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    Limburg

    Mädchen missbraucht: Lange Haftstrafe für Reitlehrer

    Wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen in zwölf Fällen hat das Limburger Landgericht den Inhaber eines Ponyhofs im Westerwald zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

    Der 55-jährige Reitlehrer, verheiratet und Vater dreier kleiner Kinder, hatte die Taten gestanden, die sich von Sommer 2011 bis Januar vorigen Jahres erstreckten, als das Opfer 13 und 14 Jahre alt war. Nach Feststellungen der Staatsanwaltschaft und des Gerichts machte sich der voll schuldfähige Angeklagte seine Vertrauensfunktion, die Vorliebe des Kindes für die Tiere seines Hofes wie auch das Vertrauen seiner Eltern, zur Befriedigung seines Sexualtriebs zunutze.

    Für das Mädchen sei der Hof wie eine zweite Familie und er selbst eine Vaterfigur gewesen. Aus Angst, ihre Privilegien zu verlieren und vom Hof verwiesen zu werden, habe die Geschädigte die sexuellen Übergriffe geduldet. Der Angeklagte hatte über seinen Verteidiger Albert Balmert ein Pauschalgeständnis abgelegt, aber keine Details nennen wollen. Das überließ er der heute 16-jährigen Geschädigten, die als Nebenklägerin auftrat.

    Ohne Belastungseifer schilderte sie das Geschehene und wie es dazu kam. Sie führte ebenso aus, dass sie dem Hofinhaber auch ihre Probleme anvertraute, der sie tröstend in den Arm genommen habe, wie es auch ein Vater tut. Hinsichtlich der Übergriffe hatte das unerfahrene Mädchen gedacht, dass er schon wisse, was er da macht. Mit Rücksicht auf die Schülerin sollen an dieser Stelle keine Details dargestellt werden. Ihre Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller geht davon aus, dass ihre Mandantin noch der psychologischen Unterstützung bedarf. Sie habe sich einer erwachsenen Freundin offenbart, zumal ihre Mutter zu sehr mit der Ehefrau des Inhabers verbandelt gewesen sei. Der Angeklagte habe sich nicht einmal entschuldigt.

    Die Ehefrau des Angeklagten nahm als Zeugin kein Blatt vor den Mund. Im Alter von 18 Jahren habe sie ihren Mann kennengelernt, berichtete die 34-jährige Erzieherin, zweite Ehefrau des 55-Jährigen, und sagt heute: „Es gab von Anfang an Eheprobleme. Ich hätte gar nicht heiraten sollen." Sie beschrieb das ständige Hoch und Tief ihrer Beziehung und den Jähzorn ihres Mannes schon bei nichtigen Anlässen, der auch schon mal eine Mistgabel auf dem Rücken eines Pferdes zerschlagen und einen Hasen an die Wand geschlagen habe. „Alle hatten Respekt vor ihm: er war der Held. Die Mädchen haben ihn angehimmelt und ich habe die Arbeit gemacht", sagte sie über ihren Mann, der zeitweise erhebliche Alkoholprobleme und Existenzängste hatte, Suiziddrohungen ausgestoßen habe und in der Entzugsklinik gewesen sei. Eine Ehe- oder Alkoholtherapie habe er strikt abgelehnt. „Ich hätte mit allem gerechnet, aber damit nicht", sagte die tief getroffene Frau. Er habe ja zunächst alles abgestritten.

    Eine Kripobeamtin berichtete, dass sie bei einer Hausdurchsuchung im Mai im Schlafzimmer des Beschuldigten eine Kiste mit Vibratoren sichergestellt habe. Eine DNA-Untersuchung durch das Landeskriminalamt habe Spuren von ihm und der Geschädigten erwiesen. Die Vorsitzende Richterin Karin Walter verlas Schilderungen des Mädchens, wonach der Angeklagte „gerne schmutzigen Sex hatte" und von seinen perversen Äußerungen.

    Die Ausführungen der Ehefrau führten dazu, dass der psychiatrische Sachverständige den Angeklagten zusätzlich auf den Verdacht einer depressiven oder schizophrenen Erkrankung und den möglichen Zusammenhang der Taten mit dem Alkohol zu untersuchen. Dazu war die Verhandlung eigens um eine Stunde unterbrochen worden, mit dem Ergebnis, dass er sich des Unrechts seines Handelns voll bewusst war und keine Beeinträchtigung seiner Schuldfähigkeit vorlag.

    Als besonders schwerwiegend führte Staatsanwalt Manuel Jung den langen Zeitraum, die Vielzahl der Übergriffe und die Steigerung der Intensität aus. Der Angeklagte habe zwei Familien und deren Umfeld zerstört. Hart ging der Staatsanwalt mit Menschen ins Gericht, die der Ehefrau durch verschiedene Schikanen am Reiterhof das Leben schwer machten. „Die Ehefrau hatte keine Kenntnis vom Treiben ihres Mannes und war zu den Ermittlungsbehörden von Anfang an kooperativ. Die Anfeindungen sind nicht nachvollziehbar und auf das Schärfste zu verurteilen", sagte Jung. Das Gericht folgte der Höhe seines Strafantrags, dem sich die Nebenklage anschloss.

    Verteidiger Albert Balmert vertrat die Auffassung: „Er weiß, was er getan hat und hat sich damit auseinander gesetzt. Entschuldigen kann man sich dafür nicht. Es wurde eine unentschuldbare Grenze überschritten", sagte der Anwalt und überließ die Höhe der Strafe dem Gericht. Dieter Fluck

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