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    Keine einzige Wunde ist geheilt: Ein Kommentar von Malte Glotz zum Urteil

    Recht und Gerechtigkeit – im Idealfall bringt ein Urteil beides zusammen. Allzu oft aber ist beides gar nicht zusammen zu bringen; so wohl auch in diesem Fall. Nach einer blutigen Tat wie jener von Heiligabend vergangenen Jahres kann es kein Urteil geben, das den Hinterbliebenen – Kindern, Partnerin, Kollegen, Freunden – auch nur irgend eine Art von Befreiung geben kann.

    Malte Glotz kommentiert
    Malte Glotz kommentiert

    Allein einen Teil zum Verständnis kann ein Prozess beitragen – durch Versachlichung, durch genaue Betrachtung beider Seiten, Opfer wie Täter. An diesem Anspruch ist dieser Prozess gescheitert. Waren zu Beginn im Frühsommer vor allem Trauer und Verzweiflung zu spüren, so waren es am Ende Wut und Verachtung.

    Daran hatten beide Seiten ihren Anteil. Es ist verständlich, dass ein Verteidiger für seinen Mandanten das Bestmögliche herauszuholen versucht. Dass schon die Forderung – Freispruch – ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen wie des zweiten, lebensbedrohlich verletzten Polizisten ist, muss wohl hingenommen werden. Doch: Hätte Verteidiger Torsten Fuchs diese Forderung nicht bereits im Oktober stellen können? Hat seine Lawine an Beweis- und Hilfsanträgen so tiefgreifenden Erkenntnisgewinn mit sich gebracht, dass er anders plädiert hätte? Oder die Gegenseite? Dass das Urteil anders ausgefallen wäre? Bei ehrlicher Betrachtung: Wohl kaum. Dass Fuchs die Kammer unter Vorsitz von Richter Andreas Janisch schon früh im Verfahren für befangen erklärt hat, den psychiatrischen Sachverständigen Reiner Gliemann aber erst Wochen nach dessen Gutachten, war der Stimmung kaum zuträglich.

    Sicher nicht zuträglich war ihr auch das, was sich hinter der gläsernen Barriere zwischen Zuschauern und Teilnehmern abspielte. Über Monate musste die Mutter des Täters Schmähungen ertragen. Schon im Sommer wurde ein Mann aus dem Verwandtenkreis des Opfers dafür angezeigt, dass er wiederholt die Mutter beleidigt hatte. Ging sie sich einen Kaffee aus dem Automaten des Gerichts ziehen, fielen schon mal die Wort „Jetzt gibt’s einen mit Schuss“.

    Regelmäßig war die immergleiche Empfehlung zu hören: „Einsperren und Schlüssel wegwerfen“. Dass niemand nach dem Henker rief, war wohl allein dem Respekt vor dem Gerichtssaal geschuldet. Selbst der Kammer schlug blanker Hohn entgegen – dafür, dass sie ihre Arbeit machte. Zog sie sich zurück, um wieder einmal einen Beweisantrag der Verteidigung juristisch begründet abzulehnen, erhoben sich die Zuschauer empört, fluchend und feixend: „armes Deutschland“ und „so eine Farce“.
    Diese „Farce“ nennt sich Gerichtsverfahren. Wer einem Gericht keinen Respekt dafür entgegenbringen kann, dass es seine Arbeit neutral, überparteilich, moderierend erledigt, der kann selbst ein Urteil wie das gestrige nicht akzeptieren. Es ist eine bittere Erkenntnis: Es werden immer Wunden bleiben. Auch, weil im Verfahren neue Wunden gerissen wurden. Weihnachten wird für alle Beteiligten nie mehr Weihnachten sein. Aber das Verfahren hat nicht geholfen, es für irgend jemanden erträglicher zu machen.

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