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    LimburgJVA-Sportfest: Ein Stück Freiheit hinter hohen Mauern

    Mit geschlossenen Beinen Bankspringen, Gewichte am ausgestreckten Arm halten oder Sit-Ups mit Medizinball – 46 Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Limburg haben bei einem Sportfest am Samstag ihre Ausdauer und Kraft in fünf Einzeldisziplinen gemessen. Außerdem wurden die Endspiele des seit einer Woche laufenden Fußball- und Volleyballturniers ausgetragen.

    Das Volleyballteam der Leo-Sternberg-Schule (vorn) war der JVA-Mannschaft überlegen.   Foto:  Kerstin Kaminsky
    Das Volleyballteam der Leo-Sternberg-Schule (vorn) war der JVA-Mannschaft überlegen.
    Foto: Kerstin Kaminsky

    Für die Gefangenen ist das ein fröhlicher Festtag, nicht nur weil sie den ganzen Tag unter freiem Himmel genießen konnten, sondern auch wegen Leckereien wie Grillwurst und Kuchen, die es im normalen Haftalltag nicht gibt. „Lediglich einen einzigen Häftling mussten wir aus Sicherheitsgründen von unserem Sportfest ausschließen“, sagte JVA-Leiterin Anja Müller, und vier hätten am Morgen keine Lust dazu gehabt. Für alle anderen war es ein großer Ansporn, an den Wettkämpfen teilzunehmen und eine Medaille zu erkämpfen. „So ein sportlicher Wettstreit ist für einige der Inhaftierten eine völlig neue Situation“, weiß Sportübungsleiterin Karin Sturm. „Doch müssen sie auch anerkennen, dass jede Mannschaft nur so stark ist, wie ihr schwächstes Glied.“ So hätte beispielsweise beim Staffellauf ein Läufer seinen Schuh verloren – Pech für das ganze Team, das sich einen Moment zuvor noch in einer Spitzenposition wähnte. Ein Höhepunkt des jährlichen Sportfestes sind die großen Spiele gegen Mannschaften von draußen. Beim Volleyball treten die Gefangenen traditionell gegen das Lehrerkollegium der Leo-Sternberg-Schule an, beim Fußball kommt der Gegner aus Breitscheid von der Gefährdetenhilfe Neustart. Obwohl es nur um Ruhm und nicht um Preise gehe, kämpfen die Gefangenen ehrgeizig und wollen mit aller Kraft gewinnen, weiß die JVA-Leiterin. Trotzdem waren in beiden Sportarten die Gäste stärker. Im Volleyball gewann die Leo-Sternberg-Schule mit 2:1 und beim Fußball siegte die Gruppe Neustart mit 7:5 gegen die Auswahl der JVA.

    Für Gefängnisseelsorger Diakon Wolfgang Zernig ist das JVA-Sportfest ein Tag, an dem er seine „Schäfchen“ so ganz anders erleben kann als sonst. Um der allgemeinen Fröhlichkeit noch eins draufzusetzen, spendierte er eine Runde Eis für alle. „Auf diesen Tag haben sich die Gefangen schon seit Wochen gefreut“, weiß Zernig. Die Abwechslung vom tristen Alltag sei das eine, aber auch weil sie sich durch Leistung Anerkennung verschaffen können. So mancher würde die Medaille später in der Familie verschenken mit dem stolzen Gefühl, diesen Preis für jemanden errungen zu haben, der ihm am Herzen liegt. JVA-Leiterin Müller ist sicher, dass die Inhaftierten auch den Besuch der Politiker als wertschätzend empfanden. Die Landtagsabgeordneten Tobias Eckert (SPD) und Andreas Hofmeister (CDU), Stadtrat Michael Stanke (CDU) und ein Vertreter des Landkreises wünschten einen erfolgreichen Tag. Was noch wichtiger war: Sie brachten Bälle mit. „Der Verbrauch hier ist ziemlich hoch“, sagte Anja Müller lachend und zeigte auf die Stacheldrahtkrone der hohen Mauern rund um das Spielfeld, in dem sich etliche Bälle verfangen haben.

    Von Kerstin Kaminsky

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