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Obernhof

Neuer Eigentümer will altes Gasthaus beleben

Das ehemalige Gasthaus Bingel in Obernhof hat einen neuen Eigentümer.

Der Vorstand des Vereins Lahn.Wein.Zentrum besichtigt zum ersten Mal das ehemalige Gasthaus Bingel. Dabei waren unter anderem Vorsitzender Matthias C. Schmidt (rechts) und Ortsbürgermeister Karl-Friedrich Merz (links), der das Amt des Schriftführers inne hat.  Foto: Carlo Rosenkranz
Der Vorstand des Vereins Lahn.Wein.Zentrum besichtigt zum ersten Mal das ehemalige Gasthaus Bingel. Dabei waren unter anderem Vorsitzender Matthias C. Schmidt (rechts) und Ortsbürgermeister Karl-Friedrich Merz (links), der das Amt des Schriftführers inne hat.
Foto: Carlo Rosenkranz

Von unserem Redakteur Carlo Rosenkranz

Im März übernahm ein in Südamerika lebender Hotelier mit Limburger Wurzeln das seit Jahren leer stehende Haus. Nun hofft der Verein Lahn.Wein.Zentrum das Fachwerkgebäude aus dem 18. Jahrhundert für das geplante Kompetenz- und Informationszentrum zum Weinbau an der Lahn nutzen zu können. Der Vorstand besichtigte das im Zentrum Obernhofs gelegene Anwesen vergangene Woche zum ersten Mal. "Der Investor ist bereit und willens, in dem denkmalgeschützten Haus etwas Hochmodernes installieren", sagt Matthias C. Schmidt, Vorsitzender des Vereins Lahn.Wein.Zentrum. "Unser Konzept gefällt ihm gut."

Vor drei Wochen wurde der Verkauf beim Notar festgemacht. Seitdem arbeitet Schmidt mit dem Vorstandsteam auf Hochtouren. Dazu gehören auch eine Zusammenkunft mit dem Investor am vorvergangenen Montag sowie die Besichtigung des Gebäudes, dessen ältester Teil 1765 erbaut wurde. Der zur Hauptstraße gelegene Teil mit der markanten Verschieferung stammt laut Denkmalpflege von 1909.

"Wir werden jetzt überlegen, wie wir unser Vorhaben in diesem Haus umsetzen können und werden innerhalb der kommenden vier Wochen eine Entscheidung treffen", sagt Schmidt. Seitdem man sich in Obernhof mit dem Gedanken trägt, ein Kompetenz- und Informationszentrum einzurichten, gilt das eindrucksvolle Fachwerkhaus im Ortskern als idealer Standort. Früher war der Betrieb auch mit Übernachtungsmöglichkeiten ausgestattet, zuletzt nur noch Gasthaus. Vor drei Jahren schloss die Weinstube ganz. Große Investitionen dürften notwendig sein, um dem Haus wieder Leben einzuhauchen.

Für eine der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung sind allein im Bereich des Brandschutzes erhebliche Veränderungen vorzunehmen. "Da ist richtig was zu machen, aber er will", sagt Vereinsvorsitzender Schmidt über den neuen Eigentümer. Dieser sei bereits vor zwei Jahren auf das Haus aufmerksam geworden. "Er stammt aus Limburg-Staffel und war damals aus familiären Gründen in der Region", sagt der Vorsitzende. Ortsbürgermeister Karl-Friedrich Merz habe dem Interessenten dann das Projekt Lahn.Wein.Zentrum vorgestellt. "Der Investor war begeistert und sagte, dass es wert sei, die Sache zu unterstützen."

Das Konzept des Vereins sieht vor, Laien und Fachleute kompetent und modern über den Weinbau an der Lahn und seine Geschichte zu informieren. "Nicht nur für Freizeitwinzer und Touristen, sondern auch für die Wissenschaft", betont der Vorsitzende. Außerdem sollen die Weine aus Obernhof und Weinähr in einer Vinothek verkostet und andere Produkte der Region erworben werden können. Auch für Kunst und Kultur soll Raum sein. "Im Gasthaus Bingel haben die Obernhofer Vollmondnächte 2003 ihren Anfang gehabt", sagt Schmidt und ist sicher: "Dort werden auch wieder welche stattfinden."

Mehr als 30 Räume und Räumchen in teilweise verwirrend-verwinkelter Anordnung gibt es in dem Doppelhaus an der Hauptstraße. Damit scheint es für eine großflächige Ausstellung, Präsentationen und Seminarräume zunächst nicht besonders geeignet. "Aber das kann man ja ändern", sagt Schmidt. Nun müsse der Vorstand das Konzept mit den vorhandenen Räumlichkeiten übereinander bringen. "Das ist hoch komplex und durch den Verein und seinen Vorstand nicht zu leisten", weiß Schmidt. Deshalb benötige man Leute vom Fach, für deren Finanzierung man auch Fördermittel aus unterschiedlichen Quellen heranziehen möchte. Die entsprechenden Mittel sollen bis August dieses Jahres beantragt werden.

Viele gute Ideen haben die Vorstandsmitglieder für die Ausgestaltung des Lahn.Wein.Zentrums bereits zusammengetragen. "Echte Knaller" sind laut Vorsitzendem Schmidt dabei. "Man muss auf diesem Niveau spielen, sonst lockt man damit niemanden hierher", sagt er. Deshalb habe man viele Gespräche mit Unterstützern geführt, darunter die Hochschule Geisenheim University, das Landesbibliothekszentrum und die Rheinische Landesbibliothek Koblenz sowie das Landesamt für Geologie und Bergbau. Auch ein Museumspädagoge sei notwendig, denn "den Anspruch, den wir haben, kann man nicht mit Laien erfüllen", sagt Schmidt. Erklärtes Ziel ist es, auch in der bislang eher gästearmen Zeit von Oktober bis April Interessierte an die Lahn zu ziehen. "Das ist schwierig und erfordert ein gutes Marketingkonzept", sagt er und hofft dabei auf Unterstützung beispielsweise durch die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft des Kreises. Thematisch habe man mit dem Lahnwein, der Natur und der Umwelt ein schweres Pfund, das über die Grenzen der Ortsgemeinde Obernhof hinaus reiche. "Es geht um die gesamte Region", ist der Vorsitzende überzeugt. Weitere Fördermittel seien aus dem LEADER-Programm zu erwarten, aber auch aus Obernhofs Status als Schwerpunktgemeinde und anderen Töpfen.

Wer nun erwartet, dass in dem Gebäude sogleich Sichtbares in Sachen Lahn.Wein.Zentrum geschieht, wird von Schmidt gebremst. "Eine erste Ausbaustufe wird nicht vor Ende 2017 fertig sein", sagt er. Außerdem sei es denkbar, dass das Zentrum aus irgendeinem Grund doch nicht im ehemaligen Gasthaus eingerichtet werden kann. "Wir stehen noch am Anfang der Entwicklung", sagt er. Dennoch sei der Verkauf an den Investor ein Fortschritt für Obernhof. "Er wird das Gebäude in jedem Fall von Grund auf sanieren."

Diez
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