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Berghausen/Lahnstein

Mit 66 Jahren gestorben: Einstiger "Barde aus dem Einrich" Nick Vinzentz ist tot

Nick Vinzentz ist tot – diese traurige Nachricht verbreitet sich zurzeit in den Musikerkreisen der Region. Vinzentz, der 66 Jahre alt wurde, lebte lange in der Verbandsgemeinde Katzenelnbogen und zuletzt in Lahnstein. Er war bekannt als Folkmusiker, galt als unangepasster, umwerfend offener Mensch.

USA-Fan Nick Vinzentz: Musik war sein Leben. Foto: Dagmar Schweickert
USA-Fan Nick Vinzentz: Musik war sein Leben.
Foto: Dagmar Schweickert

An seiner Gitarre oder mit seiner Mundharmonika war er ganz in seinem Element. Die USA hat er geliebt, ihre Musik sowieso. Und kreativ war er: Nick Vinzentz liebte augenzwinkernde Ironie und Ehrlichkeit bis an die Schmerzgrenze. Nachdem er den Einrich kennengelernt hatte, nahm er die Gemeinden und die Einricher musikalisch ins Visier. Seine CD „Mer gewwe sich nit!” handelte von vielen typischen Themen aus dem Einricher Alltag. Viele fanden es lustig, manche verübelten ihm seine scharfe Zunge. Eines aber hat er erreicht: „Ich wollte als Barde aus dem Einrich unbedingt beim Heimatabend auftreten – erst als ich mein Lied vom Bus nach Katzenelnbogen gesungen habe, das angelehnt ist an den Sonderzug nach Pankow, bekam ich eine Einladung”, berichtete er einmal stolz.

Vinzentz wuchs in Krefeld auf. Früh wusste er: „Musik ist mein Leben”, wie er vor einigen Jahren im Interview mit unserer Zeitung betonte. Zur Konfirmation bekam er die erste Gitarre. Er nahm klassischen Gitarrenunterricht, bald spielte er in verschiedenen Bands, trat als Jugendlicher in Tanzschuppen auf, wurde in der Krefelder Musikszene bekannt. Vinzentz probierte neue Stilrichtungen aus. Folk, Reggae, Country, Blues interessierten ihn als USA-Fan besonders. In den 70er-Jahren nahm er an Festivals von Bayern bis Osnabrück teil und trat in den USA auf. Während seines Studiums der Linguistik, Anglistik und Amerikanistik begann er, journalistisch zu arbeiten, wechselte zum Anzeigenmarketing und zog vor knapp 30 Jahren in den Einrich, um in Wiesbaden zu arbeiten. Später machte er sein Hobby zum Beruf, gründete eine Musikschule.

1990 gründete er mit 14 Kindern die Band „Nick und die Gummibärchen“: Sie hatten Auftritte von Limburg über Koblenz bis nach Mainz und im Fernsehen. Später gründete er die „Wilden Alten“ und sorgte erneut für Aufsehen: Die Senioren präsentierten „Faltenrock“, kamen im Rollator auf die Bühne, um dann Songs der Toten Hosen zu schmettern. Einen Auftritt bei der Buga in Koblenz sagte er für seinen Chor ab: „Die wollten nicht helfen, meine gehbehinderten Sänger und das Equipment zur Bühne zu transportieren”, so seine konsequente Begründung. Typisch war auch das Lied, das er über den seit Jahrzehnten umkämpften, aber nie erreichten Lückenschluss des Lahntalradwegs komponierte. Vinzentz spielte auf Festivals und gern in der urigen Atmosphäre regionaler Clubs. In den vergangenen Jahren war er allerdings gesundheitlich angeschlagen. Doch erst kürzlich noch plante er wieder Auftritte. Sein Tod ist für seine Freunde zu plötzlich, zu früh, ein Schock.

Von unserer Redakteurin Dagmar Schweickert

Diez
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