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Netzbach

Letztes Farbenfest: Netzbach zeigt sich "Schwarz auf Weiß"

Anna Manz

Was hatte Netzbach am Samstag mit Pinguinen, Zebrastreifen und Schachbrettern gemeinsam? Der Ort war ebenso schwarz-weiß wie sie! Patricia Janning, Leiterin der Kunst-, Kultur- und Naturwerkstatt Kukunat, ist es wieder einmal gelungen, aus dem beschaulichen Ort samt Bewohnern und Besuchern eine riesige künstlerische Leinwand zu zaubern. Unter dem Motto „Schwarz auf Weiß“ reihte sich die Großveranstaltung in eine über zehnjährige Tradition der Farbenfeste ein und bildete schließlich deren spektakuläres Ende.

Mehrere Tausend Besucher setzten, dem Thema entsprechend gekleidet, Akzente in dem riesigen Gesamtkunstwerk. Sie erwartete eine derart liebevoll gestaltete Umgebung, dass sich manche wohl statt in der Netzbacher Unterdorfstraße in einem Schwarz-Weiß-Film wähnten. Ob Stuhlbezüge, Tischdekoration oder gar Toilettenpapier: Es waren gerade diese noch so kleinen Details, die die Illusion perfektionierten. „Ich war schon oft hier. Es ist so schön, dass alle zusammenkommen und gemeinsam feiern. Vor allem bin ich stolz, wie die Dorfgemeinschaft hinter dem Fest steht“, schwärmte Besucherin Jaqueline Rutkowski. „Die Gestaltung ist so einfallsreich und niveauvoll, einfach klasse“, schloss sich ein weiterer Gast an.

Ebenso wie das Motto zielte die Veranstaltung darauf ab, Gegensätze zu vereinen. „Hier begegnen sich die Menschen mit Toleranz und Respekt, ungeachtet des Alters, der Herkunft oder des Berufs. Sie bilden eine perfekte Gesellschaft“, so Patricia Janning. Sie betrachtet das Ende der Farbenfest-Reihe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ihr größter Wunsch für die Zukunft betrifft das Erbe des von ihr initiierten Besuchermagneten – und zwar nicht in Form einer Folgeveranstaltung, sondern als Lebensphilosophie in den Herzen der Menschen: „Alle ziehen hier an einem Strang, egal wie unterschiedlich sie sein mögen. Ich möchte gerne, dass sie diese Einstellung auch über das Farbenfest hinaus mitnehmen.“

Um eine solch einmalige Veranstaltung überhaupt erst möglich zu machen, braucht es viele helfende Hände, etwas, auf das die studierte Kunstpädagogin sich bei den Netzbachern immer verlassen konnte. Seit dem Debüt des Festes vor zwölf Jahren stand die Dorfgemeinschaft stets hinter ihrer Vision und realisierte sie mit Spenden und tatkräftiger Unterstützung sowohl beim Aufbau als auch beim Verkauf von Speisen und Getränken. Dem Engagement der Netzbacher ist es zu verdanken, dass Kukunat zunächst „blau machte“ (2006) und „rot sah“ (2008), dann „gelb schien“ (2010) sowie „ergrünte“ (2012) und schließlich noch „orange leuchtete“ (2014) und „lila Laune“ verbreitete (2016). Längst war das Farbenfest kein Geheimtipp der Region mehr. Neben der Anzahl der Besucher nahm auch die Länge der Anreisewege stetig zu. Den Rekord halten dabei wohl Gäste aus Neuseeland und Australien. Trotz des schwarz-weißen Mottos erstrahlte die Veranstaltung bunt und vielfältig. Walk-Acts, erstklassige Bühnenauftritte von bekannten Künstlern der Region wie Hanne Kah, verschiedenste Ausstellungen, internationale Beiträge und unzählige Marktstände machten den Besuch in Netzbach zu einem unvergesslichen Erlebnis für Tausende Gäste. Nicht zu kurz kamen auch die vielfältigen Mitmachaktionen, die von Filzen und Bogenschießen über historisches Drucken bis hin zu einer Märchenerzählerin und Schachpartien reichten. „Wo man auch hinschaut, strahlende Gesichter. Das ist das Schönste für mich“, betonte Patricia Janning.

Dementsprechend bestätigte das fröhliche Kinderlachen als allgegenwärtiges Hintergrundgeräusch ihre monatelange Arbeit wohl mehr als es Tausend lobende Worte vermocht hätten. Nach sieben Farbenfesten ist sie und alle an der Organisation Beteiligten ihrem großen Ziel immer näher gekommen: Toleranz stiften und Schwarz-Weiß-Denken reduzieren.

Das Ende der Farbenfeste bedeutet aber keineswegs das Ende der Veranstaltungen von Kukunat. Die Kulturscheune mit der „Offenen Bühne“, auf der sich Amateure wie Profis vor Publikum ausprobieren können, bleibt selbstverständlich erhalten und lockt bereits am Samstag, 22. September, mit einer neuen Auflage. Auch die Kunstwerkstatt bleibt weiter bestehen. Eine Erweiterung des Programms ist in Planung. Und wer Patricia Janning kennt, der weiß, dass ihr bereits weitere Ideen im Kopf herumschwirren.

Von unserer Mitarbeiterin
Anna Manz

Diez
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