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Cramberg

Neue Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof in Cramberg

In Cramberg ist auf dem jüdischen Friedhof nach langer Vorbereitungszeit eine große Gedenktafel für die früheren jüdischen Bürger aus dem Ort errichtet worden, die während der nationalsozialistischen Herrschaft aus ihrem Heimatort abgeschoben, deportiert und umgebracht wurden. Erinnert wird außerdem an ein Opfer der Euthanasie während der Nazizeit. Die Tafel wird am Sonntag, 30. Oktober, feierlich eingeweiht.

Cramberg – In Cramberg ist auf dem jüdischen Friedhof nach langer Vorbereitungszeit eine große Gedenktafel für die früheren jüdischen Bürger aus dem Ort errichtet worden, die während der nationalsozialistischen Herrschaft aus ihrem Heimatort abgeschoben, deportiert und umgebracht wurden. Erinnert wird außerdem an ein Opfer der Euthanasie während der Nazizeit. Die Tafel wird am Sonntag, 30. Oktober, feierlich eingeweiht.


Für den Cramberger Initiativkreis berichteten vor Ort Friedhelm Petri, Doris Petri und Dirk Kaltheier von der Errichtung des Mahnmals. Nachdem der Gemeinderat Ende 2006 das Anbringen einer Gedenktafel im Ort abgelehnt hatte, entbrannte eine heftige Auseinandersetzung über das Für und Wider des Gedenkens an die früheren jüdischen Bürger im Ort. Nachdem sich die Wogen etwa geglättet hatten, stellte der Initiativkreis im November 2007 eine Anfrage an den Gemeinderat, ob denn eine Gedenktafel auf den jüdischen Friedhof errichtet werden könne. Die Grabstätte befindet sich weit vom Ort entfernt in einem Waldstück gegenüber von Geilnau. Dem Aufstellen der Tafel an diesem Ort wurde zugestimmt.
Über Prof. Eckhard Kremers von der Philipps-Universität Marburg wurde der Kontakt zum Dozenten Hans Zierenberg hergestellt, der im Fachbereich Bildende Kunst eine Studentengruppe mit dem Vorhaben betraute. „Ausgearbeitet wurden ganz unterschiedliche Konzepte, bei denen beispielsweise ein mit Laternen beleuchteter Weg von der Gemeinde bis zum Friedhof vorgeschlagen wurde“, berichtet Friedhelm Petri. Verwirklicht wurde aber ein anderes Konzept. An Eingang zum Friedhof ist eine etwa 2,30 mal 1,80 Meter große Stahlplatte fest im Boden verankert worden, aus der Namen und Lebensdaten der Verstorbenen per Wasserstrahl ausgefräst wurden. Gleiches gilt für ein Zitat von Rose Ausländer: „Die großen Worte sind verloren gegangen. Es heißt mit winzigen Wörtern weben um Frieden und Liebe.“ „Bei der Auswahl des Zitats war Christa Pullmann, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-jüdischer Zusammenarbeit, behilflich“, erläutert Friedhelm Petri. Vorgestellt wurde der Entwurf im Juli 2008. Danach wurde die Tafel bei einer Spezialfirma in Auftrag gegeben. Es ist gewollt, dass die Gedenktafel eine starke Korrosion aufweist.
An der linken oberen Ecke befinden sich 14 Schlitze, die für die Zahl der weiter unten genannten Opfer stehen. „Außerdem ermöglichen die Schlitze eine Durchsicht auf den neueren Teil des Friedhofs und symbolisieren den Blick durch Gitterstäbe im Gefängnis“, merkt Dirk Kaltheier an. Die Untere und die Mittlere Denkmalschutzbehörde erteilten im vergangenen Jahr der Tafel ihre Genehmigung. Danach konnte die massive Platte aufgestellt werden. „Sie ist fachmännisch fest im Boden verankert worden“, ergänzt Doris Petri. Finanziert wurde die Gedenktafel aus Mitteln der Volksbank und der Naspa-Stiftung, mit Unterstützung des Dekanats Diez, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sowie von privaten Spendern. Die Gemeinde Cramberg war nicht daran beteiligt.
Die Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof in Cramberg wird offiziell am Sonntag, 30. Oktober, um 14 Uhr eingeweiht. Der Initiativkreis und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit laden alle Interessierten zur Teilnahme ein. Im Anschluss gibt es ein Treffen im Gasthaus „Zum Schaumburger Hof“ in Cramberg, wo bei Kaffee und Kuchen über die Gedenktafel gesprochen werden kann. (ag)

Diez
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