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    Malerische Wasserstraße mit ungewisser Zukunft: Hohe Investitionen an der Lahn nötig

    Die Lahn zieht jedes Jahr viele Tausend Kanu- und Radfahrer, Camper und Wanderer an. Doch alles ist im Fluss: Der Bund will bei Schleusen Geld sparen und die Lahn ökologisch aufwerten. An diesem Samstag beginnt hierfür die Beteiligung der Öffentlichkeit.

    Den Wassertourismus auf der Lahn – hier der Diezer Bootsverleih – bezeichnet Landesverkehrsminister Volker Wissing als „potenziellen Wachstumsmarkt“ und sichert das Engagement der Landesregierung zu.  Foto: Uli Pohl
    Den Wassertourismus auf der Lahn – hier der Diezer Bootsverleih – bezeichnet Landesverkehrsminister Volker Wissing als „potenziellen Wachstumsmarkt“ und sichert das Engagement der Landesregierung zu.
    Foto: Uli Pohl

    Eine Kanutour oder ein Schiffstrip auf der Lahn – für viele ein Traum. „Das ist eine der schönsten Flusslandschaften Deutschlands“, schwärmt Rhein-Lahn-Landrat Frank Puchtler (SPD). Keine Großstädte, kaum Industrie, keine Frachtschiffe, viel Natur, viele Kurven – und viel Wassertourismus. Aber bleibt das so?

    Manfred Kutscher, Ehrenvorsitzender des Vereins Pro Lahn, hat Zweifel. „Es wird nichts mehr investiert und nur das Nötigste gemacht. Die Wehre sind über 100 Jahre alt. Da kann heute oder morgen was abbrechen. Dann gibt es Überflutungen.“ Langfristig befürchtet er, dass die fast 250 Kilometer lange, schleusenreiche Lahn für den Wassertourismus „geschlossen werden soll“.

    Fakt ist, dass der Bund Geld sparen will. Er ist nicht nur für große Flüsse wie Rhein und Mosel mit vielen Frachtschiffen zuständig, sondern auch für 2800 Kilometer Freizeitwasserstraßen, Naturgewässer und Güternebenwasserstraßen mit 120 Wehren und 140 Schleusen. Dazu heißt es im Wassertourismuskonzept des Bundes: „Die Anlagen sind überaltert, was zu hohen Unterhaltungskosten führt. Die Ausgaben sollen überprüft und künftig effizienter eingesetzt werden.“

    Vom Tisch sind allerdings frühere Überlegungen, der Lahn den Titel Bundeswasserstraße und so die Zuständigkeit des Bundes zu entziehen. Für den Fluss erarbeitet der Bund nach Angaben seines Verkehrsministeriums gemeinsam mit Rheinland-Pfalz, Hessen und „allen Akteuren vor Ort“ bis 2025 ein Entwicklungskonzept. Eingebettet ist dieser zehnjährige Prozess in das EU-Projekt „Living Lahn“ (Lebendige Lahn), abgekürzt Lila. Dieses soll den Fluss ökologisch aufwerten, den Hochwasserschutz verbessern und den Tourismus vorantreiben.

    Lila-Projektleiter Jens Maltzan vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Koblenz sagt: „Dieses Entwicklungskonzept ist ein Pilotprojekt. Damit will man bundesweit und auch im europäischen Ausland etwas für andere Wasserstraßen lernen. Wir stehen da EU-weit im Fokus.“

    Die Beteiligung der Öffentlichkeit für das Entwicklungskonzept – auch Lahnkonzept genannt – hat in Gießen mit einem Workshop für Kommunen, Wirtschaft, Verbände und Bürger begonnen. Zwei weitere Workshops folgen am 23. September in Limburg und am 30. September in Bad Ems.

    Landrat Puchtler, Vorstandschef des Lahntal Tourismus Verbands, sagt zu dem malerischen Fluss mit seinen viel genutzten Uferwegen: „Das ist die Lebensader der Region, an der 10.000 Arbeitsplätze und pro Jahr 1 Milliarde Euro Umsatz hängen.“ Mit Blick auf die langwierigen Beratungen für das Lahnkonzept fordert Puchtler parallel bis 2018 ein „Zukunftskonzept“, um die weitere Finanzierung von Unterhalt und Personal der 28 Wehre und 23 Schleusen durch den Bund zügig und dauerhaft sicherzustellen.

    Zwischen Gießen und Runkel-Steeden bei Limburg gibt es elf Schleusen mit Handbetrieb für jedermann sowie flussabwärts bis zur Mündung in den Rhein in Lahnstein zwölf Schleusen mit Personal. Hinzu kommt Deutschlands wohl längster befahrbarer Schifffahrtstunnel (195 Meter) unter dem Städtchen Weilburg, gebaut bereits von 1844 bis 1847. Josef Vomfell, der mit seinem Fahrgastschiff „Wappen von Limburg“ Ausflüge auf der Lahn anbietet, sagt: „Das Problem ist, dass der Bund die Unterhaltungskosten von 5,5 bis 6 Millionen Euro pro Jahr übernehmen muss, aber nichts von den touristischen Einnahmen hat.“

    Bernd Lambertus vom WSA-Außenbezirk Diez weiß: „Die Lahn sollte schon mehrmals an die Länder abgegeben werden. Aber die sagten, das seien nur Mehrkosten, die sie nicht tragen wollten.“ Für eine weiterhin befahrbare Wasserstraße Lahn sprechen sich die Bundesländer allerdings schon aus. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) nennt diesen Wassertourismus einen „potenziellen Wachstumsmarkt“ und sichert den weiteren Einsatz seiner Landesregierung für die Lahn beim Bund zu. Schiffseigner Vomfell schließt nicht aus, dass die Schleusenzeiten zwischen Limburg und Lahnstein aus Kostengründen langfristig verkürzt würden. Derzeit können hier Schiffe und Boote vom 1. April bis zum 31. Oktober von 10 bis 18.30 Uhr geschleust werden – im Gegensatz etwa zur Mosel, wo die Schiffe rund um die Uhr in die Schleusen einfahren können.

    Der Vorstandssprecher der Bad Emser Grünen, Jürgen Gauer, hat nichts gegen die Beibehaltung der Wehre und Schleusen, pocht aber auf mehr „Durchgängigkeit für die Fische“. Im Detail ist das nicht einfach. Die Schleuse Lahnstein beispielsweise hat eine Fischtreppe – die die Tiere aber verschmähen. WSA-Mitarbeiter Lambertus sagt: „Die ist von 1956, das ist ein alter Forschungsstand, die funktioniert nicht.“ Langfristig sei der Bau einer neuen Fischtreppe geplant.

    Derweil gilt an der Lahnsteiner Schleuse eine bundesweit überaus seltene Regelung: Auch die Fische werden hier laut Lambertus geschleust. Nachts sei die Schleuse flussabwärts teils geöffnet, morgens stehe ihr oberes Tor flussaufwärts eine halbe Stunde offen: „Das ist die Ausschwimmphase für die Fische.“

    Von Jens Albes

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