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    Fotovoltaikunternehmen muss seine Belegschaft halbieren

    Katzenelnbogen -  Die von der Bundesregierung angekündigte Kürzung der Solarförderung um 20 bis 30 Prozent schon vom 9. März an stürzt die Branche in eine Krise. Fotovoltaikunternehmen wie die Firma Pro Helios Regenerative Energiesysteme GmbH & Co. KG in Katzenelnbogen sind am stärksten betroffen. Nach einem eklatanten Umsatzeinbruch, den Geschäftsführer Holger Gretzschel auf die große Verunsicherung der Kunden zurückführt, muss die Firma im Flecker Industriegebiet jetzt 8 von insgesamt 17 Mitarbeitern zum Ende dieses Monats entlassen.

    Katzenelnbogen -  Die von der Bundesregierung angekündigte Kürzung der Solarförderung um 20 bis 30 Prozent schon vom 9. März an stürzt die Branche in eine Krise. Fotovoltaikunternehmen wie die Firma Pro Helios Regenerative Energiesysteme GmbH & Co. KG in Katzenelnbogen sind am stärksten betroffen. Nach einem eklatanten Umsatzeinbruch, den Geschäftsführer Holger Gretzschel auf die große Verunsicherung der Kunden zurückführt, muss die Firma im Flecker Industriegebiet jetzt 8 von insgesamt 17 Mitarbeitern zum Ende dieses Monats entlassen.


    Dieter Pfaff, Obermeister der Elektroinnung Rhein-Lahn, befürchtet, dass in den 37 Innungsbetrieben im Kreis bis zu 150 Jobs gefährdet sein könnten. Bundesweit hängen nach Darstellung Pfaffs bis zu 70.0000 Arbeitsplätze an der Solartechnologie. Neben den reinen Fotovoltaikunternehmen seien auch Elektrotechnikbetriebe, Gerüstbauer, Dachdecker und Spediteure betroffen.
    Am Montag wird Gretzschel mit rund 30 Mitstreitern, darunter die von der Entlassung betroffenen Mitarbeiter, in Berlin gegen die Pläne der Bundesregierung demonstrieren. Am Dienstag steht ein Gespräch im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium an. Holger Gretzschel, der eigentlich am 19. März bei einem Infoabend der CDU in Singhofen ein Impulsreferat halten und als Ansprechpartner für interessierte Bürger zur Verfügung stehen sollte, hat den Termin abgesagt: „Ich würde auch gegenüber meinen Mitarbeitern unglaubwürdig, wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt bei einer CDU-Veranstaltung auftreten würde.“
    Die Situation bei Pro Helios ist frappierend: Hatte das Unternehmen aufgrund konkreter Anfragen und Planungen bis April ein Auftragsvolumen in Höhe von 1,3 Millionen Euro und bis Ende Juni in einer Größenordnung von 3 Millionen Euro anvisiert, sank der Umsatz in den ersten beiden Monaten 2012 real auf gerade mal 50.000 Euro. „Bei Fixkosten von 70.000 Euro hält ein Unternehmen das nicht lange durch“, sagt Gretzschel. Zwei große Aufträge im Westerwald, von denen einer mit einem Volumen von alleine 1,3 Millionen Euro für Mai/Juni geplant war, sind durch die laut Kabinettsbeschluss „verordneten“ neuen Einspeisevergütungen vorerst gestorben, sagt Gretzschel. Die Pläne wandern nun erst einmal in die Schublade. Auch kommunale Projekte in Osterspai, Weisel, Altendiez oder Burgschwalbach sind gefährdet.
    Obermeister Dieter Pfaff möchte ebenfalls die Öffentlichkeit mobilisieren und beklagt die mangelnde Berechenbarkeit von Politik. „Die machen mit einem Federstrich ganze Handwerkszweige kaputt“, sagt Pfaff. Etwa 35 Prozent der Innungsbetriebe haben sich nach seiner Darstellung mit der Fotovoltaik ein Standbein geschaffen, dafür zum Teil langfristige Investitionen getätigt und bekommen nun kurzfristig die Geschäftsgrundlage entzogen: „Wenn wir uns nicht so breit aufgestellt hätten, könnten wir unsere Betriebe dichtmachen.“ Für Pfaff ist das nicht nachvollziehbar: „An den erneuerbaren Energien geht kein Weg vorbei, aber dieser wird mit Stolpersteinen gepflastert.“
    Bürgermeister Harald Gemmer (Verbandsgemeinde Katzenelnbogen) ist schockiert über den Verlust von wohnortnahen Arbeitsplätzen und „kann nicht begreifen“, was zu der Entscheidung geführt hat, die Einspeisevergütung zum jetzigen Zeitpunkt und in dieser Höhe zu beschneiden. Er vermutet Lobbypolitik als Ursache, obwohl die Energiewende und der Ausstieg aus der Atomenergie doch von der breiten Masse gewollt seien. „Das Thema wird von der Politik und den Konzernen platt gemacht“, sagt Gretzschel. Pfaff befürchtet, dass die Fotovoltaikunternehmen und Anlagenbetreiber als Energieversorger und damit als Konkurrenten angesehen werden. Die Fotovoltaik werde zwar subventioniert, aber das sei auch bei anderen Energiearten wie der Kernenergie nicht anders. Offensichtlich sei den großen Energiekonzernen die wachsende Unabhängigkeit, die durch Fotovoltaikanlagen und dezentrale Energieerzeugung entstehe, ein Dorn im Auge. Der Landtagsabgeordnete Frank Puchtler (SPD) kündigte an, dass das Land das Thema noch einmal im Bundesrat auf die Tagesordnung bringen möchte. (jgm)

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