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    Limburg/Hadamar

    Palliativversorgung auf gutem Weg

    "In zweieinhalb Jahren ambulanter Versorgung haben wir mehr als 700 Patienten beraten und begleitet, davon sind 500 verstorben. 90 Prozent konnten ihren letzten Weg in ihrem gewohnten Umfeld gehen, das ist genau unser Ziel." Das sagte der Limburger Facharzt für Palliativmedizin und Anästhesiologie, Dr. Peter Schermuly, beim Palliativtag in Hadamar.

    Hilde Jung, Vorsitzende des Palliativnetzwerks Limburg-Weilburg, konnte zum sechsten Palliativtag Prof. Jürgen Osterbrink (links) aus Salzburg und Chefarzt Dr. Christoph Lerchen (rechts) aus Dernbach begrüßen. Foto: Fluck
    Hilde Jung, Vorsitzende des Palliativnetzwerks Limburg-Weilburg, konnte zum sechsten Palliativtag Prof. Jürgen Osterbrink (links) aus Salzburg und Chefarzt Dr. Christoph Lerchen (rechts) aus Dernbach begrüßen.
    Foto: Fluck

    Von unserem Mitarbeiter Dieter Fluck

    Auf alljährlichen Tagungen setzt sich das Palliativnetzwerk Limburg-Weilburg mit der Situation der medizinischen Behandlung für schwerstkranke und sterbende Menschen auseinander.

    Im Blickpunkt stehen neueste Erkenntnisse in der Versorgung und dem Umgang mit Betroffenen und ihren Familien - in der Forschung wie auch hinsichtlich der Situation in der Region. Dazu konnte die Vereinsvorsitzende Hilde Jung Pflegekräfte, ehrenamtlich Tätige und einige Bürgermeister begrüßen. Sie hätte sich darüber hinaus die Teilnahme vieler praktizierender Ärzte gewünscht, die in der Versorgungskette eine sehr wichtige Funktion einnehmen.

    "Wir sehen in unseren Krankenhäusern die Kathedrale der Versorgung und haben die Aufgabe, den Menschen mit ihren Bedürfnissen zu folgen. Im Moment geschieht das allerdings umgekehrt", stellte Prof. Jürgen Osterbrink fest. Der Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft und Pflegepraxis an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg sagte zur aktuellen Situation über Sterbehilfe in Deutschland: "Der Wunsch nach Suizid schwindet vielfach, wenn Betroffene eine wirksame Linderung durch die Palliativversorgung erfahren."

    Palliativ Care, die Versorgung unheilbar Schwerkranker und Sterbender, sei Aufgabe der Medizin, Pflege und Hospizarbeit wie auch der Spiritualität. Es sei das Konzept, dass sich Haupt- und Ehrenamtliche um die Menschen sowie um deren Angehörige und Freunde sorgen, Leiden zu lindern und eine höchstmögliche Lebensqualität zu ermöglichen.

    "Ich hatte eine Patientin, die wünschte sich, ein Glas Sekt zu trinken. Dann haben wir das getan. Ein anderer wünschte sich, drei Bilder fertig zu malen und starb wenige Tage später. Dann werden kleine Bedürfnisse zu einem großen Erlebnis", machte der Professor deutlich und sprach sich für eine Entschleunigung der humanitären Arbeit aus. Dass diese unter dem wachsenden Leistungsdruck nicht leiden dürfe, das sei die Kunst der Versorgungsstruktur.

    "In dieser Region ist das multiprofessionell gelöst", machte Osterbrink den Beteiligten ein Kompliment. Die Rolle der Hausärzte werde in Zukunft wichtiger, sie seien entscheidend, aber nicht so umfassend informiert, um das Gute noch besser zu machen. "Wir brauchen eine exzellente Schmerz- und Symptomkontrolle", sagte der Wissenschaftler und beklagte, dass der betagte Mensch nicht mehr im Fokus stehe. "Wir müssen überlegen, wie wir ein Palliativkonzept in unsere Alten- und Pflegeheime bringen, denn dort brennt der Hut", sagte Osterbrink und empfahl den Buchtitel: "Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun."

    Fast die Hälfte aller befragten Schwerstkranken wolle zu Hause sterben, ein Drittel in einem Hospiz. "Stattdessen sterben 40 Prozent im Krankenhaus, ein Drittel im Pflegeheim und nur jeder Vierte zu Hause", zitierte der Referent die Statistik. Es müsse noch sehr viel Aufklärungs- und Beratungsarbeit geleistet werden. Immerhin wüssten zwei Drittel der Menschen nicht so richtig, worum es bei der Palliativversorgung eigentlich gehe und ein Drittel könne nichts mit einem Hospiz anfangen. In Hadamar hatte kürzlich das erste Hospiz im Kreis Limburg-Weilburg eröffnet. Dr. Christoph Lerchen, Chefarzt der Abteilung Anästhesie, Schmerztherapie und Palliativmedizin am Herz-Jesu-Krankenhaus in Dernbach, beschäftigt die Kommunikation mit Schwerstkranken und Sterbenden. In seinem emotional geprägten Vortrag machte er anschaulich, welche Kraft und Macht die im Kontakt mit Patienten und Angehörigen gebrauchten Worte haben können.

    Die Mitteilung von Wahrheit müsse mit der Zusicherung von Begleitung verbunden werden. Ungenügende Aufklärung könne Diebstahl am Leben sein und die Lüge die Würde der Person verletzen. "Die eigene emotionale Beteiligung bildet die wesentliche Grundlage der Beziehung, die wir dem Patienten anbieten können", sagte Lerchen. Hoffnung wirke, auch wenn sie sich nicht erfülle.

    Der Chefarzt zitierte den tschechischen Dramatiker und Politiker Vaclav Havel: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat." Humor könne auch in den elendesten Situationen eine andere Perspektive eröffnen. Wer über etwas lachen könne, stehe darüber und habe eine Distanz dazu. "Was immer in den letzten Stunden eines Menschen geschieht, kann viele bestehende Wunden heilen, es kann aber auch als unerträgliche Erinnerung verbleiben, die den Weg durch die Trauer verhindert", hält es Lerchen mit der englischen Ärztin und Sozialarbeiterin Cicely Saunders.

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