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Limburg

Limburg erstickt in viel zu viel Autoverkehr: Ausweg mit Masterplan Mobilität?

Besser beleuchtete Wege, mehr Parkplätze am Rand der Innenstadt und Lebensmittelmärkte, die zu Fuß erreichbar sind, Nachtfahrverbote für Lastwagen, angemessene Fahrpreise in den Bussen und eine Ausweitung der Fahrzeiten in die Abend- und Nachtstunden – die Wünsche sind bunt und vielfältig. Es sind Wünsche der Fachleute für Verkehr in Limburg, von Bürgern, die täglich am Geschehen auf den Straßen, den Gehwegen und Radstreifen oder als Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs teilnehmen.

Geht es um das Thema Verkehr, dann kann um Verbesserungen intensiv diskutiert werden. An vier sogenannten Marktständen gab es die Möglichkeit, Erfahrungen und Erwartungen mitzuteilen.  Foto: Stadt Limburg
Geht es um das Thema Verkehr, dann kann um Verbesserungen intensiv diskutiert werden. An vier sogenannten Marktständen gab es die Möglichkeit, Erfahrungen und Erwartungen mitzuteilen.
Foto: Stadt Limburg

„Wir wollen Ihre Erfahrungen, die Sie täglich machen. Wir wollen auch Ihre Vorschläge für eine Verbesserung der Mobilität in unserer Stadt.“ Bürgermeister Marius Hahn empfing die Bürger in der Klubebene der Stadthalle mit einer klaren Aufforderung. Die Stadt hatte zusammen mit den beauftragten Büros eingeladen, um an dem Masterplan Mobilität mitzuwirken. „Es ist ein gutes Zeichen, dass so viele gekommen sind“, zeigte sich Hahn erfreut über die Teilnahme. Knapp 100 Interessierte hatten sich eingefunden und stellten sich im Laufe des Abends der Aufforderung, sich in den Prozess Masterplan mit eigenen Ideen und Vorstellungen einzubringen.

Was ist unter dem Masterplan Mobilität zu verstehen? Nach Angaben von Verkehrsplaner Dr. Michael Frehn (Planersocietät Dortmund) handelt es sich um kein festgeschriebenes Paket an Vorhaben, die umgesetzt werden sollen, sondern um einen Prozess der Veränderung über mehrere Jahre. Ziel ist es dabei, die Mobilität des Einzelnen beizubehalten oder sogar noch zu verbessern, das Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen Belastungen zu reduzieren. Was dabei konkret umgesetzt werden kann oder soll, dazu dienen die Bestandsanalyse der Fachleute und die daraus folgenden Vorschläge und die Anregungen der Bürger.

Die Ist-Situation in Limburg beschreibt Frehn wie folgt: Das Auto ist selbstverständlich, die Fortbewegung in Bussen und Bahnen selten freiwillig, das Rad kommt als Verkehrsmittel wenig in Betracht und dient vor allem der sportlichen Betätigung. Das zeigt sich auch in der Statistik. Während im Jahr 2012 in 71 Prozent der Fälle das Auto in Limburg als Verkehrsmittel genutzt wurde, war das Auto bundesweit mit 41 Prozent als genutztes Verkehrsmittel deutlich geringer vertreten. Luft nach oben gibt es nach Einschätzung von Frehn vor allem bei der Nutzung des Rads oder beim Weg zu Fuß auf kurzen Strecken. Die Lust am Radfahren vergrößern, vernünftige Tarife im Nahverkehr, die die Grenzen von Bundesländern oder Verkehrsverbünden überwinden, Car-Sharing-Systeme, flexiblere Routenführung beim Busverkehr, betriebliches Mobilitätsmanagement und vieles mehr kann sich Frehn auch in Limburg vorstellen. Dabei sieht er die Stadt durch Ideen und Ansätze durchaus gut aufgestellt. Für Bürgermeister Hahn ist die hohe Schadstoffbelastung (Stickstoffdioxid) mit der Chance verknüpft, in Förderprojekte und Programme zu kommen, die im Rahmen des „Dieselgipfels“ durch die Bundesregierung finanziert werden sollen.

Verkehrsplaner David Madden hat mit seinen Kollegen der Planersocietät sowie des Gutachterbüros Gertz Gutsche Rümenapp natürlich auch eine Bestandsanalyse in Limburg vorgenommen. Die Stadt mit einem guten und stabilen Zentrum ist nicht nur regional, sondern auch überregional gut erreichbar. Die Situation ist nach seinen Angaben allerdings gekennzeichnet durch eine auch im Vergleich hohe Verkehrsbelastung, die durch Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehr gespeist werde. Die kompakte Lage biete sich allerdings an, um Wege möglichst zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen.

Jürgen Dumeier, Leiter des Amts für Verkehrsplanung in der Limburger Stadtverwaltung, sieht die Stadt vor der schwierigen Aufgabe, die Stickstoffdioxidbelastung möglichst schnell zu reduzieren, um nicht mit Fahrverboten belegt zu werden. Im Bereich E-Mobilität sei die Stadt gut aufgestellt. „Wir wollen Firmen dabei unterstützen, auf E-Antriebe oder andere alternative Antriebe umzustellen“, machte er deutlich.

Die Anregungen, Wünsche, Ideen oder auch empfundenen Mängel, die die Bürger anschließend an sogenannten Marktständen zu unterschiedlichen Verkehrsthemen vortrugen, zeigten deutlich den täglichen Praxisbezug. Da gibt es Befürchtungen, dass die weitere Ansiedlung von Gewerbe und Firmen zu einer erheblichen Zunahme an Verkehr führt (Mitarbeiter sowie Anlieferung); die alte Lahnbrücke als Einbahnstraße einen Kollaps mit sich bringt, wenn die Lichfieldbrücke erneuert wird; das Angebot an Bussen zu wenig bekannt ist, die Fahrzeiten und Preise unattraktiv sind; für Fußgänger die Wege und Unterführungen besser beleuchtet sein müssen; das Angebot an Busverkehr für Schüler nicht ausreicht; eine sinnvolle Beschilderung und Orientierung für mobilitätseingeschränkte Menschen fehlt und sie auf ihren Wegen durch die Stadt noch auf zu viele Hindernisse stoßen; der Verkehrsfluss in der Stadt insgesamt verbessert werden muss und vieles mehr.

„Es gibt viel zu tun“, so das Resümee des Bürgermeisters. Er bedankte sich für die rege Teilnahme und sagte die Aufnahme der Vorschläge und Bedenken in die weitere Beratung zu. Allerdings dämpfte er die Erwartung mit Blick auf die teilweise sehr gegensätzlichen und sich zum Teil ausschließenden Erwartungen: „Wir werden es nicht allen recht machen können.“

Wer an dem Bürgerforum nicht teilnehmen konnte, hat dennoch die Möglichkeit, sich mit Vorschlägen und Ideen in den Prozess des Masterplans einzubringen. Unter www. buergerbeteiligung.de/mobilitaet-limburg ist eine Beteiligung (bis Anfang März) möglich, ebenso gibt es die Möglichkeit, mit Postkarten Ideen und Vorschläge einzureichen, die Postkarten stehen im Foyer des Rathauses zur Verfügung. Unter www.masterplan-mobilitaet-limburg.de gibt es weitergehende Informationen zum Prozess des Masterplans.

Hintergründe zum Masterplan

Sie sind beteiligt: Bürger über Foren sowie bürgerschaftliche Mitwirkungsmöglichkeit per Internet und Postkarte; Stadtverordnetenversammlung; Steuerungskreis bestehend aus dem Bürgermeister oder dessen Vertreter, sechs Vertretern des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr, Vertretern der Stadt Diez; beratend nehmen noch daran teil das Amt für Verkehrs- und Landschaftsplanung sowie die städtische Energie- und Klimaschutzbeauftragte; Beirat zum Masterplan Mobilität bestehend aus Vertretern der örtlichen Verkehrsinitiativen, des CityRings und des Arbeitskreises Altstadt, der IHK und der Kreishandwerkerschaft, Vertretern des öffentlichen Nahverkehrs (RMV, VLDW sowie Fahrgastbeirat) und der Stadtteile sowie der Straßenverkehrsbehörde und der Polizei, der Nachbarkommunen Elz, Diez, Hadamar, Runkel und Brechen und schließlich noch Vertretern des Regierungspräsidiums und des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie zu den Aspekten Luftreinhaltung und Lärmminderung sowie die Gutachterbüros und das Moderatorenteam.

So geht es weiter: Nach der Erarbeitung der Bestandsaufnahme und -analyse und der ersten Beiratssitzung (November 2017) folgte nun das erste Bürgerforum (6. Februar 2018). Die Zieldefinition ist bis zum zweiten Quartal vorgesehen, im April folgt die zweite Beiratssitzung. Bis zum Ende des Jahres laufen die Maßnahmenermittlung und -untersuchung sowie das Handlungs- und Umsetzungskonzept mit Evaluation. Begleitet wird dies durch die dritte Beiratssitzung (September 2018), das zweite Bürgerforum (voraussichtlich Oktober 2018) und die vierte Beiratssitzung (November/Dezember 2018). Der Masterplan Mobilität soll dann im ersten Quartal 2019 stehen.

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