidenschaft für Messer: Eines habe er immer dabei gehabt, berichtete der Freund. Auch an Weihnachten.

    Malte Glotz

    Keine einzige Wunde ist geheilt: Ein Kommentar von Malte Glotz zum UrteilWegen Mordes an einem Polizisten in Herborn: 28-Jähriger muss lebenslang in HaftProzess am Landgericht: Tod des Kollegen bleibt traumatisch für PolizistenPolizistenmordprozess: Vom Angeklagten kommt kein Wort des BedauernsPolizistenmordprozess: Die vierten Plädoyers stehen anweitere Links
    Diez
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Anzeige
    Regionalwetter
    Dienstag

    15°C - 16°C
    Mittwoch

    12°C - 20°C
    Donnerstag

    13°C - 19°C
    Freitag

    9°C - 17°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige