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Villmar-Aumenau

Nach Unwetter Putzverbot am Bahnhof Aumenau: Warten auf Gutachter

Kerstin Kaminsky

Wann das Bistro am Bahnhof Aumenau wieder öffnen kann, ist ungewiss. Zwar ist der Gastraum inzwischen notdürftig trockengelegt, doch Biergarten und Keller stehen noch voller Schlamm, der sich zu einer betonharten Masse verwandelt.

Bis hier stand das Wasser, zeigt Angelika Brau, die Wirtin vom Bahnhof in Aumenau, an der Tür.
Bis hier stand das Wasser, zeigt Angelika Brau, die Wirtin vom Bahnhof in Aumenau, an der Tür.
Foto: Kerstin Kaminsky

Ehe die Versicherungen das Ausmaß der Schäden begutachtet haben, können die Wirtsleute kaum etwas tun. Am vergangenen Donnerstag hatte das Unwetter mit Hagel und Starkregen gewütet. Besonders hart hat es das Bistro „Bahnhof Aumenau“ getroffen. Innerhalb kürzester Zeit stand das ganze Gebäude samt Terrasse kniehoch in verschlammtem Wasser, das reißende Sturzbäche von den Hängen der Westerwälder Lahnhügel herunter spülten.

„Das sah aus wie die Niagarafälle“, erinnert sich die Wirtin. Alle Versuche, die Türen abzudichten, nutzten nichts – und bald waren auch Gastraum und Keller geflutet. „Ich schätze den Schaden auf eine dicke fünfstellige Summe“, sagt Angelika Brau, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Andreas Städtgen das Bistro betreibt.

Nicht nur die Räume an sich, ebenso Möbel, Kühlschränke und Lebensmittel seien betroffen, auch drei Autos erlitten wirtschaftlichen Totalschaden. „So richtig aufräumen können wir erst, wenn die Gutachter der Versicherungen hier gewesen sind“, bedauert die Geschäftsfrau und denkt mit Grauen an ihre Erfahrungen nach früheren Unwetterschäden zurück.

Das Wasser ist weg, vorbei ist damit noch nichts: Im Keller des alten Bahnhofs steht der zähe Schlamm immer noch knöchelhoch. Foto:  Kerstin Kaminsky
Das Wasser ist weg, vorbei ist damit noch nichts: Im Keller des alten Bahnhofs steht der zähe Schlamm immer noch knöchelhoch.
Foto: Kerstin Kaminsky

Seit Mai 2012 sei es nun schon das vierte Mal, dass der Bahnhof Aumenau unter Wasser stehe. „Doch noch nie war es so dramatisch wie jetzt“, sagt sie. „Ich glaube, alle bisherigen Starkregenereignisse zusammen ergaben nicht diese Unmenge von Schlamm und Wasser wie in diesem Jahr.“

Als Versicherungsnehmer stecke man in einer Zwickmühle: Einerseits solle der Schaden so gering wie möglich gehalten werden. Also wäre es das Beste, alles schnellstmöglich zu säubern und zu trocknen. Andererseits müsse der Gutachter sich ein realistisches Bild machen können, wie es nach dem Ereignis ausgesehen hat.

„Schwierig ist zudem, dass wir unsere Forderungen sowohl gegenüber der Hausrat-, der Geschäfts- und der Elementarschadenversicherung durchsetzen müssen“, sorgt sich Angelika Brau. Die würden sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben – und so zöge sich die Abwicklung schier endlos hin. Wären einige Autofahrer nach dem Unwetter rücksichtsvoller gewesen und hätten die Sperrung der Leistenbachstraße akzeptiert, wäre vielleicht nicht so viel Schlammwasser in den Keller des Bahnhofs geschwappt. „Das war eine bodenlose Frechheit!“, schimpft die Wirtin noch heute. „Barrieren wurden einfach beiseite genommen, und die Bugwellen der Fahrzeuge haben nicht nur uns geschadet, sondern auch die Helfer in Gefahr gebracht.“

Bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages seien Feuerwehrleute aus fast allen Villmarer Ortsteilen im Einsatz gewesen. Zusätzlich waren fünf Bagger und ein Radlader zum Schlammschieben vor Ort.

„Warum es der Gemeinde nicht gelang, die Kanalreinigungsfirma auch am Wochenende zu verpflichten, kann ich nicht verstehen“, sagt die geschädigte Wirtin. „Da hätte der Bürgermeister mehr Druck machen müssen.“ Auch habe ihrer Meinung nach eine klare Aussage der Verwaltung gefehlt, in welcher Art und Weise Hilfe geleistet wird – etwa wo der ganze Dreck letztendlich hin solle.

Von Kerstin Kaminsky

Hilfsangebot: Opfer des Starkregens sollten sich melden

Der Villmarer Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) möchte den Betroffenen, bei denen die Feuerwehr nicht im Einsatz war, bei der Abwicklung mit der Versicherung helfen. Auch würde er sich auf Kreisebene um finanzielle Hilfe für die Starkregen-Opfer bemühen. Vielleicht könne so etwas wie ein Fonds eingerichtet werden, doch das Ob und Wie seien völlig offen.

Hauseigentümer in Aumenau, Langhecke, Seelbach und Villmar, die durch das Starkregenereignis am 5. Juli geschädigt wurden und bei denen die Feuerwehr nicht im Einsatz war, sind aufgerufen, sich mit Melissa Reinhardt in Verbindung zu setzen unter Telefon 06482/912.130 oder per E-Mail an melissa.reinhardt@villmar.de. Für eine Finanzhilfsaktion des Landes, die die Gemeinde über den Kreis beantragt, sollen sie konkrete Angaben zum Schaden machen. Darüber hinaus teilt Rubröder mit, dass Betroffene ihren Sperrmüll kostenlos bei der Abfalldeponie Beselich, Telefon 06484/ 917 20 00, abliefern können.
Diez
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